Und als der Tag des Passahfestes kam,
setzten sie sich zum Heiligen Abendmahle.
Dort beim Mahle, als sie aßen, sprach der Herr zu ihnen:einer von den Zwölfen wird zum Verräter werden.
Und Judas floh gleich nach dem Mahle
die ganze Nacht lief er ohne zu schlafen...
Das Ende des Liedes, an dessen Verse sich die Umstehenden nichterinnern konnten, beschreibt Reue und Selbstmord des Verräters. DerDekapentasyllabos( 15- Silbler) und der Paarreim weisen zwar auf dasVolkslied, doch lassen Sprachgebung und Bibeltreue es mit einigerGewißheit als Produkt eines Dorflehrers oder Priesters erkennen. Inder Gattung des Karfreitagsthrenos, der üblicherweise in diesen Kultur-zonen als Marienklage strukturiert ist, steht dieses Judaslied ziemlicheinzigartig da. Die Kinder bekommen von jeder Hausfrau etwa zwei
bis drei Eier oder Münzen.
Nach dem Ende des Schandzuges wird der Verräter auf seinenturmartigen Pranger in luftiger Höhe gebracht und erwartet dort dieOsternacht. Wenn gegen Mitternacht die Lichter der Kirche gelöschtwerden und der Priester das Osterlicht des auferstandenen Lebens andie Anastasiskerzen der Gläubigen weitergibt, sodann die Lichterpro-zession aus der Kirche zieht, um auf dem Dorfplatz( üblicherweise aufeinem kleinen Podium mit Pult) die Verkündigung der AuferstehungChristi aus dem Mund des Priesters zu hören, worauf mit Spreng-körpern und Raketen( früher mit Gewehrschüssen, heute überhauptverboten) der wahre„ Höllenlärm" der Auferstehungsfreude beginnt,so ist dies der Augenblick, wo man den riesigen Holzstoß mit der klei-nen Figur obenauf mit den brennenden Osterkerzen in Brand setzt.Der kompakt und eng geschichtete Zunder läßt die Flamme 30 bis50 m oder noch höher gegen Himmel schießen, so daß sie tatsächlichauch aus größerer Entfernung zu sehen ist. Auferstehungsfreude undLichtsymbolik Christi finden in dieser senkrecht aufsteigenden gewal-tigen Flamme sinnfälligen Ausdruck. Daß gerade der Verräter in die-sem österlichen Freudenfeuer sein Leben lassen muß und daß geradedie Kinder dazu angehalten werden, den„ Aphanos" und die Puppe inmonatelangen Vorbereitungen zu verfertigen, hat- nach Angaben derBewohner von Gomati seinen tieferen didaktischen Sinn.-„ O duarmer Judas, was hast du getan..."
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