gewesen, wenn Winters Forschungsergebnisse berücksichtigt worden wären.Eduard Winter( Absolutismus und Aufklärung in der Donaumonarchie, Wien1971) setzt nämlich den Josephinismus bereits mit Joseph I.( 1705-1711) anund belegt dies mit sehr ausführlichen Quellenangaben. Auch gab es unterJosephs I. Regierungszeit einen Promotor antikirchlicher Reformmaßnahmen( wie Hofrat Heinke unter Joseph II.). Ebenso forderte Prinz Eugen den Kaiserauf, er möge dem Papst nicht gestatten, sich in Temporalien einzumischen. Diesalles sind ja schon sehr wesentliche Tendenzen zum josephinischen Staatskirchen-tum hin.
Desgleichen zeigte auch Maria Theresia einen starken Willen, ihre Gedan-ken in bezug auf das Staatskirchentum mit entsprechenden Reformmaßnahmentatkräftig durchzusetzen. Noch aber- wie etwa 1753- leisteten ihre Räte- allen voran der Vizekanzler des Direktoriums in publicis et cameralibus,Bartenstein heftigen Widerstand. Und nur aus„ Politique", um das Volk ruhigzu halten, wurde die große„ Remedur" auf später verschoben. Gerade in HeinkesNachlaß( Schottenarchiv) ist sehr schön zu erkennen, daß man diese Maßnah-men schon 1750 in Angriff hätte nehmen können. Josephs großer Irrtum dürftees nun gewesen sein, zu glauben, das Volk sei im Jahre 1780 schon aufgeklärtgenug gewesen, die Reformen zu verstehen. Auch wirtschaftliche Erwägungengegenüber dem aufstrebenden Preußen bzw. gegenüber der wirtschaftlichen undpolitischen Entwicklung im Westen, besonders in Frankreich, dürften entspre-chende Triebfedern gewesen sein. Der Kaiser dürfte letztlich aus einem gewissenZugzwang heraus gehandelt haben. Tatsächlich blieb ja dem Kaiserreich schließ-lich auch eine„ Prise de la Bastille" erspart; und auch das Jahr 1848 konnte derMonarchie( noch) nichts anhaben. Auch sei noch darauf hingewiesen, daß inden frühen fünfziger Jahren des 18. Jahrhunderts im allgemeinen die Verord-nungen in Religionssachen erst vom Konsistorium erfolgten und danach miteiner gewissen Zeitdilatation von den Staatsstellen bestätigt wurden. Nochwährend der Regierungszeit Maria Theresias- ließ man das Konsistoriumwenigstens dem Anschein nach als in diesen Dingen federführend auf-scheinen. Dies alles sind Fakten, die vielleicht deutlicher ausgearbeitet hättenwerden können. Auch sei noch gestattet, zur Fußnote 381 auf Seite 249 Stellungzu nehmen. Es wird dort angemerkt, daß bis 1788 keine Weisung wegen der,, Zahl der Kerzen" ergangen sei. Tatsächlich gibt es keine Verordnung, die einegenaue Anzahl der Kerzen festlegt. Dennoch wurden aber 1781 und 1782 Wei-sungen gegeben, wonach die Anzahl der Kerzen zu verringern sei und die Neben-altäre nur bei hohen Festen Kerzen haben dürften, aber auch dann weniger alsder Hauptaltar. Allerdings überließ man die Ausführung der Verordnung denObrigkeiten und Magistraten und gab sogar die Anweisung, keine„ besondereEile dabey verspühren zu lassen".
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Dennoch kann abschließend festgestellt werden, daß der Verfasserwieeingangs gesagt wurde mit allergrößter Ausführlichkeit und Sorgfalt die Ent-wicklung, die Durchführung und die Folgen der neuen Gottesdienstordnung auf-zeigt und mit außergewöhnlich reichem Dokumentenmaterial belegt. Das Werkstellt also ein umfassendes Quellenwerk dar, das jedem, der sich mit demJosephinismus befaßt, wertvolle wissenschaftliche Ergebnisse innerhalb des Zeit-raumes von 1740 bis 1850 aus einer langen und tiefschürfenden Forschungliefert.
Klaus Gottschall
Maria Sonnewend, Hans Wagner- Schönkirch. Leben und Wir-ken. 356 Seiten, mehrere Abb. Melk- Wien 1972, Verlag Kurt Wedl.Die ungemein ausführliche Biographie gilt einem Manne der Musik, dervolkstümlichen Chormusik. Hans Wagner aus Schönkirchen im niederösterrei-chischen Marchfeld war Lehrer- Musiker und hat als solcher den Wiener Lehrer-
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