des Buches stellt der Hauptabschnitt„ Die Heilkunst im Spiegel der Votivmalerei"dar, wo von„ Christus als Arzt und Apotheker" bis zur„ Heilung durch denGlauben" alles vorgeführt wird, was der Medizinhistoriker an den Votivtafelnablesen kann: Die Darstellungen von Geburt und Wochenstube ebenso wie Zei-chen der Wassersucht, Belege für Harnsteine, für Gicht, Zahnweh, Brustkrank-heiten aber auch Nasenbluten und Augenleiden, Parasiten, Wahnsinn und dazu-gestellt Besessenheit, schließlich Operationen, Pestilenzen, Gefahren im bäuer-lichen Alltag, aber auch Überfall, Tortur, Krieg und Tod, die zum Teil nichtoder nicht nur den Medizinhistoriker interessieren. Manchmal hätte man ver-mutlich anders eingeteilt, die„ Pestilenzen" etwa weiter nach vorn gezogen, denAbschnitt„ Der Mensch und die Naturgewalten" anderen Darstellern überlassenusw. Aber das großartige Bildmaterial wollte eben dargeboten werden, und eswird sicherlich auch den bleibenden Wert dieses Bandes darstellen.
Bei dieser Fülle der Bilder nimmt es nicht wunder, wenn ab und zu einekleine ikonographische Fehlzuweisung erfolgt. Anderseits könnte man manchesBild kulturhistorisch genauer bestimmen als es in Text und Bildbeschriftung er-folgt. So wird die Bauernwohnhausforschung doch etwa besonderes Interessefür ein Bild von Maria Brünndl bei Landshut in Niederbayern( S. 111) bezeugen,auf dem nicht nur das Erbrechen von Fröschen durch die Dienstmagd Reginadargestellt ist, sondern sehr lebensvoll das Halten von Hühnern in eigenen Stei-gen neben dem Kachelofen. Man wird beim Durchstudieren des wertvollen Ban-des noch auf manche andere Darstellung stoßen, die man sich selber weiterkommentieren muß. Aber das ist alles unerheblich, wenn man den Gewinn be-denkt, den wir alle durch diese vorzügliche Bilddarbietung dankbar annehmendürfen.Leopold Schmidt
Alois Wolf, Aus alten Stuben und Kammern. Großoktav, 136 Sei-ten, mit zahlreichen, zum Teil auch farbigen Abbildungen. München 1977,Süddeutscher Verlag. DM 48,-.
Der Titel des schönen, großformatigen Buches sagt nicht, daß es sich umdie Darstellung der Volkskunst in Holz, vor allem der Möbel aus einem ganzkleinen Gebiet, nämlich Schliersee und seinem Umkreis in Oberbayern handelt.Gewiß spielt dieses Gebiet zwischen Wendelstein und Tegernsee für Altbayernund seine aufwendige Volkskultur eine ganz besondere Rolle, aber die räum-liche Begrenztheit, die stellenweise zu einem Bildkatalog des Schlierseer Heimat-museums wird, hätte doch von vornherein kenntlich gemacht gehört.
Der Leiter dieses Heimatmuseums Schliersee, Alois Wolf, hat im Lauf derletzten zwanzig Jahre die Volkskunst in seinem engsten Bereich sehr genau er-kundet, den Bestand nicht nur in seinem Museum, sondern auch im Privatbesitzkennengelernt, und berichtet nach einer allgemeinen landschafts- und volks-kunstgeschichtlichen Einleitung über die Einzelglieder, von der Stube und ihremOfen über die Tische, Stühle, Uhrkasten, Truhen, Kasten und Betten bis zu denbemalten Türen und ähnlichen für die Landschaft vor allem im Rokoko wesent-lichen Einzelheiten. Einzelprobleme wie die Blumenvase in der Faßmalerei oderdie Namenszüge auf den Rahmen und Füllungen der Kasten, oder auch die ge-wölbten Aufsätze der Betten finden jeweils ihre liebevolle Darstellung. Beson-derer Wert wird mit Recht auf die einzelnen namentlich bekannten Tischler-maler in Schliersee, im Leitzachtal und in Nachbargebieten gelegt, wobei derseit langem schon gewürdigte Anton Perthaler aus Degerndorf bei Brannenburgim Inntal mit Recht noch einmal hervorgehoben wird. Die knappen, aber gegen-ständlich reichen Ausführungen werden von sehr vielen Abbildungen unterstützt,wobei die farbigen zur genaueren Kenntnis der ländlichen bayerischen Möbel-malerei im Rokoko besonders viel hergeben.
235