Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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Chronik der Volkskunde

Jagd und Jäger in der VolkskunstEine Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde

Von Franz J. Grieshofer

Das Jahr 1978 stand mehrfach unter dem Thema Jagd. Den Reigen eröffnete dieWiener Internationale Frühjahrsmesse mit einer künstlerisch orientierten Sonderschau.Nachhaltiger prägte sich die mehrere Monate dauernde umfangreiche kulturgeschichtlicheAusstellung des Landes Niederösterreich in Marchegg über die ,, Jagd einst und jetzt" ein,zu der auch ein schöner Katalog erschien. Für beide Ausstellungen hatte das Österreichi-sche Museum für Volkskunde durch die Bereitstellung von Objekten nicht unwesentlichbeigetragen. Es lag daher nahe, diese Objekte, ehe sie wieder im Depot verwahrt würden,auch im eigenen Museum in der Laudongasse zu zeigen und sie aus dem reichen Samm-lungsbestand zu einer Sonderausstellung spezifischer Art zu erweitern.

Dieses Vorhaben traf nun mit einem günstigen Umstand zusammen. Die Museums-leitung hatte nämlich im Erdgeschoß mehrere Räume adaptieren und mit museums-technischen Einrichtungen ausstatten lassen. Die Ausstellung konnte damit in einemneuen, ansprechenden Rahmen präsentiert werden, der in Hinkunft für Wechselausstel-lungen genützt werden soll.

Eine volkskundliche Ausstellung zum Thema Jagd erfolgt zwangsläufig unter einemspeziellen Gesichtspunkt. Nicht die Jagdausrüstung, von der das Museum natürlich eineAuswahl zeigen kann, steht im Mittelpunkt des Interesses, sondern ihre formale Gestal-tung. Jagdtaschen, Pulverhörner, Jagdbestecke oder Ausweider dienen nämlich nicht nurfunktionalen Ansprüchen, sondern werden selbst zu Bildnisträgern. Der etwa auf dieJagdtasche applizierte oder eingepreßte Jäger, der nach einem springenden Hirschen zielt,verweist über den rein künstlerischen Gehalt in eine symbolische Dimension. Es scheintdoch wohl so, als wollte man mit dieser Darstellung das Jagdglück beschwören.

Das jagdliche Motiv bleibt jedoch nicht auf die Ausrüstung beschränkt, sonderndurchdringt den gesamten Lebensbereich des Weidmannes. Diesem Umstand wird in derAusstellung mit der Andeutung einer Stube Rechnung getragen. Möbel mit Genreszenen,ein bemaltes Brautschaff, Scherenschnittbilder, insbesondere auch die verschiedenartiggestalteten Trophäen geben ausschnittsweise einen Einblick in die Vielfalt und Universa-lität weidmännischer Kultur.

Dabei gilt es zu bedenken, daß die Jagd lange Zeit ausschließlich das Vorrecht desHerrenstandes war, der seine Aufträge wenigen ausgesuchten Künstlern erteilte. DieVolkskunst hatte zu dieser Thematik aus gesellschaftlichen Gründen kaum Beziehung.Nur die Hafner setzten ihre seit dem Mittelalter überkommenen glasierten oder graphi-tierten Ofenkacheln auch in Bauernstuben und vermittelten auf diese Weise das Bild vomherrschaftlichen Jäger. Der springende Hirsch mit der Rübe oder dem Lebenskraut imÄser, der ebenso zur Darstellung kam, lag der Vorstellungswelt freilich wesentlich näher.Die Legende vom weidwunden Tier, das mit der heilenden Naturkraft den Tod über-windet, hatte für den Menschen des Mittelalters etwas sehr Tröstliches und ließ sich leichtals christliche Parabel deuten. Von daher mag man auch verstehen, daß die Volksmedizin,aber auch der Aberglaube in Form von Amuletten die Kräfte dieses edlen und flinkenTieres sich zu Nutze machte. Das moralisierende Bild vom Hirschen mit dem Kreuz bliebdagegen auf die gehobenen Schichten beschränkt, wovon die wenigen, aber qualitätsvollenObjekte zeugen.

Die Modelstecher bevorzugten für ihre Erzeugnisse jedenfalls das Motiv mit demspringenden, von Pfeilen getroffenen Hirschen, und auch die Krügelmacher malten es aufden weiß glasierten Grund der Schüsseln und auf die birnförmigen Majolikakrüge. Alsgegenständliche Paare oder in langen Reihen erwuchsen die Hirsche am Webstuhl aufBorten und prächtigen Decken, die durch Wanderhändler weite Verbreitung fanden. Auf

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