forscher die von den Prähistorikern entwickelten Dokumentationsmethoden zueigen gemacht. Maßaufnahmen mit entsprechenden Schnitten liegen bei derMöbelforschung nur in wenigen Fällen in größerem Umfang vor. Schwerlichwären auch die Mittel aufzubringen, solche Materialien im Buchdruck zu ver-öffentlichen. Der Blick in die Möbelbestände des Österreichischen Museums fürVolkskunde, der hier vermittelt wird, legt den Gedanken nahe, daß man aneinigen zentralen Orten, in diesem Falle also in Wien, Kataloge anlegt, die denGesamtbestand eines Landes nachweisen, so wie das für landwirtschaftlicheGeräte und für Handwerkszeug bei der Deutschen Akademie der Wissenschaftenin Berlin geschehen ist. Die neue Veröffentlichung regt noch zu weiteren Über-legungen an. Die Bezeichnungen„ Truhe"( im Alemannischen Trog) und Ladescheinen schon im Mittelalter deutlich unterschieden gewesen zu sein. MaxPiend hat in der Festschrift für Max Spindler zum 75. Geburtstag, München1969, das Verzeichnis von Hab und Gut eines niederbayerischen Ritters, desErhard Rainer von Schambach bei Straubing veröffentlicht. In diesem Verzeich-nis, das um 1360-1370 entstanden sein dürfte, werden drei Gruppen von Kasten-möbeln unterschieden. Die großen Formate führen die Bezeichnung„ Schrein",die mittleren„ Truhe" und die kleinen Behältnisse„ Laden". Es ist nicht aus-geschlossen, daß selbst die vom Verfasser abgebildete Einbaumtruhe aus demPustertal einmal mit Schrein angesprochen wurde. Auch das, was uns als Dach-und Stollentruhe geläufig ist, könnte einst zu den Schreinen gezählt worden sein.Zum Begriff„ Türkenmöbel" darf angemerkt werden, daß das Landvolk mitdiesem Begriff doch wohl nur die Entstehungszeit während der Türkenkriegebezeichnen wollte, so wie auch die Bezeichnung„ Schwedenhaus" nichts anderesbesagt, als daß nach der ortsüblichen Vorstellung ein solches Haus aus der Zeitdes Dreißigjährigen Krieges stammt. Die Behauptung, daß die bizarren Kuppelndieser Möbeln vom Volk als türkische Moscheen gedeutet worden seien, gehtoffensichtlich auf Franz Zell zurück. Es ist nicht ausgeschlossen, daß seine Inter-pretation nachträglich von bäuerlichen Familien als ältere ortsübliche Deutungweitergegeben worden ist.
Abschließend sei noch hervorgehoben, daß das abgebildete Material nichtnur das Bild schon geläufiger Werkstätten ergänzt, sondern uns auch zwei Möbel-landschaften näher bekannt macht, die bisher wenig Beachtung fanden: dasBurgenland und das Marchfeld. Viele Leser werden auch die von der fran-zösischen Forscherin Susanne Tardieu aufgestellte funktionelle Typologieder Möbel dankbar zur Kenntnis nehmen, die der Verfasser nach ihrem neuestenHandbuch übernommen hat.
Die vorliegende Veröffentlichung wird in Zukunft für jeden Möbel- undVolkskunstforscher unentbehrlich sein.Torsten Gebhard
Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich. Herausgegeben im Auftragder Österreichischen Akademie der Wissenschaften von Eberhard Kranz-mayer †, unter Mitwirkung von Maria Hornung, Werner Bauer,Ingeborg Geyer, Elisabeth Groschopf, Erika Kühn, WilfriedSchabus. 14. Lieferung(= 6. Lieferung des 2. Bandes). Wien 1976,Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Das große Wörterbuch- Unternehmen der Akademie wird fleißig fort-geführt. Unter der Redaktion von Maria Hornung wird mit dieser Lieferungnunmehr bereits der zweite Band abgeschlossen, der immerhin von„ belle" bis,, Bezirk" durch den Buchstaben„ b" führt.
Wie immer ist das Wörterbuch reich an volkskundlichen Zusammenhän-gen. Es lohnt sich, Beiträge wie Pelz, pempern, Pengel( mit Sachzeichnung),Penne( für den Schlitten, mit zwei Zeichnungen), penzen, Per( Fischernetz, dabeigleich Taubel, mit zwei Zeichnungen), Percht( sehr reich, mit Sage und Brauch),
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