Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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Der hl. Wolfgang auf Wallfahrerzeichen

( Mit 30 Abbildungen)

Von Georg Wacha

Ampullen aus einer Zinn- Blei- Legierung waren im frühen Mittel-alter Erinnerungsstücke, die man aus dem Heiligen Land nach Europamitbrachte¹); auch die vielfach als Grabbeigaben vorkommenden Löffelaus Silber wollte man als Pilgerzeichen bezeichnen²). Im hohen Mittel-alter wurde aber die Pilgermuschel des hl. Jakobus zum Abzeichen desPilgers schlechthin³). Zunächst fanden die bei Santiago di Compostellaund den benachbarten atlantischen Küsten angetroffenen Schalen derdanach als, Pilgermuscheln, Pecten maximus( Linnaeus), bezeich-neten Muscheltiere als Wallfahrtszeichen Verwendung. Das zeigen z. B.Bestattungen des 12./13. Jahrhunderts neben der Kirche St. Dionysiusin Esslingen am Neckar, 4) wo die einfach durchbohrten Muschelschalenoffenbar auf der Bekleidung des Bestatteten festgenäht waren. Noch istnicht geklärt, ob es sich um Fremde handelte, die auf der Wallfahrt ver-storben waren, oder um Einheimische, die zur Erinnerung an die voll-brachte Pilgerfahrt sich dieses Symbol mit ins Grab geben ließen. DieMuschel des hl. Jakobus von Compostella, später auch in anderemMaterial nachgebildet, war das älteste Symbol der Pilger, die aus Buẞefür die Sünden, aus Sorge um ihr Seelenheil oder aus unstillbaremWandertrieb vielleicht wirkten auch alle diese Beweggründe zu-tausende Kilometer zurücklegten.

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1) Wolfgang Fritz Volbach- Jacqueline Lafontaine- Dosogne, Byzanzund der christliche Osten( Propyläen- Kunstgeschichte 3), Berlin 1968, S. 352 zuAbb. 393 a mit Hinweis auf A. Grabar, Les ampulles de Terre Sainte Monza- Bobbio,Paris 1858.

2) Harald von Petrikovits, Frühchristliche Silberlöffel, in: Corolla MemoriaeErich Swoboda dedicatae(= Römische Forschungen in Niederösterreich 5), Graz- Köln1966, S. 173 ff. zählt auch die von ihm abgelehnte- Andenken- Theorie auf.

3) B. W. Sprenger, Medieval pilgrim badges, in: Rotterdam papers 1, 1968,S. 173 ff. war mir nicht zugänglich. Vgl. Günter P. Fehring, Der Beitrag der Archäolo-gie zum ,, Leben in der Stadt des späten Mittelalters",(= Veröffentlichungen des Institutsfür mittelalterliche Realienkunde Nr. 2, Sitzungsberichte der phil.- hist. Klasse der Öster-reichischen Akademie der Wissenschaften 325), Wien 1977, S. 24.

Günter P. Fehring, Die Ausgrabungen in der Stadtkirche St. Dionysius zuEsslingen am Neckar,( Zeitschrift des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft 19, 1965,S. 16 und Abb. 12).

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