land"( S. 191-202), in deren Holztürmen und Blockbauten mit den russischenNamen„ koster”,„ gorodok” und„ ostrog" bis nach Westsibirien, scheint's, jeneBurglager als Vorbilder weiterleben, die einst zum Limes des Römerreichesgehörten.
Das Sammelwerk führt also zusammen mit dem ausgezeichnet dargebote-nen archäologischen Fundmaterial bei aller Verschiedenheit der Standpunkte anein ungewöhnlich reichhaltiges, sonst selten greifbares Sachgebiet heran, zu demvortreffliche Bildunterlagen und Pläne geboten werden und auch weiterführendeLiteratur angegeben ist.Oskar Moser, Graz
Rainer Berger( Hrsg.), Scientific Methods in Medieval Arch-aeology(= UCLA Center for Medieval and Renaissance Studies Con-tributions IV). Berkeley, Los Angeles, London- University of CaliforniaPress 1970. 459 Seiten, Index. ISBN: 0-520-01626-2.
Besonders Realienforschung und Museumspraktiker sollte man auf diesegewichtige Kongreßschrift von 1967 im Rahmen des„ Center for Medieval andRenaissance Studies" und des Isotopen- Laboratoriums des„ Institute of Geo-physics and Planetary Physics" an der University of California in Los Angeles/USA hinweisen. Sie zeigt die zunehmenden Möglichkeiten und Notwendigkeitender Zusammenarbeit von Natur- und Humanwissenschaften im Dienste der inihrer Wichtigkeit nicht zuletzt für die Volkskunde immer deutlicher hervor-tretenden Mittelalterforschung. Ihr Hauptgewicht liegt dabei völlig empiristischauf der Prüfung und Bewertung der verschiedenen, in raschem Ausbau begrif-fenen naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden zur Datierung und Alters-bestimmung( Fluoreszenz- Analyse Thermoluminiszenz- Datierung- Dendro-chronologie- Tephrochronologie Radiokarbon- Datierung- Archäomagne-tische Datierung), wobei diese mit den bisherigen archäologisch- kunstwissen-schaftlichen Methoden zur Altersbestimmung vor allem an mittelalterlichenHolzbauten aus England, Belgien und Nordfrankreich konfrontiert werden. Einsolcher Erfahrungsaustausch ist insbesondere für die Hausbauforschung vongroßem Interesse, zumal sich auf diesem Wege selbst gegenüber bisher durchUrkunden eindeutig bestimmten Hausbauten gewisse Korrekturen ergeben undandererseits bisherige Datierungen durch die Mittelalterarchäologie eine gewisseBestätigung finden.
Auf die interessanten Forschungsansätze und Modifizierungen etwa derC14-12- Methode und der Dendrochronologie kann hier nur pauschal verwiesenwerden. Immerhin ist auch das Forstbotanische Institut der Universität Münchenvertreten mit dem Beitrag von Bruno Huber und Veronika Giertz: Cen-tral European Dendrochronology for the Middle Ages( S. 201-212, mit einerChronologie- Schematik für Eiche und Tanne!). Zumindest auf dem europäischenBinnen- Festland erweist sich ja die Jahrringzählung heute schon als zuverläs-sigste Methode für die Datierung von Holzgegenständen bei entsprechendenVoraussetzungen.
Daneben sei aber besonders die vergleichende Hausforschung auf eineReihe von Referaten englischer Archäologen, Architekten und Hausforscher ver-wiesen, die hier ein umfassendes Material über den Hausbau des Mittelalters inNordwesteuropa ausbreiten und namentlich über Gerüstbau und Dachwerk sowiezur Gefügeforschung wichtige und methodisch interessante Beiträge liefern.Behandelt werden vor allem mit Beigabe vortrefflicher Gefügepläne und Innen-aufnahmen mittelalterliche Großscheunen( Grangien der Zisterzienser), Cruck-Bauten, Hallenbauten von Schlössern und Herrensitzen, Markthallen( aus Nord-frankreich), Bauernhäuser und Kirchenbauten.
Erstaunlich die Fülle von Holzbauten in England, die vereinzelt bis insfrühe 13. Jahrhundert zurückgehen und die von den englischen Forschern Fred
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