Raimund Schuster, Risse zu Hinterglasbildern aus dem 18. und19. Jahrhundert. Mit einem Vorwort von Gislind M. Ritz. Groß-format 160 Seiten, 16 fünffarbige, 56 dreifarbige ganzseitige Risse und16 einfarbige Abb. im Text. Rosenheim, 1978, Rosenheimer VerlagshausAlfred Förg. DM 49,80.
Raimund Schuster hat sich schon durch mehrere schöne Bücher als derErforscher der Hinterglasmalerei im Bayerischen Wald ausgewiesen. Nunmehrlegt er die von ihm gefundenen Vorzeichnungen von Schönstein vor, was auf diedrei Werkstätten von Winklarn in der Oberpfalz, von Raimundsreuth und vonSchönstein zurückgeht, wo sie Josef Wüstner zwischen 1835 und 1870 verwen-dete. Der Bestand ist nicht allzu groß, aber sehr bezeichnend, sowohl was dieMotive wie was die Zeichentechnik betrifft. Das Buch bringt eine schöne Aus-wahl aus den ungefähr 400 Blättern und stellt die Vorzeichnungen zum Teilden ausgeführten Bildern gegenüber, und ebenso einige Risse zu den offenbar alsVorlage verwendeten Andachtsbildern aus dem späteren 19. Jahrhundert.
Der Motivforscher wird von den Kreuzwegstationen bis zur hl. Theklagenug an bezeichnenden Hauspatronen finden. Manche Vorzeichnungen be-kunden die Bekanntheit recht seltener Motive so etwa( 118) des hl. Englmar,oder( 74) das„ Geheime Leiden Christi", also Christus auf dem Dreikant. Eben-falls selten ist die hl. Kunigunde( 52), die auf den Einfluß von Bamberg herverweist. Ein ausgeführtes Hinterglasbild mit der gleichen Heiligen besitzt dasMuseum von Deggendorf( 54). Wenn man Freude an der schlichten zeichneri-schen Gestaltung hat, wird man vermutlich die Rißzeichnung mehr schätzen alsdas danach ausgeführte Hinterglasbild.
Ein Wort zu den vortrefflich wiedergegebenen Zeichnungen: Man kann esverstehen, daß man die Blätter im Offset so abdruckt, wie man sie im ErbeWüstners vorgefunden hat. Aber für die zukünftige Archivierung sollte man viel-leicht doch einen Papierrestaurator heranziehen; ein Zustand wie der des Blat-tes 64 müßte nicht beibehalten werden.Leopold Schmidt
Wilhelm Theopold, Votivmalerei und Medizin. Kulturgeschichteund Heilkunst im Spiegel der Votivmalerei. Großformat 172 Seiten, 66 ganz-seitige Farbtafeln und 129 ein- und mehrfarbige Textabb. München 1977,Verlag Karl Thiemig. DM 120,--.
Seit sich die Volkskunde mit den Votivgaben und den Votivbildern beschäf-tigt, haben sich auch Nachbardisziplinen dafür interessiert. Die Medizingeschichtevor allem, und so manche Votivtafel hängt denn auch in der Privatsammlungeines volkskundlich interessierten Arztes.
Besonderes Interesse an dem Gebiet hat seit Jahren der Direktor der Kin-derklinik am Städtischen Krankenhaus in Frankfurt- Höchst, Prof. Dr. Theopoldan den Tag gelegt. Die ausgereifte Frucht seiner Studien legt er nun in diesemgroßen, schönen und freilich auch teuren Band vor. Die Bibliographie erweist,wie sich der Mediziner Theopold in die volkskundliche Literatur eingelesen hat.die ja vielfach sein Wegweiser zu den einzelnen Gnadenstätten war, an denener die ihn interessierenden Votivbilder photographiert hat.
Mit dem geschlossenen Buch bemüht sich Theopold um eine verständlicheDarstellung des Ursprunges der Votivbilder, schildert die Eigenarten der Votiv-malerei, wobei es zum Teil um die volksgläubigen Motive geht, also etwa um dieGebärmutterkröte. Dann folgt eine Übersicht über die ältesten erhaltenen deut-schen Votivtafeln und über deren italienische Gegenstücke, sowie über die gewißnicht zu übersehenden modernen, das heißt ungefähr der Gegenwart angehören-den Votivbilder. Von diesen Dingen war und ist von Richard Andree bis LenzKriss- Rettenbeck und Klaus Beitl genügend die Rede gewesen. Das Besondere
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