Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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Teil zur Kenntnis genommen wurden. Die italienischen Trachtenbilderserien,zum Teil von Kaufrufcharakter, haben eine besonders lange Tradition, sindaber immer wieder auch fortgeführt und zum Teil wohl durch den Fremden-verkehr gefördert worden.

Die diesbezügliche, angewandte Kunst" Sardiniens war bisher kaum zu-gänglich. Erst in den letzten Jahren hat sich der Graphikhistoriker LuigiPiloni in mehreren Veröffentlichungen des Materials angenommen, und derTrachtenhistoriker Putzulu hat von seiner Seite aus vorgearbeitet. Er hat1968 die Costumi Sardi" herausgegeben. Nunmehr haben beide Forscher ver-eint die Aquarelle eines sonst außerhalb von Sardinien unbekannten Malers invorzüglichen Farbtafeln ediert, eben die Trachten und Landschaftsbilder desSimone Manca di Mores. Den großformatigen Bildern steht links jeweils einausführlicher erklärender Text gegenüber, mit den Bezeichnungen der Trachtenund Trachtenteile, wobei zu den sardischen Bezeichnungen auch die italieni-schen gegeben werden. Man überblickt auf diese Weise den ganzen Bestandder zum Teil sehr altertümlichen Trachten, von denen die Männertrachten mitihren Beutelmützen, Leibkleidern, geschlitzten Ärmeln, Kapuzenmänteln undfustanella- artigen Röckchen einen besonders merkwürdigen, mehr als mittel-alterlichen Eindruck machen. Es wird auf diesen Bildern nicht nur für denTrachtenforscher gesorgt, auch der Sammler der Volksmusik, des Volkstanzeskommt auf seine Rechnung. Es findet sich für ihn der Spieler der launedas"ebenso wie der Trommler mit der Einhandflöte. Ein zweiter Teil der Bildfolgezeigt brauchtümliche Feste, kirchliche und weltliche Aufzüge, aber auch Ge-meinschaftsarbeiten wie die Olivenernte und die Weinlese. Ein dritter Teil istden Veduten, den Ansichten wichtiger Gebäude, Kirchen und Festungen ge-widmet.

Die Begabung des Malers Simone Manca di Mores war nicht sehr groß,insbesondere die zur figuralen Darstellung. Aber die nicht immer geglücktenKörper tragen genau gemalte Kleidungsstücke, bei denen noch die einzelnenStickereien zu erkennen sind, und das macht diese Serie quellenmäßig so wich-tig. Das herrlich reproduzierte Werk stellt also einen beachtlichen Gewinn auchfür uns dar.Leopold Schmidt

Paul Henri Stahl, Ethnologie de l'Europe du Sud- est( Textesde sciences sociales, Bd. 12) 312 Seiten, 6 Abb. auf Tafeln. Paris 1974,Mouton Éditeur. Fr 48,-.

Paul Henri Stahl, fundierter Vertreter der europäischen Ethnologie, deraus Rumänien kommt, aber in Paris lebt, hat in der Schriftenreihe der Écolepratique des hautes études an der Sorbonne eine Anthologie erscheinen lassen,die Beachtung verdient. Handelt es sich doch um einen Beitrag zur Wissen-schaftsgeschichte des Faches, wie es ihn in dieser Form noch nicht gibt. DieBalkanvölker sind schon vom 16. Jahrhundert an von Reisenden besucht wor-den, die auch Schilderungen von Wohngewohnheiten, Sitten und Bräuchen ge-geben haben. Ein so bekannter Reisender wie der Engländer Edward Brown etwahat 1674 seine Beobachtungen veröffentlicht, sein französischer Zeitgenosse Guilletde Saint- George dann 1676, und so lassen sich die Reisenden und ihre Zeugnisseüber größere und kleinere Komplexe volkstümlichen Lebens in den einzelnenTeilen der Balkanhalbinsel eben verfolgen. Berühmte Gestalten wie Vuk Stefa-novic Karadžić finden sich ebenso wie österreichische Beobachter vom Rangeines Friedrich S. Krauss, überragende deutsche Forscher wie besonders GustavWeigand.

Die Berichte der Reisenden sind in vier Kapitel geordnet: Zunächst Mit-teilungen über die Aromunen, dann welche über die Montenegriner, in alter Zeitals Morlaken angesprochen. Dann zwei Sachkapitel, das eine über die gesell-

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