Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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Die europäische Kulturlandschaft im Wandel. Festschrift für Karl HeinzSchröder. Herausgegeben von Hermann Grees. 299 Seiten, 1 Bildtafelund zahlreichen Graphiken, gebunden. Verlag Ferdinand Hirt, Kiel 1974.Mit einiger Verspätung soll hier kurz ein Buch angezeigt werden, aus demauch der österreichische Leser manchen Gewinn ziehen wird. Die zum60. Geburtstag des Tübinger Geographen K. H. Schröder erschienene Festschriftrichtet sich zwar in erster Linie an die Vertreter des Faches Geographie. Aberwie so oft bieten sich auch dem Volkskundler einige interessante Aspekte. Diesgilt besonders unter österreichischer Sicht für die beiden Beiträge vonG. Schweizer über Die Alpwirtschaft Vorarlbergs am Beispiel desMontafons" und von A. Leidimair über Einhaus und Gehöft im alpinenRaum". Der Beitrag von Schweizer ist eine willkommene Ergänzung zuF. Zwittkovits' Buch über die Almen Österreichs( 1974), worin gerade dasMontafon nur gelegentlich am Rande behandelt ist. Nach einer kurzen Einfüh-rung in Geschichte und Besitzstruktur der Alpwirtschaft in dieser bis in diezwanziger Jahre von äußeren Einflüssen weithin unberührten Talschaft, folgteine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation und ihre Veränderung inner-halb der letzten 20 Jahre, die sich nicht wesentlich von Vorgängen innerhalbganz Europas unterscheidet( Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe, Auf-lassung der Alpen, Verlagerung der Milchwirtschaft in die Täler). Dem Inter-essierten werden jedoch exakte Zahlen und viele weiterführende Hinweisegeboten.

Die vom Jubilar auf Grund seiner Beobachtung der südwestdeutschenHauslandschaft vertretene These, wonach das Gehöft weitgehend die Mutter-form der ländlichen Haustypen Südwestdeutschlands sei, versucht Leidimair fürden mittleren Alpenraum zu untermauern, indem er anhand interessanter Ein-zelheiten plausibel macht, daß auch dort das Einzelhaus nur die jüngere Formeiner Entwicklung ist, die vom Haufenhof über den Paarhof führt. Man wirddieser Frage noch weiter nachgehen müssen.

Wer sich künftig mit Fischereirechten in ihrer historischen Erscheinungbeschäftigt, wird sicherlich auch den Beitrag von F. Elsener über DieFischfache im Zürichsee zwischen Rapperswil und Hurden" berücksichtigenmüssen. Ähnliche Verhältnisse wie dort können auch an den österreichischenSeen geherrscht haben, wo das Fischereirecht mehreren zustand. Übrigensgehörte ja Rapperswil zu den vorderösterreichischen Landen.

Weitere hier interessierende Themen dieser im ganzen sehr schönen Fest-schrift sind bäuerliches Erbrecht, Wandel der Kulturlandschaft durch Wüstungs-vorgänge und Reblandumlegung sowie der Weinbau selbst.

Herbert Schempf

Karl Gladt, Deutsche Schrift- Fibel. Anleitung zur Lektüre der Kur-rentschrift des 17. bis 20. Jahrhunderts. Graz, Akademische Druck- undVerlagsanstalt, 1976. Englisch broschiert. 259 Seiten, 174 Schriftbeispiele,12 Abbildungen, davon 4 in Farbe. S 380,-.

Wenn ich daran denke, daß meine Mitarbeiter nur mit Mühe und meineKinder meine Briefe überhaupt nicht mehr lesen können, wenn ich sie- ausGewohnheit und zugegeben auch aus Neigung- ,, kurrent" schreibe, wenn ichferner weiß, daß so viele Studenten sich schon deswegen vor einer Seminar-arbeit oder gar Dissertation mit handschriftlichen Archivmaterialien scheuen,weil sie allein schon ,, die deutsche Schrift" abschreckt, finde ich solch ein Buchnicht nur verständlich, sondern notwendig. Noch dazu ist es reine Freude wegenseiner prachtvollen Ausstattung mit Bildern aus Schreibschulen, Kinder- Fibeln,Schönschreibebüchern usw. So Abb. 4: Johann Stäps, Selbstlehrende Canzley-

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