Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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Weder eine solche Aufzählung noch so ein gelegentlicher Hinweis aufforschungsgeschichtliche Zusammenhänge besagt jedoch etwas über den Men-schen, den Gelehrten, den großen Schriftsteller und Redner Karl Meuli. Er war,und das haben wohl alle gespürt, die ihm je begegnet sind, ein genialer Mensch,in der Kenntnis wie in der Gestaltung weit über Normalmaß hinausragend. Eshat damit nichts zu tun, daß man heute vielleicht stärker als je zuvor, also beimWiederlesen seiner berühmten Abhandlungen, spüren mag, womit man nichteinverstanden ist, was einem von jeher als grundlegend anders und eigentlichunannehmbar vorgekommen sein mag. Seine Freunde und Schüler haben daranwohlgetan, diese Abhandlungen mit größtem Fleiß und bemerkenswerter Sorg-falt herauszugeben. Das Nacharbeiten der Anmerkungen zu den Masken,Maskereien" muß besonders mühsam gewesen sein. Wenn man das Gebiet undseine Literatur sehr genau kennt, wird man auch jetzt noch kleine Auslassungenund Irrtümer finden. Man wird solche auch bei Zitaten finden und bei ihrerVerwertung in den an sich sehr dankenswerten Registern, die dann doch wiederan bezeichnenden Stellen Lücken aufweisen.

Ein besonderes Wort verdient das Biographische Nachwort"( Bd. II,S. 1153-1209) von Franz Jung. Ein beigelegter Korrekturzettel belehrt, daßdieses Nachwort von der Philosophisch- Historischen Fakultät der Universität alsDissertation genehmigt wurde. Das mag ungewöhnlich sein, ist aber dem Mit-arbeiter der späten Jahre Meulis zu gönnen, der sich um diese GesammeltenSchriften" redliche Mühe gegeben hat, und dessen Nachwort" das Leben undWirken Meulis erschließt, wobei er den Hauptgrundsätzen und Haupterkennt-nissen Meulis in den Jahrzehnten behutsam nachgeht, mit einer Einfühlung, diesonst reiner Gelehrtenarbeit kaum zuteil werden dürfte. So ist auch diese Nach-wort- Biographie für Meuli, aber auch für die Menschen um ihn bezeichnendgeworden. Für den Biographen wie für die Freunde muß der Mensch Meulifaszinierend gewesen sein. Ein starker Abglanz davon liegt auch über diesen,, Gesammelten Schriften", für die wir also sehr dankbar sind.

Leopold Schmidt

erzählen.

Alfred Cammann- Alfred Karasek, DonauschwabenTeil 1( Schriftenreihe der Kommission für ostdeutsche Volkskunde inder Deutschen Gesellschaft für Volkskunde e. V., Bd. 15), 485 Seiten mit38 Abbildungen. Marburg 1976, N. G. Elwert Verlag.

Von seinem ersten Sagenband, den Sagen der Deutschen in Galizien",Plauen 1932, angefangen, war es klar, daß Karasek ein großer Organisator derErzählsammlung werden würde, der zudem immer wieder Mitarbeiter fand, wiedamals Elfriede Strygowski, die aus dem aus vielen Quellen gewonnenen Mate-rial dann ein brauchbares Buch machten.

Das ist also sehr lang her und alle Hauptbeteiligten sind nicht mehr amLeben, und nur wenige Zeitgenossen erinnern sich noch, wie es war. Selbst jetzt,nach seinem Tod, hat Karasek noch einen Mitarbeiter gefunden, der sich wiederum den von ihm hinterlassenen Stoff annahm und daraus ein dreibändiges Werkzu schaffen unternimmt. Freilich mit viel eigener Beteiligung, denn AlfredCammann ist selbst ein sehr bedeutender Aufzeichner und Organisator. Sokommt also dieses Werk zustande, das man sicherlich begrüßen wird, weildadurch ungenützter Stoff vorgelegt wird. Man wird es auch begrüßen, daßCammann über den Weg des Beskidendeutschen Karasek zu den Deutschen nachUngarn erzählt, im wesentlichen offenbar nach Mitteilungen Karaseks, dahermit einseitig autobiographischem Einschlag. Daran schließen sich die Texte, mehrals 300 Seiten, und daran wieder Mitteilungen aus der Welt der Erzähler",worum sich Cammann besonders bemüht hat. Es ist vielleicht der volkskundlich

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