die Deckel übertragen konnte. Diese Vervielfältigungstechnik entzog die Bierkrugdeckeldem Blickfeld der Volkskunst. Da Volkskundemuseen ihre Objekte aber primär nachfunktionellen Gesichtspunkten auswählen, konnte eine große Sammlung erworbenwerden, von der nun 153 Stück mit jagdlicher Thematik gezeigt werden. Nach dem Mottoder Ausstellung wurden sie in zwei Gruppen gegliedert: Auf der einen erscheint der Jägerals Naturbursch im Gebirge mit den dazupassenden Gstanzeln, beim Anstand, mit seinerStrecke und beim Liebeswerben. Hierher gehören auch die Jägerspottbilder, die mit denBildwitzen in Zusammenhang stehen und vor allem die Sonntagsjäger und ihr jagdlichesMiẞgeschick aufs Korn nehmen. Die andere Gruppe wird von röhrenden und kämpfendenHirschen beherrscht.
Diese volkstümliche Bilderwelt findet nur noch beim Rauchzeug, das zum Imagejedes Jägers gehört, eine adäquate Entsprechung. Die reliefartig beschnitzten Pfeifen-köpfe aus Buchsbaumholz und die gravierten Schnupftabaksdosen aus Horn bevorzugennämlich ebenso Darstellungen von der Jagd.
Die Ausstellung liefert damit ein Beispiel, mit welch unerschöpflicher Variations-breite hinsichtlich Material, Technik und Form das Thema Jagd und Jäger in der Volks-kunst behandelt werden kann. Man muß sich dabei aber immer wieder vor Augen führen,daß die Erzeugnisse das Produkt bestimmter sozio- kultureller Gegebenheiten darstellen,ohne deren Nachvollzug Volkskunst unverständlich bleibt.Literaturhinweise( kleine Auswahl):
Werner Galler, Jagd in der Volkskunst. Jagd einst und jetzt. NÖ. Landesausstellung,Schloß Marchegg, 1978, S. 85-89.
Karl Haiding, Schwammkränze als Schmuck des heimkehrenden Almviehs. Volks-kunde und Volkskultur. Festschrift f. R. Wolfram, hg. v. H. Fielhauer, Wien 1968,S. 101-106.
Helmut Nemec, Tier und Jagd in der Volkskunst, Wien 1974.
Carl Reiterer, Kuhglockzeuge des Museums für österreichische Volkskunde. Zs. f.Österr. Volkskunde.
Leopold Schmidt, Volkskunst in Österreich, Wien 1966.
Derselbe, Die Jagd in der österreichischen Volkskunst. Österr. Weidwerk, Ill. Monats-hefte f. Jagd, Fischerei und Naturschutz, Wien 1963, S. 101-106.
Derselbe, Die Jagd in der österreichischen Volkskunst. Jagd in Österreich, Wien 1964,S. 442-451.
Derselbe, Bierkrugdeckel- ernst bis heiter. Volkstümliche Motive in der Porzellan-malerei des 19. Jahrhunderts. Jahresgabe der Österr. Stickstoffwerke für 1970,Linz 1970.
Emil Mück t
Am 16. August 1978 ist Postoberkontrollor i. R. Emil Mück( Micka) im 85. Lebens-jahr in Marchegg gestorben. Mit ihm hat das Marchfeld einen vorzüglichen Kenner dieserseiner Heimatlandschaft verloren, der sich mit dem Land im Winkel zwischen March undDonau von den verschiedensten Seiten her befaßt hat, und der durch unseren Verein auchder Volkskunde nahestand. Er hat sich an den Vereinsveranstaltungen beteiligt und denVerein geführt, sobald dieser auf einer Exkursion wieder nach Marchegg kam. Einerweiteren Öffentlichkeit ist der bescheidene Privatforscher durch sein verhältnismäßigumfangreich angelegtes Unternehmen einer„, Geschichte von Marchegg" bekannt gewor-den, die von 1959 an in Lieferungen( im Verlag Emil Brentano in Gänserndorf) erschien.Im ganzen sind, unserer bibliographischen Kenntnis nach, acht von den geplanten zehnLieferungen erschienen, die durchwegs auch auf die gegebenen volkskundlichen StoffeBezug nahmen. Rein fachlich ist das Heft Mücks ,, Sagen und Überlieferungen aus March-egg und Umgebung" am wichtigsten geworden, das 34 Seiten stark im Jahr 1958 inGänserndorf erschienen ist. Eine wichtige, ortskundige Nachlese zu den größten nieder-Österreichischen Sagensammlungen. Wir werden dem vorzüglichen landschaftlichenKenner Emil Mück ein ehrendes Angedenken bewahren, und den stets bescheidenen,liebenswürdigen Menschen dankbar in Erinnerung behalten.
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Leopold Schmidt