Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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aus Braunau, Ried, Vöcklabruck und einige auch aus Linz, so daß man denEindruck gewinnt, daß der Verlag besonders auf die stammheitlich bairischenTeile Österreichs ausgegriffen hat. Das Vergleichsmaterial, das immerhin auchverwendet wird, stammt aus halb Europa, greift recht unterschiedlich gelegent-lich kurz nach Frankreich oder nach Norwegen aus, oft und umfänglich abernach Rumänien. Die alten Sudetenländer scheint es dagegen für diese Übersichtnicht zu geben. Die Schweiz ist häufig herangezogen und Scheuermeiers großeArbeiten werden zuweilen auch mit ihren feingezeichneten Abbildungen ver-wendet. Ab und zu wird auch ein Ausgriff auf die Mittelalterliche Realien-kunde" gewagt, wobei man sich denken mag, daß man etwa mit dem in Kremsim entsprechenden Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaftenerarbeiteten( durchphotographierten) Material einen ganzen solchen Band füllenkönnte. Aber das kann ja noch kommen.Leopold Schmidt

Helmut Nemec, Zauberzeichen. Magie im volkstümlichen Bereich.148 Seiten, davon viele Bildtafeln mit zum Teil farbigen Abb. Wien 1976,Verlag Anton Schroll& Co. S 330,-

Der Sammler Franz Dusch in Bad Ischl besitzt eine beachtliche Kollektionvon Gegenständen des Volksglaubens", zu der bisher nur wenige InteressentenZugang hatten. Sie entspricht ungefähr jenen Beständen, die einstmals MarieAndree- Eysn gesammelt hatte, dann Anton M. Pachinger und später RudolfKriss. Was also gewissermaßen der Bodensatz des vor allem von der Gegen-reformation geprägten Volksglaubens und volksmedizinischen Brauches ist. DieLiteratur dazu ist nicht gering, wenn man vom Handwörterbuch des deutschenAberglaubens absieht, das doch nur wenige Leser zu benützen verstehen, vorallem die beiden Nachschlagewerke von Villiers- Pachinger, Amulette undTalismane und andere geheime Dinge. Berlin- München 1928, und Hansmann- Kriss- Rettenbeck, Amulett und Talisman. Erscheinungsform und Geschichte.München 1966.

Der Wiener Frauenarzt Helmut Nemec ist ein Liebhaber der Volks-kunst, ein Sammler, der sich vor allem auch mit anderen Sammlern beschäftigtund Objekte aus ihren Kollektionen photographiert und späterhin veröffentlicht.Auf diese Weise hat er bisher schon seine Bücher ,, Alpenländische Bauernkunst"( Wien 1966), Alter Bauernschmuck"( Wien 1973) und Tier und Jagd in derVolkskunst"( Wien 1974) geschaffen. Auch in diesem Fall hat er die Objekteder Sammlung Dusch kunstvoll photographiert, wobei man mit der Art der Prä-sentation der Einzelstücke in kleinen Gruppen auf alten Unterlagen, etwa Votiv-bildern oder Kupferstichen, sachlich wohl nicht sehr einverstanden sein wird.Den Tafeln wird, wie es bei den Volkskunst- Bänden des Residenz- Verlagesüblich ist, jetzt ein mehr oder minder ausführlicher Kommentartext gegenüber-gestellt. Der übrige Text stellt eine Kompilation aus der Literatur dar. Nemecversucht zu gliedern in Glaube, Aberglaube und Magie", in VolksmedizinZaubermedizin", in den Magischen Menschen", auch Der bäuerliche Menschim magischen Bereich" genannt, in ,, Die magische Handlung" und Das magischeObjekt", wobei hier noch im Untertitel aufgezählt werden: Biologische Zauber-zeichen, Magische Schriftzeichen, Siegel und Charaktere, Amulette und Talis-mane, Steine, Pflanzen, Tiere, Konglomerate und Sacra". Daß es sich dabeijeweils Dinge aus ganz verschiedenen kulturhistorischen Schichten handelt, daßman Stücke aus der älteren, vielleicht zeitlosen Magie nicht mit den kirchlichenHeilmitteln des 17. Jahrhunderts auf gleiche Ebene stellen darf, daß eine Zau-berrolle" aus astrologischer Herkunft in keiner Weise geistig mit den Benediktus-medaillen zu tun hat, all das geht in diesem bemühten Kommentar unter. Inden Text sind selbstverständlich die verschiedensten Schlagwörter aus derGeschichte der Volksglaubensforschung eingeflossen, vom Analogiezauber"

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