der Legendenballade von der Märtyrerin Margerita von Löwen geführt hat. Datürmen sich also die Fragen nur so auf, die Möglichkeiten der Zusammenhänge,etwa des Ausscheidens des Legendenmotives im Verlauf der Verweltlichung imJahrhundert der Reformation.
Die knappen Hinweise sollen nur zeigen, daß es sich die Bearbeiter inkeinem Fall leicht gemacht haben. In jeder derartigen Liedmonographie stecktmehr als eine Dissertation. Jüngere Mitarbeiter des großen Werkes haben dajeweils ihre Talentproben abzuliefern und die Redakteure tun offensichtlich ihrBestes, um das Werk zu einem Ganzen zusammenzuschweißen. Man erweistseine Dankbarkeit dafür wohl am besten, daß man das unschätzbare Werkimmer wieder prüfend benützt.Leopold Schmidt
Hermann von Schmid und Karl Stieler, Wanderungen im Baye-rischen Gebirge und Salzkammergut. Illustriert von GustavCloẞ, Wilhelm Diez, Alois Gabl, Richard Püttner, Arthur von Ramberg,Carl Raupp, L. Ritter, J. G. Steffan, Friedrich Voltz, Josef Watter, JosefWopfner. Großformat 215 Seiten mit zahlreichen Abb. Neudruck ,, BavaricaReprint", München 1976, Süddeutscher Verlag. DM 48,-.
Wer die Originalausgabe dieses bemerkenswerten Buches, Stuttgart 1873erschienen, nicht besitzt, wird zweifellos gern zu diesem schönen Neudruckgreifen. Handelt es sich doch um ein Werk aus jener Frühzeit der Volkskunde,in der auch die volkskundlichen Beiträge zur„, Österreichisch- Ungarischen Mon-archie in Wort und Bild" geschaffen wurden, auch die zum Teil sachlich wert-vollen Bilder, die in vorzüglich deutlichen Holzstichen reproduziert wurden. DieTextbeiträge wird man heute wohl eher überfliegen, mit ihrer Touristen- undSommerfrischler- Schilderung sind sie begreiflicherweise sehr zeitgebunden. Aberder Beitrag von Karl Stieler über das Bergdorf behandelt immerhin sehr kennt-nisreich in sechs Kapiteln Haus und Brauch; das Schuhplatteln, das Haberfeld-treiben, natürlich auch die Wildschützen im bayerischen Gebirge, dann sogarnoch ,, Ein Räuberleben in den Bergen", schließlich aber doch Sonnwendfeuerund Almenleben. Unter den vielen Bildern finden sich auch manche quellen-mäßig wertvolle: so etwa S. 9 Bootsformen vom Starnberger See, 15 Floß aufder Isar, 20 Partenkirchen vor dem Brand, 22 Kraxentrager, 32 Schützenzug inLenggries, 35 Kopflastträgerin bei Tegernsee( man denkt dabei an die Darstel-lung von Spitzweg zurück), 38 Bittgang durch die Felder, 43 Kirchweih in derKaiserklause, 45 Holzknechthütte im Wald( Rindenhütte), 50 Wurzengraberin,53 Pferde zur Leonhardsfahrt, 61 Heufuhr über den Chiemsee( ein in der Malereider Zeit immer wiederkehrendes Motiv), 65 Fischzug auf dem Chiemsee,107 Einbaum auf dem Wolfgangsee, 149 Kammerwagen mit Hochzeitsmöbeln,151 Hochzeitszug mit gehender Musik, 153 Schuhplattler, 157 Haberfeldtreiben,173 Johannisfeuer, 178 Inneres einer Sennhütte, 181 Almabtrieb. Das ist nur eineAuswahl aus den vielen Bildern, auch die mehr topographisch eingestellten zei-gen doch immer wieder Trachtengestalten, Hausformen usw. Da Salzburg unddas Salzkammergut mitbehandelt sind, ist der Band auch von österreichischemInteresse.
Auf dem Titelblatt wird mitgeteilt, daß es sich um die zweite Auflagehandelt und daß die erste Auflage unter dem( Ober-) titel„ Aus deutschen Ber-gen" erschien. Das stimmt, aber man muß dazu sagen, daß es sich damals umden ersten Band des zweibändigen so betitelten Werkes handelte. Der zweiteBand heißt ,, Wanderungen durch Tirol und Vorarlberg" und seine Texte stam-men von Ludwig von Hörmann, Herman von Schmid, Ludwig Steub, Karl vonSeyffertitz und Ignaz Zingerle. Ebenso gestaltet wie der erste, ebenfalls mit vor-züglichen zeitgenössischen Bildern ausgestattet, wäre er eigentlich auch des Neu-
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