Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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Keramisches Fundgut aus der Stadt Kitzbühel

Von Richard Pittioni

Dem Andenken an Paul Stieber,

den Begründer des Deutschen Hafner- Archivsund Förderer unserer Keramikforschungendankbar gewidmet.

1. Fundgeschichte

Im August 1973 übergab mir Herr cand. phil. Manfred RupertKitzbühel einen größeren Posten an keramischen Resten, die erselbst gesammelt hatte, zur Bearbeitung und Veröffentlichung. Ich binihm dafür sehr zu Dank verpflichtet. Leider ist das Material über dreiJahre bei mir liegengeblieben, bevor ich es näher behandeln konnte.Dies ist ihm jedoch insofern zugute gekommen, als es mir in dieserZeit möglich gewesen ist, durch Beschäftigung mit einem anderenFundgut einige Erfahrungen zu sammeln, die mir 1973 noch gefehlthatten. Zu Dank verpflichtet bin ich auch der Stadtgemeinde Kitz-bühel, die mir über mein Ersuchen am 2. September 1976 eine Sub-vention von S 3000,- für die Anfertigung der hier veröffentlichtenZeichnungen gewährt hat. Die Zeichnungen selbst hat wieder HerrL. Leitner in bekannter Akribie ausgeführt, wofür ich gleichfalls dan-ken möchte.

Als Fundbericht stellte mir Herr M. Rupert die folgendenAngaben zur Verfügung: Im August 1972 kam ich an einer Baustelleam gegen den Gries abfallenden Stadtrain vorbei. Die Baustelle lag aufGp. 122 der KG. Kitzbühel- Stadt; diese Parzelle schließt an BP. 83( Haus Vorderstadt 23) nordöstlich an; beide Parzellen befinden sichim Eigentum des Ernst Ganzer ¹)( Abb. 1).

Als ich vorbeikam, war auf Gp. 122 der größte Teil des Geländesbereits dem Aushub zum Opfer gefallen; etwas vom Aushub lagerte

1) Über dieses Haus vgl. J. Felmayer, Die profane Baugeschichte derStadt Kitzbühel, in: Stadtbuch Kitzbühel III 1970 44, Es ist fraglich, ob dasHaus mit seinem Baukern erst aus dem 2. Viertel des 16. Jhs. stammt, wenndie Verwendung des Passauer Geschirrs mit einfacher Kreuzmarke in Tirolschon für das späte 15. Jh. nachgewiesen ist( vgl. später Anm. 4). Es wäre abermöglich, daß die 1539 genannte Frau Vinsterwalder diese Ware noch gekanntund verwendet hat. In den Küchen des Josef Viechter( 1701), Franz Ruedorfer( 1729) und Franz Paul Aigner( 1747) wird das Kröninger Geschirr sicherlicheine Rolle gespielt haben.

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