Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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kunde der deutschsprachigen Siedler. 318 Seiten mit 47 Farbbildern,19 Zeichnungen und 5 Karten. Innsbruck 1976, Verlag Tyrolia. S 240,-.Der Ordinarius für Volkskunde an der Universität Innsbruck hat sich inder Mitte seines Lebens die Aufgabe gestellt, die deutschsprachigen Siedler inSüdamerika, von denen nicht wenige Tiroler, Österreicher, Altösterreicher warenund noch sind, aufzusuchen und womöglich im Sinn der Volkskunde zu erfor-schen. Das Unternehmen ist dementsprechend auch vom Fonds zur Förderungder wissenschaftlichen Forschung in Österreich gefördert worden.

Im ersten Band, der schon 1972 erschienen ist, hat Ilg vor allem die Siedlerin Brasilien besucht, ist aber dann auch nach Peru, wo er die Tiroler SiedlungPozuzo aufsuchte. Im zweiten Band greift er nun nach den anderen südamerika-nischen Ländern aus, vor allem nach Argentinien, wo die Siedlungen von Reichs-deutschen, von Schweizern, von Österreichern und von Volksdeutschen, vor allemvon Wolgadeutschen, am dichtesten gestreut sind. Über letztere hat in der Zwi-schenzeit Iris Barbara Graefe ein eigenes tüchtiges Buch veröffentlicht, ZurVolkskunde der Rußlanddeutschen in Argentinien"(= Veröffentlichungen desInstituts für Volkskunde an der Universität Wien, Bd. 4). Wien 1971, das übrigensIlg in den volkskundlichen Kapiteln seines zweiten Buches häufig heranzieht.Er selbst beschäftigt sich weit mehr mit den kulturgeographischen Fragen derSiedlungen, mit Bestandaufnahmen vom Standpunkt des Wanderers aus, soweitman eben in Südamerika wandern kann. Es zeigt sich im Text und an den Bil-dern immer wieder, daß Ilg zusammen mit seiner Ehefrau sich alle geschildertenSiedlungen und auch ihre Umwelt wirklich persönlich erwandert hat. Dadurchsind die Bücher ähnlich wie Lichtbildervorträge lebensvoll, mit persönlichenKenntnisnahmen angefüllt, die zum Teil selbstverständlich die oft recht ein-gehende siedlungsgeschichtliche Literatur kurz rekapitulieren.

Das eigentlich volkskundliche Schlußkapitel ist dagegen ganz der Bestand-aufnahme der Siedlungen, der Häuser, der Trachten, des Lebens- und Jahres-brauches gewidmet. Für die Häuser wendet Ilg hauskundliche Methoden an,zeichnet Grundrisse, welche die oft aus den alten Siedlungsgebieten übertragenenHausformen erkennen lassen. Für das landwirtschaftliche Gerät fällt infolge derstarken Umstellung der Wirtschaft nicht viel ab, von Tracht kann meist nur inRudimenten die Rede sein. Bei den Festbräuchen merkt man, daß die vereins-mäßige Organisation sich vieler Feste angenommen hat und ihre Gestaltungunterstützt. Nur auf diese Weise leben offenbar Nikolausabend und Weihnach-ten weiter, die bei den dortigen hochsommerlichen Temperaturen eben sinn-entleert anmuten müssen. Aber die meist auf Briefinformationen beruhendenAusführungen Ilgs geben hier nur erste Hinweise.

Die großen persönlichen Bemühungen Ilgs, die auch in den wohlgelun-genen Farbphotos ihren Ausdruck gefunden haben, sind durch die beiden Bändenun dokumentiert. Es ist schon auch ein Stück Gegenwart, das durch sie bezeugtwird. Vielleicht für manche Ansprüche zu schlicht, vielleicht für die wissen-schaftliche Verwertung zu persönlich, zu tagebuchartig gestaltet. Aber alles inallem doch eine Grundlage und zudem ein persönlich gefärbtes Zeitdokument.Leopold Schmidt

Luigi Piloni und Evandro Putzulu, Fascino di Sardegna. Aquarellidi Simone Manca di Mores 1878-1880(= Fonti perl'Iconografia della Sardegna). Großformat, 126 Seiten mit LIV Farbtafeln.Rom 1976, Instituto poligrafico dello Stato. Libreria dello Stato.

Die Trachtenforschung hat im 18. und 19. Jahrhundert unabhängig von derübrigen Volksforschung Bilderreihen, Trachtenbilderserien hervorgebracht, diezwar von der Kostümforschung registriert, von der Volkskunde aber nur zum

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