drucken, die den Hinterhalt bei der Pontlatzer Brücke von 1703 verherrlichen,zum Ausdruck kommt. Man motiviert die Existenz der gegenwärtigen Parade-kompanien mit der Fortführung der Tradition der früheren Landesschützen-kompanien, der Miliz( S. 209), obwohl„ die heute im Bund der Tiroler Schützen-kompanien zusammengefaßten Trachtenschützen auf die Paradeschützenkom-panien der Zeit zwischen 1816 und 1848 zurückgehen"( S. 132). Sie stellen alsokeinen militärischen Verband dar, was besonders für jene 121 der insgesamt210 Kompanien gilt, die erst nach 1850( 54 davon sogar erst nach 1945) gegrün-det wurden, wobei jene 68 Trachtenschützenkompanien, die ihr Gründungsdatumnicht kennen bzw. in ferne und fernste Zeiten verlegen, unberücksichtigt blieben.Trotz der reichen Fülle von interessantem Material, das dieses Buch überdie Wehrverfassung, Gilden und Trachtenschützen, über die Büchsenmacher,über Tracht und Uniform, Fahnen und Musikbanden darbietet, läßt es jeneklare Darstellung vermissen, die einem so komplexen Thema angemessengewesen wäre, um den Sinn der Schützenherrlichkeit zu erhellen. Die Moral unddas Landesbewußtsein hätten darunter sicher nicht gelitten. Dank des hervor-ragenden Bildteiles und der im zweiten Teil dargebotenen„ Ehrentafel" behältdas Buch aber seinen bleibenden Wert.Franz Grieshofer
Wilhelm Theopold, Hab ein kostbar Gut erfleht. Ein Essay überVotivmalerei. 64 Seiten mit zahlreichen, meist farbigen Abbildungen. Mün-chen 1977, Verlag Karl Thiemig.
Das ungemein wichtige Gebiet des Votivbildes kann noch immer Stoff fürPublikationen, vor allem Bildveröffentlichungen liefern. Besonders wesentlicherscheint der jeweilige Aspekt: Es interessiert doch jeden Beschauer dieser Tafel-bildchen etwas anderes. Einen Mediziner wie den Frankfurter Professor WilhelmTheopold also beispielsweise der medizinische Aspekt. Theopold hat viele Jahrehindurch alle Votivtafeln, die ihm bekannt wurden, selbst sehr kundig photo-graphiert und beginnt nun seine offenbar sehr groß gewordene Sammlung aus-zuwerten. Im vorliegenden schönen Bändchen sind es vor allem die medizin-geschichtlichen Motive, die er kenntnisreich von den Votivbildern der süddeut-schen und österreichischen Wallfahrten abliest: Krötenvotiv, Geburt und Kinds-nöte, Kinderpflege, Augenleiden, Harnsteine, die Taten der Wundärzte, Wasser-sucht, Blutsturz, Fallsucht, Besessenheit und einiges andere noch am Rande.Das Bändchen enthält so manche dem Fachmann bekannte Tafel, nicht zuletztaus den zuständigen Museen in München, Nürnberg und Wien, aber auch man-ches Votivbild, das noch an Ort und Stelle in den Wallfahrtsorten aufgenom-men werden konnte, in Maria Gern bei Berchtesgaden etwa, auf dem Käppelebei Würzburg, in Geiersberg bei Deggendorf, Herrgottsruh bei Friedberg usw.Theopold hat wie mancher andere seinen Rudolf Kriss gut gelesen. VonÖsterreich wären Kirchenthal bei Lofer, Hechenberg bei Kufstein und Stuhl-felden im Pinzgau zu nennen.Leopold Schmidt
Christine und Richard Kerler, Geheime Welt der Talismane undAmulette. 98 Seiten mit zahlreichen Abbildungen im Text und aufTafeln. Die Photos von Claus Hansmann. Rosenheim 1977, Rosen-heimer Verlagsanstalt. DM 19,80.
Ältere Semester besitzen zu diesem Thema ihre Villiers-- Pachinger, jün-gere ihren Kriss- Rettenbeck- Hansmann, soweit sie sich das teure Buch von1966 leisten konnten. Und alle Interessenten werden gegebenenfalls im Hand-wörterbuch des deutschen Aberglaubens nachschlagen. Es ist also zu bezweifeln,daß ein solches kleines Buch über Talismane und Amulette eine besondere Not-wendigkeit darstellt. Aber die Rosenheimer Verlagsanstalt versucht eben in der
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