enormen Widerhall abzulesen, den die bereits erstellten, zweifellos in manchemverbesserungsbedürftigen Motivsysteme gefunden haben. Die Aufbereitung, Ord-nung und Darstellung einer solchen Materialfülle ist nur von erfahrenen Gelehr-ten, die sich ihr Leben lang mit der Materie beschäftigt und selbst unermüdlichgesammelt haben, die die nötigen Detailkenntnisse und das Systematisierungs-talent von Megas besitzen, zu erwarten. Das Nichtzustandekommen des Typen-katalogs der griechischen Volkserzählung, der ein wechselvolles Gelehrtenlebenlang heranreifte und auf den viele Wissenschaftler ungeduldig warteten, wie wiraus Briefen an den Verstorbenen wissen, stellt eine wissenschaftliche Tragikerheblichen Ausmaßes dar, denn es wird sich vermutlich nicht so schnell jemandfinden lassen, der die sachlichen Voraussetzungen erfüllt, dieses Monumental-werk zu Ende zu führen.
Aber die Tragik ist nicht nur eine wissenschaftliche, sondern vor allemeine menschliche, denn Megas stand im 83. Lebensjahr in voller körperlicherund geistiger Frische; er verschied nicht an der reifen Neige eines erfülltenLebens, sondern wurde von einem verhängnisvollen Mißgeschick gewaltsam ausihm gerissen. Die bitter aufklaffende Lücke, die sein plötzlicher Weggang hin-terläßt, schmerzt nicht nur die ihm Nahestehenden, sondern auch Fachleute ausaller Welt; insbesondere trauern die Vertreter der Vergleichenden Volkskundeund darunter besonders die vielen Freunde und Bekannten aus der DeutschenVolkskunde um eine der führenden Persönlichkeiten ihres Fachgebietes in unse-rem Jahrhundert.Walter Puchner
Eleonora von Watteck zum 75. Geburtstag
Umgeben vom hektischen Getriebe der Festspielstadt Salzburg steht amMönchsberg inmitten einer verträumten Landschaft eine dem 16. Jahrhundertentstammende Meierei. In der Atmosphäre dieses Hauses scheint Vergangeneslebendig zu werden, entspricht doch die erlesene Einrichtung mit Kostbar-keiten des Alt- Salzburger Kunsthandwerkes ganz dem bevorzugten Interessen-gebiet der Bewohnerin Frau Professor Nora von Watteck 1), einer Persönlichkeit,die sich um Erforschung und Bewahrung Salzburger Kulturgutes vielfacheVerdienste erworben hat.
Die Vorliebe für Kunstgegenstände und für deren historische Unter-suchung dürfte die verehrte Jubilarin, die in Altenstadt bei Feldkirch am6. Oktober 1901 als Tochter des Maschinenbauingenieurs Silvio Borri geborenwurde, von ihren beiden Großvätern ererbt haben, nämlich dem im altösterreichi-schen Istrien lebenden Geschichts- und Literaturprofessors Luigi Borri und demSalzburger Antiquitätenhändler Wenzel Swatek, dessen Familie sich als städti-
¹) Ergänzende Literatur sh.: Amtsblatt der Landeshauptstadt Salzburg,Jg. 21, Nr. 14, Salzburg 15. 7. 1970, S. 8-9. Personalnachrichten in SalzburgerNachrichten, 6. 10. 1971, S. 6 und 6. 10. 1976, S. 6. Lola Ahne, Heimatfor-scherin aus Passion; Nora Wattecks Liebe gilt dem alten Salzburg und schönenDingen aus der Vergangenheit. In: Salzburger Volksblatt, Fg. 36, 13. 2. 1973,S. 9. Elfi Wallisch, Salzburgerin mit Herz und Seele. Die HeimatforscherinNora Watteck wird 75 Jahre alt. In: Salzburger Volksblatt, Fg. 232, 5. 10. 1976,S. 7. Adolf Ha( hul), Nora Watteck 75 Jahre. In: Salzburger Museumsblätter,hg.: Sbg. Museumsverein, Jg. 37, Nr. 3/4, Dez. 1976, S. 33. Friederike Zais-berger, Geburtstagsbrief an Nora Watteck. In: Salzburger Jahr 1976/77. Hg.:Sbg. Landesregierung, Salzburg 1976, S. 68-69. Anonym, Prof. Nora Wat-teck. In: Salzburger Bauernkalender 1977. Salzburg 1976, im Druck.
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