abrichten." Gegen Ende seines Lebens konnte Karl Wieser nurmehr selten mit der Rute gehen, da„, es ihn angriff” ³).
War nun eine Quelle gefunden, so wurde je nach ihrer Ergiebig-keit eine viereckige Vertiefung ausgegraben, etwa so groß, daß einegewisse Reserve eine gleichmäßige Wasserversorgung sicherte. DerAushub wurde mit einem hölzernen Rahmen umfangen, der ent-weder aus starken Pfosten oder Kanthölzern gezimmert war, oderman faẞte ihn mit gelegten Steinen ohne Mörtelverbindung ein. Solcheine Quellfassung heißt hier„ Brunnstube" 4)
Für den Leitungsbau mußten zunächst Rohre gebohrt werden.Schon Auswahl und Behandlung des„ Röhrholzes" setzte Kenntnissevoraus: Am Grießhof in Rohr verwendete man Weißföhrenstämme,die keine Risse, Spalten und Astlöcher haben sollten und„ gschlacht"( gerade) gewachsen sein mußten. Aus dem Standort des Baumes ließsich je nach Windrichtung und Schatten- bzw. Hanglage erschließen,ob das Kernholz genau im Zentrum des Querschnittes liegt( HerrSalmannshofer). Noch besser und haltbarer, aber schwieriger zubohren, waren Lärchenstämme, am besten, vor allem wegen seineshohen Harzgehaltes, das am Alpenostrand vorkommende Schwarz-föhrenholz 5).
Man ließ bei der Bringung des Röhrholzes höchste Vorsichtwalten. Zum Streifen wurden die Bloche 6) nur mit Ketten, nicht mitKlampfen 7) angehängt und niemals mit dem Sapl³), sondern mitbloßen Händen angefaßt. Sie wurden auf 5 m Länge zugeschnitten,nicht entrindet und noch„ grün", das heißt vor dem Trocknen, gebohrt.
Brunnhölzer zu liefern war ein einträgliches Geschäft, denBauern mit gutem Waldboden vorbehalten. So ließ man z. B. beim„ Hackl- Krenn" in Furth( Triestingtal) eigens Stämme für Röhrholzin den besten Lagen aufwachsen. Es gab auch richtige„ Brunnrohr-händler"( Hausböck in Schwarzau, Neumann in Miesenbach), die
3) Herr Wieser spielte dabei deutlich auf eine psychische Ermüdung an.4) Es ist eine Eigentümlichkeit der hiesigen Mundart, daß auch die Wasser-leitung„ Brunn" genannt wird, daher:„ Brunnstube, Brunnrohr, Brunngrant".Wird dagegen mit einer Pumpe Grundwasser aus einem Schacht gehoben, sprichtman von ,, Läutbrunn".
5) Als die Habsburger Ende des 16. Jahrhunderts die Herrschaft Merken-stein an die Familie Heißperg verkauften, nahmen sie sich die jährliche Liefe-rung von 35 Stamm Schwarzföhrenholz für das„ kaiserliche Röhrwasser" aus.Das k. und k. Hofbauamt mußte allerdings jedes Jahr erneut um dessen„, Aus-zeigung und Ausfolgung" ansuchen.( Haus-, Hof- und Staatsarchiv, GedenkbuchMerkenstein, HS 976 weiß 1088 rot).
6) Bloch: gefällter, meist schon nach Bedarf abgeteilter Stamm.
7) Klampfen= hier Scheiterklampfen: etwa U- förmig gebogenes, an bei-den Enden zugespitztes Stück Schmiedeeisen.
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8) Sapl Sapine, spitzes Gerät zum Wenden und Rücken der Stämme.