Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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über die Gestaltheiligkeit" bis zu den Augen- Idolen Otto Königs. Es ist für denFachmann nicht uninteressant, diese Selbstgespräche eines interessierten Laien,wenn ich so sagen darf, zu verfolgen. Aber mit Forschung haben sie nichts zutun, mit Volksbildung wohl auch nicht. Es ist schwer zu sagen, wem mit einersolchen Veröffentlichung gedient sein soll.

Auf die verschiedenen Fehlstellen hinzuweisen ist kaum notwendig, diemüßte ein fachlich gebildeter Leser sich schon selbst anstreichen. Nur zur War-nung: Wenn Seite 12 von einer dem Wotan" geweihten Eiche zur Zeit deshl. Bonifacius die Rede ist, so wäre doch lieber Donar" hier einzusetzen,abgesehen davon, daß die wagnerische Schreibweise Wotan" im religions-geschichtlichen Bereich ein Greuel ist. Und für den Kenner der Alpenländer:Das Seite 82 erwähnte Brixental" findet sich selbstverständlich nicht in Süd-,sondern in Nordtirol, bei Kitzbühel.

Ein wirklicher Katalog der Sammlung Dusch in Ischl, das wäre einebegrüßenswerte Leistung gewesen. Aber es ist leider nur wieder einer jenerpopulären Bände herausgekommen, die unserem Fach kaum viel nützen.Leopold Schmidt

Lutz Röhrich, Sage und Märchen. Erzählforschung heute.348 Seiten mit zahlreichen Abb. Freiburg im Breisgau 1976, Verlag Herder.Der Ordinarius in Freiburg legt hier einen Sammelband seiner Abhandlun-gen zu den Gebieten Sage und Märchen vor, wodurch die größtenteils in Zeit-und Festschriften erschienenen Abhandlungen nunmehr allgemeiner zugänglichsind. Das ist sehr erfreulich, denn Röhrich hat in den vergangenen 25 Jahrenmehrere sehr wichtige Untersuchungen, oft vom Ausmaß einer ganzen Mono-graphie, veröffentlicht, die durchaus dafür bestimmt erscheinen, viele Kapitelvor allem der Sage in einem neuen Licht aufblinken zu lassen. Dazu gehörenetwa die Untersuchungen über die Europäischen Wildgeistersagen", über ,, DieSage vom Schlangenbann", über Eine antike Grenzsage und ihre neuzeitlichenParallelen" und über Die mittelalterlichen Redaktionen des Polyphem- Mär-chens und ihr Verhältnis zur außerhomerischen Tradition". Es sind aber auchdie anderen Abhandlungen, oft allgemeiner Natur, wichtig und lesbar geblieben,die zum Teil auch für diesen Neuabdruck erweitert und ergänzt, auch mit Bil-dern ausgestattet wurden. Das gilt für die Schwarzwaldsagen" ebenso wie beson-ders für Schwaben als Sagenlandschaft" sowie für Die Welt der rheinischenSage", wobei librigens im wesentlichen der romantische Mittelrhein gemeint ist.Man wird aber auch mit Gewinn jene Einleitung zu den Deutschen Sagen derBrüder Grimm" nachlesen, die vermutlich, wie das bei solchen Einleitungen undNachworten nun einmal der Fall ist, doch weniger Beachtung gefunden hat, alseigentlich richtig gewesen wäre. Auch Röhrichs allerneuester Festschrift- Beitrag,nämlich ,, Die Sagensammlungen der alemannischen Schweiz in der Gegenwart"aus der Bruno- Boesch- Festschrift findet sich hier schon aufgenommen.

Alles in allem ein wichtiges Buch also. Ein ausführliches Register schließtes erfreulicherweise genau auf.Leopold Schmidt

Ingeborg Weber- Kellermann, Die Familie. Geschichte, Geschichten undBilder. Großformat, 347 Seiten mit 363 Abb. Frankfurt am Main 1976,Insel Verlag. DM 58,-.

Der schöne Band erinnert außen und innen zunächst an eine Kultur-geschichte: etwa an das Werk von Friedrich Zoepfl, ebenfalls großformatig undreich illustriert, vor etwa 40 Jahren erschienen. Aber zwischen dem süddeutsch-katholischen Werk Zoepfls und dem nordostdeutsch- protestantischen von FrauWeber- Kellermann liegt nicht nur der Zeitunterschied, sondern auch manches

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