wichtigste Teil, denn die Sagentexte sind doch größtenteils bekannt. Zu ihrerAufarbeitung müßte man viel an Kommentierung leisten, was aber immer nochkommen kann. Man soll dabei nur bedenken, daß die Leute von Wolfs beiÖdenburg keine„ Donauschwaben" waren, sondern bayerisch- österreichischerAbstammung, wie unsere Burgenländer auch, und daher in jeder Hinsicht anderszu behandeln.Leopold Schmidt
Jürgen Kettenmann, Sagen im Kreis Göppingen(= Veröffentlichun-gen des Kreisarchivs Göppingen, Bd. 2). 2. Auflage. Weißenhorn 1976.112 Seiten mit zahlreichen Abbildungen im Text und auf Tafeln. Anton H.Konrad- Verlag.
Im Schwabenland mangelt es seit anderthalb Jahrhunderten nicht an Sagen-sammlungen. Dennoch war es sicherlich richtig, zum Stauferjahr eine eigeneSammlung der Sagen der Umgebung des Hohenstaufen herauszubringen, undder Göppinger Museumswart Kettenmann hat sich redlich darum bemüht, unter-stützt vom Kreisarchivar Walter Ziegler, der noch manche ältere Sagenquelleund manches Bildzeugnis beisteuern konnte.
Die Sagen des Kreises Göppingen werden hier, offenbar um den Lesernin den einzelnen Orten entgegenzukommen, in der alphabetischen Reihenfolgeder Orte, also von Adelberg bis Wiesenstein, vorgeführt. Das macht die Benüt-zung für jedermann außerhalb dieser Landschaft nicht gerade leicht, da Sagenmit ganz gleichen oder doch nahe verwandten Motiven nun bei jedem der35 Orte stehen können und auch stehen. Die älteren Aufzeichnungen stehenneben den jüngeren und jüngsten und die poetischen Bearbeitungen, an denenSchwaben im 19. Jahrhundert so reich war, stehen auch mittendrin. Unter BadDitzenbach- Auendorf findet man die Schildbürgerstreiche der Bauern vonGanslosen, wie sie schon in Valentin Schumanns„ Nachtbüchlein" von 1558zusammengestellt wurden. Das hat freilich seinen Grund darin, daß der OrtGanslosen auf den Wunsch seiner Bewohner hin 1849 in„ Auendorf" umgetauftwurde( S. 32). Zu den Sagen treten auch Legenden, wie beispielsweise dieGeschichten von der hl. Berta von Boll, die ein sonst unbekanntes Mitglied desstaufischen Geschlechtes gewesen sein soll. Daß es einen eigenen„ Staufergeist"auf dem Hohenstaufen geben soll( S. 69), sei hier doch auch erwähnt. StaufischeMinnesänger, Schimmelreiter und„ Barbarossa- Pforte" von St. Jakob in Hohen-staufen fehlen selbstverständlich nicht. Die Literaturnachweise zu jeder kleinenAufzeichnung sind überaus reichlich, so daß man danach wird gut nacharbeitenkönnen ¹).Leopold Schmidt
Rudolf Schenda, Die Lesestoffe der Kleinen Leute. Studien zurpopulären Literatur im 19. und 20. Jahrhundert(= Becksche SchwarzeReihe, Bd. 146). 208 Seiten. München 1976, Verlag C. H. Beck. DM 16,80.Der Verfasser ist Ordinarius für Volkskunde an der Universität Göttingen.Es muß daher auf sein neuestes Buch hingewiesen werden, auch wenn sichschon bei seinem umfangreichen Hauptwerk„ Volk ohne Buch" feststellen ließ( ÖZV XXV/ 74, S. 191 f.), daß es sich dabei nicht um Volkskunde handle, son-dern um Literatursoziologie.
Unter dieser Voraussetzung ist also auch auf diese gesammelten Aufsätzehinzuweisen. Zunächst Beiträge über die Bücherhausierer und Kolporteure undderen Behinderung durch die Zensur, in Mitteleuropa in alten Zeiten. Über diegleiche Erscheinung anderswo in der Gegenwart wird nicht gesprochen. Dann
1) Vgl. dazu jetzt Klaus Schreiner, Die Staufer in Sage, Legende undProphetie( in: Die Zeit der Staufer. Katalog der gleichnamigen Ausstellung imWürttembergischen Landesmuseum. Stuttgart 1977. Bd. III, S. 249—262).
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