Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
Einzelbild herunterladen
 

Vom Österreichischen Freilichtmuseum

Am 22. September 1976 fand die Jahreshauptversammlung des das Museumtragenden Vereines statt und nach gewohnt guter Sitte liegt nunmehr bereits derstattliche ,, Jahresbericht" vor. Das Museum hält sich in allen Belangen vorzüg-lich, Hofrat Prof. Dr. Viktor H. Pöttler ist nach wie vor um jede Einzelheitganz persönlich bemüht, ob es sich um die Wasserzuleitung oder um die Rein-haltung der Wege handelt.

Von besonderer Wichtigkeit erscheint wiederum der Bericht über die neu-erworbenen bzw. neuaufgestellten Bauten. Pöttler berichtet, wieder unterstütztdurch die schönen Zeichnungen von Wilhelm Reisinger, über den Hof,, Großschrotter" aus der Weststeiermark, über die Köse"( Doppelheuharfe) ausDellach im Kärntner Gailtal und über die ,, Brunnerkeusche" aus St. Nikolai imsteirischen Sölktal mit ihrer merkwürdigen oberen Stube. Zum Großschrotter"hat Othmar Pickl eine ausführliche Besitz- und Hofgeschichte beigesteuert,die Hofstelle läßt sich bis 1370 zurückverfolgen; das Haus, das in das Freilicht-museum eingebracht wurde, selbstverständlich nicht. Die ausführlichen Kom-mentare zu den einzelnen Bauten sind bauernhauskundlich von beträchtlichemWert, ein kontinuierlicher Gesamtkommentar, der sicherlich für das Museumangestrebt wird, kann sich seinerzeit wohl dieser Vorarbeiten bedienen. Es wirdaber auch darüber hinaus eine bautechnische Dokumentation angestrebt, mitMaßaufnahmen 1:20. Diese Arbeiten soll der Lehrbeauftragte für Bauaufnah-men an der Technischen Hochschule Graz, Dr. Holger Neuwirth, mitArchitekturstudenten durchführen, wie der reichhaltige Bericht unter anderemauch mitteilt.

Man sieht, wie das immer stattlicher werdende Unternehmen, das sich erfreu-licherweise auch vielfacher Unterstützung erfreuen kann, wächst und gedeiht.Das sei ihm auch für die Zukunft herzlich gewünscht.

Georgios A. Megas+

Leopold Schmidt

Am 22. Oktober 1976 erlag der hochbetagte Nestor der griechischen Volks-kunde, Prof. Georgios A. Megas den Folgen eines Autounfalls, der ihm am17. Oktober im Athener Vorort Kifissia zugestoßen war. Der Tod des 83jährigengriechischen Wissenschaftlers, der auch der deutschen Volkskunde sehr verbun-den war, ist um so tragischer, als Megas immer noch im Zenith seiner Schaffens-kraft stand, einer Fülle von Forschungs- und Förderungsaufgaben nachging undin den Tagen hoher Reife ein ebenso gigantisches Arbeitspensum bewältigte wiein jüngeren Jahren. Einige dieser Forschungspläne, die er unter unerhörtempersönlichen Einsatz zumeist allein vorantrieb- wie der geplante Katalog grie-chischer Volkserzählungen, der über Aarne- Thompson noch weit hinausreichensollte und für den schon etwa 25.000 Datenbeispiele bereitlagen, werden nunwohl noch lange der Verwirklichung harren müssen.

Prof. Megas wurde am 13. August 1893 in Mesembria an der nordthra-kischen Schwarzmeerküste( auf heutigem bulgarischen Gebiet) als Sohn des Leh-rers Anastasios E. Megas aus dem makedonischen Siatista geboren, welcherlange Jahre in Anchialos unterrichtete und ausgezeichnete Lehrbücher der Natur-geschichte, Länderkunde und Geologie sowie eine zweibändige Geschichte desSprachproblems" verfaßte. Megas besuchte die Grundschule in Siatista, inskri-bierte in der Folge an der Philosophischen Fakultät der Universität Athen, woihm der Gründer der griechischen Volkskunde, Nikolaos Politis, als akade-mischer Lehrer zur schicksalhaften Begegnung wurde. Megas sollte sich später,auch im hohen Alter noch, immer wieder auf ihn berufen. In der Vielseitigkeitseiner Sammelarbeit, bei der intensiven Miteinbeziehung der Alten und Byzan-tinischen Welt sowie der übrigen Völker der Balkanhalbinsel in seine volks-

155