VIKTOR HERBERT PÖTTLER, Führer durch das ÖsterreichischeFreilichtmuseum. 3. erweiterte Auflage(= Schriften und Führer desÖsterreichischen Freilichtmuseums Stübing bei Graz ,, Nd. 5), 224 Seiten mit zahl-reichen Abb.( Photos und Zeichnungen) und einem Faltplan der Anlage. Stübingbei Graz 1978.
Das Freilichtmuseum im Stübinggraben entwickelt sich unter Pöttlers zielbewußterFührung immer gut weiter. Literarische Zeugnisse dafür sind die Berichte über die Jahres-hauptversammlungen, von denen der über 1977 nunmehr vorliegt( Großformat, 57 Seitenvervielfältigt), mit einem ausführlichen, von guten Zeichnungen unterstützten Jahres-bericht Hofrat Pöttlers.
Nur knapp danach ist aber auch die nunmehr schon dritte Auflage des ,, Führers"durch das Museum erschienen, wieder erfreulich vermehrt und auf den letzten Standgebracht. Eine sehr beachtliche„ Einführung“ Pöttlers bezeugt, wie wohlbegründet undernsthaft er sein Untenehmen sieht und das Weiterwachstum fördert, wobei den verschie-denen Problemen vor allem der Erhaltung der Objekte und ihrer wichtigen, auchästhetisch ansprechenden Darbietung wichtige Überlegungen gewidmet werden. Die Dar-stellung von Objektgruppen selbst ist wieder von vorzüglichen Photos und Zeichnungenunterstützt: Architekturzeichnungen von Klaus Schuster, Planzeichnungen von Doris E.Zauner, Inventarzeichnungen ebenfalls von Doris E. Zauner, Ilse Schachinger und Bar-bara Gagenauer. Die Grundrisse stammen von Werner Schiestl und den genannten Zeich-nern Schuster, Zauner und Schachinger. Sie sind anschaulich und erfreulich, ein wahresMuster für die Vermittlung eines Wissens, das beispielsweise Studenten der Volkskundeschon als ,, Maturawissen" mitbringen sollten. Zu unserem besonderen Vergnügen ist nunauch die seinerzeit von uns angeregte Erklärung der Fachausdrücke geschaffen worden,unter dem wohlbekannten Obertitel ,, Wörter und Sachen". Dieses Wörterverzeichnis istvielseitig und versucht vor allem, anschaulich zu sein. Sprachlich, mundartkundlich könntees wohl noch gefeilt und ergänzt werden. Der Nichtgermanist kann beispielsweise bei„ Pirl“( S. 208), also dem„, beim Kärntner Ringhof im Obergeschoß eines Blochstadlsrundumlaufenden und mit Brettern verschalten Trockengang" nicht wissen, daß das Wortzu ,, Bühne“ gehört, und derartige Ausdrücke seit dem Mittelalter für verschiedene Bau-teile verwendet werden. Hinweise auf die umgangsprachlichen Gleichstücke zu den mund-artlichen Spezialausdrücken wären vielfach erforderlich und würden vor allem für diezahlreichen Besucher des Freilichtmuseums, die nicht aus dem bayerisch- österreichischenRaum kommen, nützlich sein. Eingewurzelte Spezialdeutungen der Bauernhausforschungsollten überdacht werden. ,, Gredn"( S. 199) kommt durchaus nicht direkt von lat. gradus,wie die Klammerbemerkung glauben macht, sondern aus dem Mittelhochdeutschen.
Es ist selbstverständlich, daß die kritische Durchmusterung dieser„ Wörter undSachen das Wörterverzeichnis künftig noch etwas umfangreicher machen würde. Aberdieser ,, Führer" verkauft sich doch, wie die Neuauflagen zeigen, immer wieder gut, und sowäre vielleicht auch dieser kleine Mehraufwand an Arbeit und Geld noch zu bewältigen.Das schöne Buch verdient es durchaus, immer noch besser gestaltet zu werden.
Leopold Schmidt
Wien
JAGD EINST UND JETZT. Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung1978. Katalogbearbeitung von Gerhard Winkler. Schloß Marchegg1978. 468 Seiten, 54 Farbtafeln, zahlreiche Schwarzweißabbildungen.
Der umfangreiche Katalog der Niederösterreichischen Jagdausstellung 1978 stelltmit seinem Abhandlungsteil und dem Katalog der 745 Schauobjekte geradezu ein Hand-buch der Jagdkunde dar. Der Ausstellungskatalog wie die Beiträge sind sehr umfassend,größtenteils von vorzüglichen Fachleuten verfaßt, leserlich geschrieben und vorzüglichillustriert. Von der„, Urzeitlichen Jagd" bis zur„, Wirtschaftlichen Bedeutung“ der Jagdin Österreich heute kann man sich da orientieren. Erfreulicherweise ist auch hier wie nunschon bei vielen wichtigen Ausstellungen die Volkskunde herangezogen worden, nicht nur
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