Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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rich" erfaẞt werden konnten, und noch zwei ,, Albericus", dann wäre ein Artikel über denZwerg Alberich der Nibelungensage doch wohl nahegelegen und am Platz gewesen. Aberauch andere Sagengestalten sucht man vergebens, so etwa den Riesen Ainotherus, derKarl den Großen auf seinen Zug gegen die Awaren begleitet haben soll. Da wäre also eineAnfrage nach entsprechenden Artikeln bei den Vertretern der historischen Sagenfor-schung wohl am Platz.

Leopold Schmidt

ERNST BRUNNER, Die Bauernhäuser im Kanton Luzern(= Die Bauern-häuser der Schweiz. Hrsg. v. d. Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde. Derganzen Reihe sechster Band). Basel- G. Krebs AG.; Bonn- Rud. Habelt, 1977.455 Seiten, 510 Pläne und Zeichnungen, 320 Photographien, 128 Karten, 1 Farb-tafel.

Die neue Reihe über ,, Die Bauernhäuser der Schweiz" scheint nun schneller voranzu-kommen. Bereits als Band 6 erschien dieses gewichtige Werk des Luzerner HausforschersErnst Brunner. Es ist die Frucht jahrzehntelanger Forschungs- und Aufnahmearbeiten,denen sich der Verfasser als Leiter einer eigenen kantonalen Zentralstelle für Bauernhaus-forschung mit Sachkenntnis, zähem Fleiß und großer Hingabe widmete. Aus dem Geleit-wort des Vertreters der Kantonsregierung erfahren wir u. a., daß dabei durch den Ver-fasser und seine Helfer eine Sachdokumentation von über 500 untersuchten Objektenerarbeitet worden ist, deren Material jedoch im Kanton Luzern verbleiben und in derZentralbibliothek Luzern archiviert werden soll. Ernst Brunner hat daraus sichtlich einestrenge Auswahl getroffen, also nicht nur ,, Spitzenleistungen handwerklichen Könnens",sondern auch ,, die einfachen, für die Hausforschung oft viel wertvolleren Objekte berück-sichtigt"( S. 11) und er hat sich zugleich ,, auf eine sachbezogene, bildliche und beschrei-bende Wiedergabe der Materialien seiner Feldforschung" und auf deren wohldurchdachte, Benennung der Einzelformen und ihrer Elemente" beschränkt( S. 14f.). Es geht ihmdarum ,,, die reinen, ungestörten, unverbauten Formen... herauszuschälen und anhandtypischer Beispiele in möglichst unverändertem Zustand aufzuzeigen"( S. 12). Wiefundiert er dabei zu Werke ging, ersieht man daran, daß Brunner im Stil des modernenLayout jedem wichtigeren Tatbestand dessen Verbreitungsbefund in Form eines Beleg-kärtchens beigibt, mithin also beispielsweise nach seiner Erhebung von 1956 die Verbrei-tung jener Rauchküchen mit 31 Objekten verzeichnet, die noch bis unter das Dachgebälkoffen waren( vgl. Abb. 235 auf S. 127)*).

Brunners Konzeption und Darstellungsweise ist gekennzeichnet durch eine völligeigenständige, in manchem neuartige Materialerschließung, die auf alle umständlichenWeitschweifigkeiten verzichtet. Sie bestickt vor allem aber durch eine äußerst straffe undkonsequent durchgezogene Systematik der Stoffdarbietung, die es erlaubt, die zu behan-delnden Objekte zahlenmäßig auf die ,, wichtigsten Beispiele" zu begrenzen, diese aberinnerhalb eines weitausholenden Betrachtungsrahmens ungemein gründlich und bis in alleDetails vorzuführen.

Sein Buch gliedert sich in fünf Hauptabschnitte. Eine kurze ,, Einführung" legt dazudie Arbeitsvoraussetzungen und Grundprinzipien klar, denen der Verfasser folgt. Gegen-über den bisherigen Bänden dieser neuen schweizerischen Reihe über das Bauernhaus trittdie graphische Darstellung, die dort eher marginal gehalten ist, hier ganz entschieden inden Vordergrund. Sie wird getragen von vortrefflichen Planzeichnungen, Isometrien, Ver-breitungs- und Orientierungskarten, von Wiedergaben historischen Bildmaterials und vonprächtigen Photos, auch sie in der überwiegenden Zahl vom Verfasser selbst stammend, zudenen Kapiteleinführungen und begleitende Randtexte nur die Aufgaben einer sehrbedachten, gehaltvollen, gut verständlichen, aber eher knappen Kommentierung über-nehmen. Der Verfasser betrachtet ,, das vorliegende Wert trotz der fast tausend(!) Abbil-dungen nicht als Bildband, aber auch nicht als bebilderten Textband; viel eher könnte voneinem Kommentarband gesprochen werden( S. 11).

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