Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
Einzelbild herunterladen
 
  

geeignetes Holz kauften und dann selbst die Röhren bohrten. Noch1957 wurde Brunnholz aus Gutenstein ins Burgenland verkauft( FrauWieser).

Während in der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts mancherleiRatschläge über Holzauswahl und Aufbewahrung sowie über denLeitungsbau selbst gegeben werden, wird der eigentliche Vorgangdes Bohrens meines Wissens nirgends beschrieben. Denn", so meintMarius Wölfer im Jahre 1840,, wie hölzerne Röhren gebohrt undwie dieselben mit eisernen Büchsen zusammengefügt werden, bedarfkeiner Erwähnung, weil dies schon jedem Röhrenmeister hinlänglichbekannt ist" 9)( Abb. 1)( zum Vergleich: Pumpenbau bei GeorgAgricola( Abb. 2).

Wir baten daher einen alten Zimmermann namens Josef Deibl 10)aus Gutenstein- Vorderbruck, für das Waldbauernmuseum ein Rohr zubohren. Um den zur Verfügung stehenden Weißföhrenstamm nichtzu verletzen, wurde dieser auf den Zimmerböcken nicht mit Klampfen,sondern mit Ketten oder einer Leine befestigt, die man dann mit einemPrügel straff zog. Nun sägte der Arbeiter beide Schnittflächen genausenkrecht zur Längsachse nochmals säuberlich zurecht und machteim Zentrum dieser Schnittflächen mit einem etwa 20 mm starken, arm-langen Bohrer 1) zunächst je ein kleines Loch, um hier den gewalti-gen ,, Brunnbohrer" 12) anlegen zu können( Abb. 3).

Für diesen Brunnbohrer mußte zunächst eine Auflage, der Bohrbock, gezimmert werden 13). Dies ist ein etwa 3 m langer Fich-tenrundling, der einseitig 80 cm aufgespreizt wird. Auf ihm ruhtwährend der Arbeit der aus einem Vierkant- oder Rundeisen bestehen-de, 3 m lange Schaft des Brunnbohrers. Der eigentliche Bohrer istnur 30 bis 40 cm lang. An der ihm entgegengesetzten Seite endet derSchaft in einem ,, Haus"( Tülle), in das jenes hölzerne Heft eingeführtwird, mit Hilfe dessen man drehte 14)( Abb. 4).

Nach einigen Umdrehungen, bei denen dem alten Zimmermanneine junge Kraft helfen mußte, wurde der Bohrer herausgezogen

9) Wölfer Marius: Der auf vieljährige Erfahrung gegründete Kunst- undBrunnenmeister", Quedlinburg 1840.

10)( Abb. 2) Ein Bildzeugnis hiefür liefert Tob. Dion. Raulino 1831 aufseinem Aquarell Erbauung des Cholerakanals"( Bes.: Hist. Mus. d. Stadt Wien).11) Waldbauernmuseum Gutenstein,, Inv. Nr. 404.

12) WBM, Inv. Nr. 232, 233, 238.

13) WBM, Inv. Nr. 917.

14) Das Wort Brunn- nabinger" wird von den alten Leuten hier zwar nochverstanden, aber nicht mehr gebraucht.

Vgl. dazu Schmeller: Nabe= Loch, Ger= Gerät zum Stechen".

Gutenstein hatte einst einen eigenen Nabingerschmied im Haus Markt Nr. 34.In anderen deutschen Sprachgebieten ist dafür das Wort Teuchelbohrer" ge-bräuchlich, von ,, Teichl= Brunnrohr".

27