Reihe ihrer Rosenheimer Raritäten" möglichst alles unterzubringen, was in derWelt der traditionellen Volkskunde Klang und Namen hat, und da gehören dieseaus den verschiedensten Quellen stammenden Nachrichten über das Hufeisenoder über die Feige, über den Blutstein oder über die Koralle einmal dazu. DieEinbeziehung von geistlichen Schutzmitteln wie des Benediktuspfennigs bleibthier wie schon immer fraglich, man kann sie eigentlich wirklich nicht mit Alrau-nen und Maulwurfspfoten in eine Reihe stellen. Leopold Schmidt
Peter Weninger, Dieser ganze Kreis der Erden. Geschenk- undAndenkenblätter der Barock- und Biedermeierzeit. 124 Seiten mit zahl-reichen Abbildungen. Salzburg 1977, Residenz- Verlag.
Josef Weninger, Maler und Restaurator früher in Neunkirchen, später inWien, hat in seinem langen Leben eine vorzügliche Sammlung zusammengetra-gen. Die von ihm schon vor Jahrzehnten gesammelten Andachtsbildchen gehörenebenso wie seine Steinfelder Majolikakrüge und andere Raritäten zum besten,was ein Sammler auf diesem Gebiet erwerben und besitzen kann. Sein SohnPeter Weninger vom Niederösterreichischen Landesmuseum hat aus diesemSchatz zum 85. Geburtstag seines Vaters eine sehr hübsche Auswahl getroffen.Es handelt sich um Pergamentminiaturen, Spickelbilder, Spitzenbilder, Tauf-briefe, Leinen- und Federbilder, aber auch Birkenrindenbilder, Blattbilder, Blu-menklappbilder einerseits sowie um Segenzettel, Neujahrsbilder, Dreikönigssegen,Fasten- und Osterbilder, wie anderseits auch um Mikrographien, Quodlibet- undRebusbilder und die verschiedenen Neujahrs-, Maifest- und Kaffeehausbilletts,schließlich noch Memento- mori- Briefe, Stammbuchblätter, Scherenschnitte undSilhouetten. Von den letzten Gruppen sind nur jeweils Kostproben gegeben,von den Andachtsbildern doch ganze kleine Serien, die Weninger auch mit denvon Adolf Spamer veröffentlichten mit Gewinn verglichen hat. Es sind oft wahreRaritäten darunter, einige Stücke, besonders Spickelbilder, freilich etwas abge-schabt und auch schwieriger zu reproduzieren als die anderen, die meist auchin der Farbwiedergabe sehr geglückt sind.
Peter Weninger hat auch über Spamer hinaus einige Literatur verglichen,daher stimmen wohl die meisten Zuweisungen. Bei dem Papierbildchen mit derhl. Rosalia in der Grotte auf einem Wagen würde ich das Untier darunter nichtfür einen Adler, sondern für den von der Heiligen besiegten Drachen der Pesthalten( Abb. 7). So haben wohl die wirklichen Wagen bei den barocken Rosa-lien- Festumzügen auf Sizilien ausgesehen.Leopold Schmidt
Heidi Müller, Rosen, Tulpen, Nelken... Stickvorlagen des 19. Jahr-hunderts aus Deutschland und Österreich. Großformatige Quermappe mit16 Seiten Text und 12 Farbtafeln. Berlin 1977, Museum für deutsche Volks-kunde.
Wer als volkskundlicher Interessent nach Wien in die Laudongasse kommt,kann in das Museum gehen; er kann aber vorher oder nachher oder auch stattdessen gegenüber in ein im Souterrain gelegenes Handarbeitengeschäft gehen.Er wird dort alle für die Stickerei erforderlichen Wollen usw. und vor allemStickmuster, gedruckte Vorlagen finden. Das Museum hat, wie vermutlich allealten volkskundlichen Sammlungen, dieses Gebiet weiblicher Textilkunst weniggepflegt. Immerhin sind im Lauf der Zeit Mustertücher ebenso wie Stickvorlagenin einiger Anzahl zusammengekommen. Im Berliner Museum war es offenbarebenso, und bei der fleißigen Aufarbeitung dieser Bestände hat sich nunmehrdiese schöne Veröffentlichung ergeben. Heidi Müller hat sich vor allem mit denBerliner Stickvorlagen beschäftigt, hat aber doch auch Wien als wichtigen Her-stellungs- und Verbreitungsort mitberücksichtigt, mit den Firmen J. Bermann,
248