Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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Die literarischen Zeugnisse

Durch sie ist die Schlittenabfahrt vom Luschariberg erst bekanntund letztlich auch der Volkskunde zur Kenntnis gebracht worden. DieInterpretation als Wallfahrerbrauch" von volksgläubiger Bedeutungfreilich sollte überhaupt erst letzterer vorbehalten bleiben und liegt.um dies hier vorweg klarzustellen außerhalb der hier zu besprechen-den Quellen 40).

Nun gibt es deren seit Belsazar Hacquet eine große Zahl.Doch sind auch sie in ihrem Aussagewert keineswegs alle gleichwertigund bedürfen daher selbst einer kritischen Überprüfung. Namentlichin der Reisendenliteratur gab es seit jeher bestimmte Topoi, die immerwieder und gerne ausgeschrieben wurden, dies besonders bei jenenAngaben und Passagen, die einen gewissen Sensationscharakter ansich trugen. Diesen besonderen Umstand wird man jedenfalls mitbe-denken müssen und sich bei derartigen Schilderungen stets fragen,wie- weit es sich dabei um wirkliche Eigenerlebnisse oder reale Fest-stellungen oder nur um indirekte Mitteilungen vom Hörensagen odergar nur um Nachschriften solcher handelt.

Bereits Hanns Koren und Leopold Schmidt verweisen auf Belsa-zar Hacquet de La Motte( 1739/1740?/- 1815), den reisenden Auf-klärer, Arzt und Professor der Naturgeschichte( Lemberg), der an-scheinend als erster in seiner Oryctographia Carniolica um 1780 auchvom Luschariberg folgendes berichtet 4):

bey dem sogen. Usharje- Berg, woselbst eine Kirche auf eine sehrbeträchtliche Höhe gebaut ist, welche den Sommer hindurch grossen Zulaufhat. Diesen Berg zu besteigen, hat man gegen zwo Stunden vonnöthen. Da ernun ziemlich steil ist, so giebt es arme Leute allda, die um ein geringes Gelddie Faullenzer, welche Andachtshalber hinauf wollen, dahin tragen. Die zweybis drey Stunden, die man hinauf braucht, verrichtet man in einer Viertelstunde,oder längstens in einer halben, mit einem kleinen Schlitten, wo man über dieAlpenwiesen fährt, um wieder in das Thal zu gelangen" 42).

40) Leopold Schmidt, Zur Wallfahrer- Schlittenabfahrt( wie Anm. 1),S. 241 f.; Hanns Koren, Altertümliche Schlitten( wie Anm. 37), S. 131 f.H. Koren weist ebenda auf eine solche Interpretation erstmals hin, wenn ermeint: Gegenstände im kultischen Bereich werden gerne in ihrer ursprüng-lichen oder frühen Gestalt festgehalten, auch wenn sie in der profanen Weltsich längst verändert haben oder abgetan sind. Dieser Schlitten gehört zumWallfahrerbrauch und blieb hier, vom Zusammenhang des frommen Brauchesgehalten, als man anderswo längst von seiner Verwendung im Sommer abge-kommen war."- Gustav Gugitz, Österr. Gnadenstätten( wie Anm. 8),S. 51-53, erwähnt dagegen die Schlittenfahrt gar nicht. Diese fehlt auch inder kurzen und meines Wissens frühesten Beschreibung der Luschari- Wallfahrtbei Johann Weichard Valvasor, Topographia Archiducatus Carinthiae etc.Nürnberg 1688, S. 216.

41) H. Koren, Altertüml. Schlitten( wie Anm. 37), S. 131; L. Schmidt,Zur Wallfahrer- Schlittenabfahrt( wie Anm. 1), S. 241.

42) Bels. Hacquet, Oryctographia Carniolica III, Leipzig 1784, S. 64.

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