aber nicht uninteressant. Mieder bietet übrigens weit mehr als bloße Sprichwort-listen zu den einzelnen Dichtern. Er interpretiert schon, was diese Formulierun-gen an den betreffenden Stellen wirklich besagen, warum sie der Dichter heran-zog. Das geht also doch über Frequenz und Statistik hinaus, die man zunächstals dominant in diesen Studien Mieders empfinden mag.
Leopold Schmidt
Lutz Röhrich und Wolfgang Mieder, Sprichwort(= Sammlung Metzler,Bd. 154). 137 Seiten. Stuttgart 1977, J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung.In der Sammlung Metzler, die für die Germanisten schon so manches an,, Realien zur Literatur" gebracht hat, ist ein Handbüchlein über das Sprichwortdurchaus angebracht. Da ein intensiver Spezialist wie Wolfgang Mieder esgemacht hat, ist an der Vollständigkeit und an der bibliographischen Genauig-keit nicht zu zweifeln. Zur Auffüllung in Richtung Redensart hat man LutzRöhrich als absoluten Spezialisten dafür hinzugeholt. Das hat große Vorteile,kommt aber im Titel nicht zum Ausdruck, der dann doch mindestens„ Sprich-wort und Redensart" hätte heißen müssen. Daß außerdem noch die bildhafteRedewendung mitbehandelt wird, die ja weder Sprichwort noch Redensart ist,bereichert wohl den Lesestoff des Büchleins, hilft aber nicht zur Klärung derverschiedenen Fragen, die insbesondere das lang- und vielerforschte Sprichwortstellt. So sehr man also das vielseitige Büchlein begrüßen wird, weil es vielebisher unbehandelte Themen anschneidet, viele Fragen neu zu beantworten ver-sucht, ist es doch ein bißchen zu vielseitig, zu ausgreifend, um nun auch überallin die vermutlich vorhandene Tiefe zu gehen.Leopold Schmidt
Erich Egg
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Wolfgang Pfaundler, Das große Tiroler Schützen-buch mit Ehrentafel der Tiroler Schützen. 457 Seiten, 553 Abbildungen,davon 45 in Farbe. Wien- München- Zürich 1976, Verlag Fritz Molden.Eine Zeit, die so vieles in Frage stellt, rüttelt auch am Selbstverständnismanch traditionsträchtiger Institution. Besonders wo durch die geänderten Ver-hältnisse die ehemals gültigen Aufgaben und Ziele zu verschwimmen drohen,ist es wichtig, sich gelegentlich der historischen Grundlagen zu besinnen, umdaraus das ideologische Rüstzeug gegen eventuelle Anfechtungen zu gewinnen.Diese Überlegung scheint offensichtlich E. Egg und W. Pfaundlerbewogen zu haben, die überaus reiche Literatur über das Schützenwesen vonTirol neuerlich zu einem großen Schützenbuch aufzubereiten. Wie die beidenAutoren im Vorwort betonen, geht es ihnen nämlich nicht nur um eine sach-liche Information über die Organisation der Landesverteidigung und des Schüt-zenwesens, da diese bereits von O. Stolz mit seinem Werk über„ Wehrver-fassung und Schützenwesen in Tirol von den Anfängen bis 1918" vorgelegtwurde, sondern sie wollen vor allem den Sinn und die Moral der Schützen leben-dig werden lassen. Bei der Feststellung, daß„, das Schießen auf die Scheibe...auch dann noch einen Sinn hatte, wenn es nicht mehr das letzte Ziel war, einenmenschlichen Gegner, auf die Haut zu legen'"( S. 170), scheint es sich jedocheher um die Meinung der Autoren zu handeln, die es auch für die„ lustigsteErinnerung"( S. 29) halten, daß von einer Wipptaler Kompanie, die 1621 in dasEngadin ziehen mußte, nur mehr sieben Mann nach Steinach zurückkehrten.Wie überhaupt dieses vornehm ausgestattete Buch einen sehr zwiespältigen Ein-druck hinterläßt. Da wird einerseits zu Recht dargelegt, daß das Scheiben-schießen seit seinen Anfängen„ ein ehrliches Ritterspiel zur Mehrung guterFreundschaft und Mannszucht", also eine sportlich- gesellschaftliche Betätigunggewesen sei, andererseits leiten die Autoren die„ Landsrettung" eben von diesem
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