Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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KURTRANKE, Die Welt der Einfachen Formen. Studien zur Motiv-, Wort-

und Quellenkunde. IX und 456 Seiten. Berlin 1978, Verlag Walter de Gruyter.DM 148,-

Wenn einem Gelehrten zu einem Jubelfest, also beispielsweise wie hier Kurt Rankezum 70. Geburtstag, ein stattlicher Band seiner kleineren, verstreut erschienenenSchriften vorgelegt wird, so ist dies sicherlich eine der sinnvollsten Ehrungen, die es über-haupt gibt. Es ist nun einmal so, daß kaum die Zeitgenossen, geschweige denn Vertreterjüngerer Generationen wissen, was man vor fünfzig, vierzig, ja auch nur dreißig Jahrengeschrieben hat. Und die Zusammenschau von solchen verstreut erschienenen Unter-suchungen ergibt ja auch für den Kenner immer noch ein besseres, genaueres Bild dessen,was der Jubilar tatsächlich erarbeitet hat.

Der vorliegende starke Band, von Rudolf Schenda, dem Amtsnachfolger inGöttingen liebevoll eingeleitet und mit einem von Elfriede Moser Rath erstelltenRegister sinnvoll beschlossen, enthält alle die vielen wichtigen kleineren Arbeiten Rankes,vom ,, Brautstein und Rosengarten"( 1939) bis zu den Beobachtungen zu AaTh 834,, ThePoor Brothers Treasure"( 1976). Es sind sehr bekannt gewordene Arbeiten dabei, wie dasvielbenützte ,, Spielregister des Meister Altswert"( 1952) oder der köstliche ,, Schwank vonder schrecklichen Drohung( 1960). Manche Abhandlungen wie Die Sage vom Toten,der seinem eigenen Begräbnis zuschaut"( 1954) oder Schwank und Witz als Schwund-stufe"( 1955) werden heute noch genauso benützt und zitiert wie zur Zeit ihres ersten Er-scheinens. An manchen Erkenntnissen Rankes, wie der ,, Generativo Aequivoca( 1955)hat man sich immer gerieben und wird dies vielleicht noch länger tun. Und ob es sich beiden Märchen und Sagen mit ihren reichen Inhalten um ,, Einfache Formen" handelt, wirdauch künftighin so umstritten sein wie 1929, als André Jolles dieses Schlagwort in die Weltsetzte. Rankes kluge Auseinandersetzung damit( 1965) ist lesenswert geblieben. Daß manaus den vielen bedeutenden Untersuchungen immer wieder einmal erkennen wird, wieschwierig die ganze Erzählforschung ist und bleibt, und wie wenige Ergebnisse sich als halt-bar erweisen, ja vielleicht auch, wie wenige Fragestellungen sich als fruchtbar oder auchnur als berechtigt erwiesen haben, steht auf einem anderen Blatt.

Im ganzen also kann man sich nur freuen, daß Kurt Rankes kleinere Schriften nun-mehr hier gesammelt vorliegen, vorzüglich editiert, für den sicherlich noch langenGebrauch in der Forschung gut erschlossen. Nur über den Preis mag man erschrecken:Wer kann eigentlich DM 148,- wirklich für ein einziges Buch ausgeben? Doch gerade nureinige wohldotierte Bibliotheken. Denen sei also die Erwerbung ans Herz gelegt.

Leopold Schmidt

LEXIKON DES MITTELALTERS. 5. Band, 2. Lieferung. Ägypten- Almohaden.( Sp. 225-448). München und Zürich 1978, Artemis Verlag. Je Lieferung in Sub-skription DM 32,-

Das auf lange Sicht geplante ,, Lexikon des Mittelalters" schreitet fort. Wüßte mannicht, auf welch breiter Basis es angelegt erscheint, so würde der Untertitel dieserLieferung ,, Ägypten- Almohaden wieder darauf hinweisen. Die politische Geschichte,aber auch die Kirchengeschichte, die Literaturgeschichte, sie alle scheinen gewissenhafteingearbeitet. Man kann sich an großen Artikeln eingehend informieren, also beispiels-weise über die ,, Albigenser" ebenso wie über ,, Alchemie und für den vielteiligen Artikelüber ,, Alexander den Großen, mit den Alexanderromanen und Alexanderliedern in denverschiedensten Sprachen wird man sehr dankbar sein.

Von der verheißenden Einbeziehung der Volkskunde ist einstweilen noch sehrwenig zu bemerken. Artikel wie ,, Allerheiligen" und ,, Allerseelen sind so wenig umfang-reich, daß sie kaum einem Nachschlagenden hilfreich sein werden. Bei derDurchmusterung der vielen Personennamen- also besonders Fürsten, aber auchGelehrte, Geistliche usw.- kommt zu Bewußtsein, daß man die Namen von Sagen-gestalten bisher offenbar nicht erfaßt hat. Wenn neun Persönlichkeiten namens ,, Albe-

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