Man sieht, das Tätigkeitselement ,, Ausschneiden“ umfaßt recht verschiedene Mög-lichkeiten, die sich in ganz unterschiedlichen Resten niedergeschlagen haben. SigridMetken hat alle ihre Einzelthemen nach bestem Wissen und mit Heranziehung vieler Lite-ratur behandelt. Besonders erfreulich erscheint mir die Einbeziehung und Auswertungvon vielen Stellen aus der Literatur, nicht zuletzt aus der nicht sehr geläufigen Memoiren-literatur, aus Goethe und Jean Paul wie aus Gottfried Keller und Gerhard von Kügelgen,und vielen anderen, bis zur Gegenwart. Das zeigt, wie sehr diese oft bald unansehnlichgewordenen ausgeschnittenen Spielsachen bei den Kindern lebten, nicht selten auch beiErwachsenen mit einem kindselig gebliebenen Herzen. Ein reiches Buch also, das mannicht nur zum Nachschlagen heranziehen wird, obwohl man auch dies dank der vielen Lite-raturangaben, der köstlichen Abbildungen und der guten Register wegen durchaus wirdtun können.
Leopold Schmidt
JOHANNES JUST, Das Museum für Volkskunst Dresden. 128 Seiten,VIII Farbtafeln und 100 Schwarzweißabbildungen. Dresden( 1976). StaatlicheKunstsammlungen.
Das Sächsische Volkskunstmuseum, die Gründung von Oskar Seyffert, ist ein Jahrjünger als unser Museum in Wien. Es ist ähnlich wie dieses auf privater, vereinsmäßigerBasis aufgebaut und ist allmählich in Staatsbesitz übergegangen. Es ist lange Zeit dasbedeutendste Volkskunstmuseum in seinem Bereich gewesen. Seine Unterbringung imehemaligen ,, Jägerhof“ in Dresden- Neustadt hat sich immer als Glücksfall erwiesen. Ob-wohl das Gebäude weitgehend durch Bomben zerstört wurde, ist sein fest gewölbterErdgeschoßteil erhalten geblieben, auf ihm konnte dann wieder aufgebaut werden. Diewährend des Krieges ausgelagerten Bestände waren glücklicherweise unversehrt geblie-ben, und konnten ab 1950 immer vermehrt und mehr gepflegt wieder aufgestellt werden.In der Nachkriegszeit haben sich zunächst Reinhold Langer und nach dessen Tod 1957Manfred Bachmann um die Leitung verdient gemacht.
Der vorliegende Bildband umfaßt 100 Objekte, die auch alle abgebildet sind. Es sinddie charakteristischen Teilgebiete der sächsischen Volkskunst erfaßt, von figuralenBienenstöcken bis zu Weihnachtspyramiden, von Schaubergwerken bis zu Räucher-männchen, dazu viele bemalte Möbel, Trachtenstücke, Stickereien, Blaudrucke und nichtzuletzt gute Hafnerkeramik. Man kennt die Stücke größtenteils aus den Veröffentlichun-gen von Seyffert, von Adolf Spamer besonders, aber auch von den jeweiligen Museums-leitern, die sich um ihre Bestände stets sehr angenommen haben. Die in Dresden gepflegte,, Volkskunstpflege“ bedingt, daß auch so manches Stück der gegenwärtigen Herstellungabgebildet erscheint, das nicht oder nicht mehr in der betreffenden Tradition steht. Aberim ganzen wird man den Bildband sehr begrüßen, der Geschichte und gegenwärtigeArbeit des Museums knapp aber einprägsam darstellt.
Leopold Schmidt
RHEINISCHES JAHRBUCH FÜR VOLKSKUNDE. Begründet von Karl Meisen.Herausgegeben von H. L. Cox. 22. Jahrgang, 2. Halbband. GemeindeRegion. Zusammengestellt und redigiert von Max Matter. 316 Seiten. Bonn1978, Ferd. Dümmlers Verlag. DM 32,-
Gewohnheitsmäßig weisen wir auf den neuesten Band des nunmehr wieder erschie-nenden ,, Rheinischen Jahrbuches für Volkskunde" hin, obwohl uns auch dieser Halbbandja weder ,, rheinisch" vorkommt, noch auch der„ Volkskunde" zugewandt. Die entspre-chend der Deutschen Volkskundetagung von 1977 dem Thema„, Gemeinde im Wandel"gewidmeten Beiträge lassen sich nicht als Versuch einer„, volkskundlichen Gemeinde-forschung" erkennen. Es sind achtenswerte Versuche sicherlich, über demographischeund soziologische Fragen hinauszukommen, aber ich kann leider fast bei keinem Beitragfeststellen, daß er etwas mit Volkskunde zu tun hat.
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