Erscheinen dieses von Walter Deutsch erstellten Registerbandes für die gesamteMitforschung geradezu eine Erlösung. Ohne dieses vielfach in sich aufgeglie-derte Register würde man sich bei jeder Nacharbeit doch bang fragen, ob mandie zwölf Bände Anderluh auch wirklich auf das betreffende Problem richtigdurchgemustert hätte.
Walter Deutsch, der sich vor Jahren schon der Registrierung der ersten15 Bände des Jahrbuches des Österreichischen Volksliedwerkes" unterzogenhat, konnte die damals gewonnenen Erfahrungen anwenden. Er hat zunächstselbstverständlich ein„ Verzeichnis der Liedanfänge" erstellt. Dann folgt eineÜbersicht über die„ Gattungen", also von„ Abendlied" bis„, Winterlied". Beson-ders umfangreich ist das„ Stichwortregister" ausgefallen. Wenn hier beispiels-weise das Stichwort„ Bileam" fehlt, dann ist mit Sicherheit in Anderluhs Riesen-werk kein Lied über den Propheten Bileam enthalten was ja an sich möglichwäre, da wir Adam oder David, aber auch Jonas oder Salomon doch finden.Es folgt das selbstverständlich erforderliche„ Register der Orts- und Land-schaftsnamen". Dann kommt die Musik stärker zur Geltung: zunächst durch ein,, Register der Mehrstimmigkeit", woraus man etwa entnehmen kann, wievieleund welche Lieder etwa vier- oder fünfstimmig aufgezeichnet wurden. Und dannkommt eine gewichtige Zugabe, die man in einem Registerband gar nicht erwar-ten würde: eine Abhandlung über„ Das Lied und die Singpraxis in Kärnten",welche sich mit den Fragen der„ Typologie der alpenländischen Volksmusik"auseinandersetzt. Gewissermaßen eine musikwissenschaftliche Antwort auf dieFrage, was nun an diesen Liedern eigentlich„, das Kärntnerische" sei. Damit wirdsich die Forschung gewiß noch weiter beschäftigen. Der Dank für diesenRegisterband ist aber auf jeden Fall echt und herzlich.
Leopold Schmidt
des
Tiroler Volksschauspiel. Beiträge zur TheatergeschichteAlpenraumes, im Auftrag des Südtiroler Kulturinstitutes und desBundes Südtiroler Volksbühnen, herausgegeben von Egon Kühebacher(= Schriftenreihe des Südtiroler Kulturinstitutes, Bd. 3). 423 Seiten, 23 Abb.auf Tafeln. Bozen 1976, Verlagsanstalt Athesia.
Vom 23. bis 26. September 1975 hat in Neustift bei Brixen eine Tagungstattgefunden, in der von verschiedenen Vertretern der Fächer Germanistik,Theaterwissenschaft, Musikwissenschaft und Volkskunde Referate gehalten wur-den. Es sind der Einladung Egon Kühebachers nicht alle Referenten gefolgt,manche mußten in letzter Minute absagen, wodurch besonders die Volkskundenicht sehr stark vertreten war. Aber man kann das, was in Neustift wirklichgeboten wurde, anhand dieses Bandes jetzt nachprüfen und wird finden, daßeinige recht wichtige Referate zu Recht hier veröffentlicht wurden.
Den Eingang bildet eine kenntnisreiche, handfeste Überschau des Gesamt-gebietes durch Eugen Thurnher,„ Möglichkeiten und Aufgaben des Volks-theaters in Vergangenheit und Gegenwart". Von den nachfolgenden Beiträgenhat der von Hansjürgen Linke,„ Ist das Tiroler Schauspiel des MittelaltersVolksschauspiel?", einiges Aufsehen gemacht, und Ekkehard Schönwiesehat hier nun sogar seinen Diskussionsbeitrag dazu,„ Volksschauspiel, was istdas?", veröffentlicht. Die Fragen sind vielfach bereits besprochen worden, vorallem für das benachbarte Gebiet des Volksliedes, was von keinem der Referen-ten richtig mitherangezogen wurde. Man hätte nun einige Beiträge zu den über-ragenden Passionsspielen Tirols erwartet, aber es wurde zunächst weit mehr vonden Sterzinger Fastnachtsspielen gesprochen, nämlich von Werner M. Bauerüber ,, Engagement und Literarisierung. Zeitideen und dichterische Form im Süd-
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