Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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institutionelle Fehlentscheidungen praktisch in den allgemeinen Lehrbetrieb,, untergebuttert" worden.

Deshalb beantragten Vorstand und Wissenschaftlicher Rat der Brüder-Grimm- Gesellschaft die Umwandlung der beiden ohnehin neu zu besetzendenH- 4- Professuren in eine Jacob- Grimm- Professur für Sprachgeschichte und eineWelhelm- Grimm- Professur für Erzählforschung, die Einrichtung eines Landes-amtes für Sprache und Kultur Hessens" und die Aufnahme des wissenschaft-lichen Komplexes, Brüder Grimm" in die geplante Nationalstiftung bzw. seineausreichende Dotierung durch die Bundesrepublik Deutschland.

Schmitt teilte abschließend mit, daß das im Anschluß an die Preisträger-Vorträger vorgesehene Kolloquium verschoben worden sei und nun erst bei derJahreshauptversammlung der Brüder- Grimm- Gesellschaft am 17./18. Septemberdieses Jahres in Marburg stattfinden werde.( kk)

( Oberhessische Presse, 30. 6. 1977)

Ferdinand Elsener 65 Jahre

Am 19. April beging in Tübingen Ferdinand Elsener, Ordinarius für Deut-sches Recht und Kirchenrecht an der in diesem Jahr 500 Jahre alt werdendenEberhard- Karls- Universität, seinen 65. Geburtstag. Seit den Anfängen seiner wis-senschaftlichen Arbeit hat er sich aber nicht nur mit rechtshistorischen undkanonistischen Themen beschäftigt. Seine erste Vorlesung noch als Privatdozentin Zürich galt der Rechtlichen Volkskunde( ,, Rechtsaltertümer, Rechtsbrauch,Rechtssymbolik"), der er in den folgenden Jahren bis heute stets verbunden blieb.War er doch bis 1974 Obmann der Sektion für Rechtliche Volkskunde in derSchweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, deren jährlich stattfindende Tagun-gen 14 waren es bislang- er mit großer Sorgfalt ausgerichtet hat, bis er dasAmt in die Hände seines Freundes Louis Carlen legte. Auch wenn eine größerePublikation des Jubilars zu diesem Themenkreis noch aussteht, so hat er dochimmer wieder in seinen Aufsätzen und Buchbesprechungen der Rechtlichen wieder Volkskunde überhaupt sein besonderes Augenmerk geschenkt.

Ferdinand Elsener stammt aus Rapperswil, der ehemals vorderöster-reichischen Stadt am Zürichsee, deren Landschaft und Geschichte ihm dennauch das Material für seine ersten wissenschaftlichen Untersuchungen bot. NachAbschluß seiner juristischen Studien, die ihn unter anderem auch für ein Seme-ster nach Wien führten, war er zunächst Rechtsanwalt, bis er sich in Zürich beiK. S. Bader habilitierte. Nach Dozenturen in Zürich und Bonn wurde er 1959auf den Lehrstuhl von Hans Erich Feine nach Tübingen berufen, dem er bisheute treu geblieben ist. Es mag vor allem die Nähe zur Heimat und zu denfür ihn wichtigen Quellen, Archiven und Bibliotheken gewesen sein, wie etwader Vadiana in St. Gallen, der er auch eine eigene Untersuchung gewidmet hat,die ihn in Tübingen bleiben ließ. Aber wohl nicht nur dies. Schon bald nachBeginn seiner Lehrtätigkeit in Tübingen konnte er einen inzwischen stattlichgewordenen Kreis von Schülern um sich versammeln, mit denen er die so garnicht mehr gebräuchliche Form akademischen Zusammenlebens auch außerhalbvon Hörsälen und Seminarräumen pflegt und denen er inzwischen freundschaft-lich verbunden ist. Und sicherlich mit einer gewissen Zufriedenheit kann derJubilar feststellen, daß manche seiner Anregungen bei ihnen auf fruchtbarenBoden gefallen sind. Davon zeugen nicht zuletzt einige der Arbeiten, die in denbeiden von ihm mit herausgegebenen Reihen, Schriften zur südwestdeutschenLandeskunde" und Contubernium- Beiträge zur Geschichte der Eberhard-Karls- Universität Tübingen" erschienen sind.

Es ist hier weder der Ort noch der Platz, das breit gefächerte wissenschaft-liche Werk des Jubilars zu würdigen. Ausgehend von den Rechts- und Wirt-schaftsverhältnissen seiner Vaterstadt und der angrenzenden Landschaft Gaster,

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