Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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Literatur der Volkskunde

Klaus Beitl, Landmöbel. Zeugnisse alter Handwerkskunst(= Zeugnissealter Volkskunst, Bd. 7). 158 Seiten, 48 Farbtafeln. Salzburg 1976, Residenz-verlag. S 298,-.

Als in den dreißiger Jahren das Interesse an einer wissenschaftlichenBeschäftigung mit dem volkstümlichen Möbel- meist Bauernmöbel genanntwuchs, hatte man sich vielfach mit der Frage gequält, wo beginnt das Bäuer-liche- wo hört es auf? Immer wieder wurde auf die fließenden Grenzen hin-gewiesen, auf kleinbürgerlichen städtischen Einschlag, auf mehr im ländlichenCharakter gehaltene Bürgermöbel, auf die Zwischenstellung, die etwa der Haus-rat eines Posthalters oder Landgeistlichen einnahm zwischen dem rein Rustikalenund dem rein Bürgerlichen. Der Titel dieses neuen Möbelbuches" besticht daherdurch die Schlichtheit der Aussage, die viele Abstufungen zuläßt. Man wird denBegriff Landmöbel um so mehr billigen, wenn man bedenkt, daß er unmittelbarauf die Hersteller hinweist, die Landmeister. Die Bezeichnung Landmeister wareinst bei den städtischen Zünften allgemein üblich, wenn sie Handwerker nen-nen wollten, die auf den Dörfern( ,, und in den Einöden", muß man aus ober-deutscher Sicht hinzufügen) saßen. Nur ein Zeitalter, das die totale Verstädterungder Siedlungsräume erlebt, kann solche einst völlig verständliche Begriffe inZweifel ziehen.

Ein uneingeschränktes Ja wird man auch zu der Tatsache sagen, daß hierin einem weiteren, siebenten, Band sehr überdacht und in sorgfältiger AuswahlBestände des österreichischen Museums für Volkskunde allgemein bekanntgemacht werden. Der Bildband mit 48 Farbtafeln und der Wiedergabe von dreialten Holzschnittblättern ist weit mehr als ein Bilderbuch. Dies geht schon ausder sehr umfangreichen Bibliographie zur Möbelforschung hervor. Die Einfüib-rung( 25 Seiten) wird ergänzt durch ausführliche Begleittexte zu den Farbtafeln,in denen wohl das Hauptgewicht des Buches zu sehen ist. Die notwendigenKatalogangaben folgen auf den Bildteil. Die abgebildeten Möbel halten einestreng chronologische Folge ein, in der ein besonderer Vorzug des Buches zusehen ist. Sie endet mit einem Beleg aus dem Jahre 1850, einer Zeitstufe, die inder Geschichte der Landmöbel gewiß eine Wende bedeutet hat. Doch sollteman nicht vergessen, daß in manchen Gegenden noch bis zu zwei Jahrzehntedie Lust am Malen und Schnitzen in überkommener Weise fortgelebt hat unddaß überdies in jenen Jahrzehnten die Rezeption neugotischer Formen auf demLande bei Möbeln und Haustüren eine gewisse Rolle gespielt hat. Doch wirddamit ein neues Thema angeschlagen, das wohl einer eigenen Bearbeitung wertwäre.

Räumlich gesehen werden in erster Linie die österreichischen Bundeslän-der, aber auch Graubünden, Südtirol, Egerland und Oberbayern berücksichtigt.Was zunächst als ansprechender Bildband in hochwertiger typographischer Aus-stattung erscheint, erweist sich bei der sorgfältigen Lektüre als Einführung indie Kulturgeschichte oberdeutscher und alpenländischer Möbel. Die Ansprüchean die Dokumentation von Werken der Volkskunst sind heute wesentlich höherals vor dem zweiten Weltkrieg, doch haben sich bis jetzt nur die Keramik-

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