Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
Einzelbild herunterladen
 

Literatur der Volkskunde

MUSEUM UND KULTURGESCHICHTE · FESTSCHRIFT FÜR WILHELMHANSEN. Herausgegeben von Martha Bringemeier, Paul Pieper,Bruno Schier, Günther Wiegelmann, in Verbindung mit dem Landesver-band Lippe(= Schriften der Volkskundlichen Kommission für Westfalen, Bd. 25)Münster 1978, Verlag Aschendorff. Großoktav, 415 Seiten mit Porträt und zahl-reichen Abbildungen.

Wilhelm Hansen, geborener Berliner, am Atlas der deutschen Volkskunde geschult,hat nach dem Zweiten Weltkrieg in Detmold ein ganzes Lebenswerk erstellt: Vom Mit-arbeiter am dortigen Museum zum Direktor, als der er 1976 ausschied, nachdem er demLandesmuseum einen ganzen großen Trakt Volkskunde anfügen konnte. Die vorliegendeFestschrift würdigt mit vollen schönen Beiträgen den Mann und sein Werk, wie PaulPieper aus Münster einleitend über ihn schreibt, als Mann ,, zwischen Museum und For-schung". Günther Engelbertzeichnet dann den, Weiten Weg ins eigene Haus", alsodie Stationen des Lippischen Landesmuseums nach, und Karl- Alexander Hellfaierberichtet über ,, Die Lippische Landesbibliothek und das Lippische Landesmuseum alsForschungsstätten, ein mit genauen Literaturangaben angereicherter Überblick.

Nach den örtlichen Beiträgen folgen die der Kollegen im weiteren Umkreis. HolgerRasmussen schreibt ,, Zur Geschichte der nordischen volkskundlichen Museen". JosefSchepers steuert hausbaukundliche Erkenntnisse über den, lippischen Meierhof imWestfälischen Freilichtmuseum bäuerlicher Kulturdenkmale in Detmold" bei. Seinegenauen Zeichnungen und Aufnahmen sind wie immer die besondere Freude des Haus-forschers. Aber man geht auch in die zeitliche Tiefe, Friedrich Hochenschwertbe-richtet über die, Fundamentgrabung auf dem Kuhlhof in Kohlstädt( Lippe)" als Beitragzur mittelalterlichen Hausforschung. Ivan Balassa berichtet über ,, IkonographischeQuellen der Arbeitsgeräteforschung" und nimmt damit ein von unserer Seite her langegepflegtes Thema wieder auf. Näher zur Museumsarbeit steht der Beitrag von HinrichSiuts ,, Probleme der Darstellung und Erforschung einer vergangenen bäuerlichen undhandwerklichen Arbeitswelt" mit Bezugnahme auf die kartenmäßige Festlegung von be-stimmten Erscheinungen, übrigens mit manchen Skrupeln über die manchmal zu groß-flächige Erfassung. Das bezieht sich auch auf Arbeiten Günther Wiegelmanns, dernun selbst mit seinem Beitrag Zur Geschichte der Kornfege in Mitteleuropa" zu Wortkommt. Es ergibt sich dabei, daß diese Windmaschinen schon im 17. Jahrhundert in Öster-reich verwendet wurden, und nicht erst, wie Paul Leser einst vermutet hatte, im 18. Jahr-hundert aus Ostasien eingeführt worden sind. Karl Haiding hat Wiegelmann zusätzlichwertvolles Material geliefert, das freilich nichts zu der neuen Hypothese beiträgt, dieJesuiten hätten die Windmaschine einst aus Ostasien bei uns eingeführt. Es wird auch dasnicht stimmen. Wiegelmann stellt in dem Zusammenhang sehr vernünftige Fragen an dieweitere Forschung die vielleicht doch auch von den Technischen und den Landwirtschafts-museen aufgegriffen werden sollte.

Günther Wiegelmann kann sich in seiner Arbeit mehrfach auf Gösta Berg stützen,und dieser hochverdiente schwedische Forscher hat seinerseits einen Beitrag Die Teig-breche" als altertümliches Bäckerwerkzeug beigestellt. Das Gerät hat es mindestens seitdem 15. Jahrhundert anscheinend in halb Europa gegeben. Berg arbeitet viel mit gutenalten Bildzeugnissen. Eine spezielle Gruppe davon hat sich Gerda Schmitz heraus-gegriffen, die über Darstellungen zur Flachsverarbeitung auf schlesischen Glaspokalendes 18. Jahrhunderts" schreibt. Ein köstliches Spezialkapitel, das offenbar mit der so

279