sie sich eben als solche erfassen läßt. Da müssen unbekanntere Erscheinungenwie die frühen bildlichen Weihnachtsdarstellungen ebenso wie die bekannteren,nämlich die Weihnachtsspiele der Jesuiten herangezogen werden, mit denen sichLeopold Kretzenbacher einstmals so intensiv beschäftigt hat. Man kann offen-bar von Krippen in Kärnten vor dem 17. Jahrhundert nicht sprechen, und auchvon diesen eventuell archivalisch bezeugten hat sich nichts Gegenständlicheserhalten. Mit dem steigenden 18. Jahrhundert nimmt der Bestand zu, und eineReihe guter Figuren, beispielsweise aus der Moser- Krippe in Malta wie aus derWallfahrt Maria Luggau sind doch erhalten geblieben und erweisen sich denFiguren gleicher Art in den Nachbarlandschaften durchaus ebenbürtig. GemalteBretterkrippenfiguren, etwa aus der Pfarrkirche von Ossiach, weisen wohl aufTiroler Gegenstücke hin. Mit der Josephinischen Aufklärung ist wohl vieles vonder volksbarocken Pracht dahingegangen. Aber Ilse Koschier weist genau alldas noch nach, was im 19. Jahrhundert wieder zugewachsen ist. Da kommtdann nicht nur der vorzügliche Hans Gasser zur Geltung, sondern auch somancher einfachere Volkskünstler, wie der Johann Hauzendorfer aus Ober-vellach, der für die Oberkärntner Volkskunst der Mitte des 19. Jahrhundertsvon besonderer Bedeutung gewesen sein muß.
Das sehr klar gearbeitete Buch ist erfreulicherweise reich mit Abbildungenausgestattet, so daß die ganze mühevolle Krippendokumentation auch im Bildeüberprüft werden kann. Eine richtige Bereicherung unserer Krippenliteratur also.Leopold Schmidt
Heinrich Mehl, Fränkische Bildstöcke in Rhön und Grabfeld.Frommer Sinn und kulturelles Erbe(= Land und Leute. Veröffentlichun-gen zur Volkskunde, Hg. Wolfgang Brückner.) 136 Seiten, 172 Photos.Würzburg, 1978, Echter Verlag. DM 19,80.
Eine neue volkskundliche Schriftenreihe ist anzumelden: Wolfgang Brück-ner gibt im Echter- Verlag in Würzburg eine Reihe mit dem Riehlschen Obertitel,, Land und Leute" heraus. Als erster Band ist diese Bildstock- Veröffentlichungerschienen, deren Grundlage die Dissertation des Verfassers bildet. In Frankenist über die dortigen schönen Steinbildstöcke schon viel gearbeitet worden. DieBücher von Josef Dünninger haben das Gebiet mehrfach und intensiv aufbe-reitet, und seine Schüler und Mitarbeiter Dieter Harmening und Bernhard Schem-mel haben sich oft damit beschäftigt.
Heinrich Mehl ist ein vorzüglicher Kenner seiner speziellen„ Bildstock-landschaft". Er geht den verschiedenen Problemen also der Bedeutung des Stand-ortes etwa, dem„ Bild- Programm" und den Fragen des Ursprunges des Bild-stockes nach und erfaßt dann den geschichtlichen Ablauf, mit gehöriger Her-vorhebung des Barock, einschließlich der Nepomuk- Statuen, der Fluraltäre, derProzessions- und Kreuzwege usw. Als zentrales Motiv wird die Passion Christiherausgearbeitet, mit Betonung der für Franken so bezeichnenden„ Kreuz-schlepper"-Bildstöcke. Aber auch die marianischen Motive kommen nicht zukurz, ebenso die 14 Nothelfer, der Heiland in der Wies und so manche andere.Von der Seite der Stifter werden die Bildstöcke auch gesehen, mit Wappen, Sym-bolen, Kennzeichnungen der Stifter und eventuellen Stiftergemeinschaften. Undschließlich kommen auch die Werkstätten und Künstler, soweit erfaßbar, nochzur Geltung. Heinrich Mehl hat alle die besprochenen Bildstöcke selbst photo-graphiert, so daß das Buch einen sehr einheitlichen Eindruck macht. Die frän-kische, und nicht nur diese, Bildstockforschung hat also einen beachtlichen Ge-winn zu verzeichnen. Der geplanten Würzburger Schriftenreihe ist jedenfallsgutes weiteres Gelingen zu wünschen.Leopold Schmidt
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