Wasserleitungs- und Brunnenbau an der
Schwelle zum Industriezeitalter
( Mit 11 Abbildungen und 10 Strichzeichnungen im Text)
Von Hiltraud Ast
Die Wasserversorgung ist in der Gegenwart zu einer Gemein-schaftsaufgabe geworden, da so gut wie jede Siedlung an eine Orts-wasserleitung angeschlossen ist, von denen sich manche zu Ver-sorgungsringen zusammengetan haben. Eine Wasserverbundgesellschaftähnlich wie beim elektrischen Strom wird für die Zukunft angestrebt.Nur mehr Anwesen in einsamer Lage besitzen noch eine eigeneLeitung, nur selten wird mehr ein Brunnen angetroffen. Aber injedem Fall wird heute die Anlage von Professionisten mit modernenBaumaschinen und neuen Werkstoffen hergestellt, und Holz wirdnicht mehr als Baustoff verwendet.
Früher hatten hier alle Höfe entweder eine eigene Holzwasser-leitung oder einen Hausbrunnen, deren Einrichtung und Erhaltungvielerlei Arbeiten erforderte. Diese wurden teils von den Bauernselbst, teils von Zimmerleuten ausgeführt, unter denen es Spezialisten,die ,, Brunngraber" oder„ Brunnbauer" gab. Da deren Fähigkeitenund Kenntnisse immer mehr in Vergessenheit geraten, wurden fürdas Waldbauernmuseum in Gutenstein zahlreiche damit in Zusammen-hang stehende Objekte gesammelt und Gespräche mit alten Bauernund Handwerker niedergeschrieben. Zwei von ihnen brachten sogarunaufgefordert Zeichnungen und Notizen, da sie sich offenbar derTatsache bewußt waren, daß ihr Können mit ihnen für immer insGrab sinken wird.
So soll im folgenden versucht werden, gleichsam schlaglichtartigfestzuhalten, auf welcher Kulturstufe die Wasserversorgung zu jenemZeitpunkt stand, als das Industriezeitalter von den Städten ausgehendauch das entlegenste Tal des Schneeberggebietes erreicht hatte.
Am Beginn des Leitungs- und Brunnenbaues steht die Suche nachWasser. Meist gibt es im Umkreis einiger Dörfer einen Mann, dersich auf das Gehen mit der Wünschelrute versteht. Als Vertreter
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