Günther Binding, Udo Mainzer, Anita Wiedenau, Kleine Kunstge-schichte des deutschen Fachwerkbaus. Zweite, erweiterteund veränderte Auflage, Darmstadt 1977, Wissenschaftliche Buchgesell-schaft, 263 Seiten, über 163 Risse, 208 Tafeln mit Fotos.
Bei aller spürbaren Distanzhaltung zur volkskundlichen( Bauern-) Haus-forschung bietet dieses handliche und übersichtlich angelegte Buch auch für unseine nicht zu übersehende„ Hilfestellung" und sollte daher wenigstens kurz an-gezeigt werden. Sein Herausgeber kommt aus der Zentralstelle für Bürgerhaus-forschung aus der Universität zu Köln und leitet seit 1970 die bekannte Reihe,, Das deutsche Bürgerhaus".
Im vorliegenden Band geht es ihm und seinen Mitarbeitern um eine Zu-sammenfassung des immer schwerer zu überblickenden Sachgebietes städtischesFachwerk, das Binding besonders in dieser zweiten Auflage um die wichtigstenFundbereiche der Mittelalterarchäologie in Deutschland erweitert: Warendorf/Münster, Sindelfingen/ Böblingen ¹), Bad Windsheim und Uffenheim 2). Damitscheint sich wohl ein gut brauchbares Handbuch anzubieten, in welchem aufder Grundlage umfassender Reihen von Baudenkmälern, Einzelaufnahmen undeiniger wesentlicher Grabungsfunde ein tragfähiger Zeitraster der mittelalter-lichen Hausbauentwicklung zwischen ca. 600 und 1600 herausgearbeitet er-scheint.
Weiters findet man hier eine klare, wenn auch knappe Charakterisierungder vier großen binnendeutschen Formenkreise des alemannischen, fränkischen,niedersächsischen sowie auch des mittel- und ostdeutschen Fachwerkbaues, er-gänzt durch ein von Anita Wiedenau gearbeitetes Fachwörter- Glossar samt in-struktiven graphischen Übersichten der wichtigsten„ Holzverbindungen" sowiedurch ein Literaturverzeichnis. Spätestens hier stellt man dann auch den For-schungsanteil volkskundlicher Hausforschung fest, auch wenn es gelegentlichwie im Vorwort zum„ Glossar"( S. 215) ausdrücklich heißt:„ Aus der volks-kundlichen Hausforschung in die Terminologie eingeflossene, verschiedenartigelokale Benennungen sind nicht aufgenommen worden." Jedenfalls wäre geradedieses u. a. eine weitere Diskussionsgrundlage für ein hoffentlich einmal kom-mendes Terminologie- Gespräch auf dem Gesamtsektor Hausforschung, das frei-lich vorausschauend zugleich auch schon eine kontinental- europäische Basisfinden, d. h. seinen Standort im internationalen Bezugsfeld suchen wird müssen ³).Ergänzungs- oder verbesserungsbedürftig wäre da wohl einiges, besondersim Bereich der Dachgefüge. Wenn auch im Bestand der Fachwerkhäuser zwarnaturgemäß Sparrendächer überwiegen, so können andererseits die Pfettendach-konstruktionen doch nicht ganz zur Seite geschoben werden. Das soll kein Ein-wand etwa aus der Enge alpiner Grenzen sein, sondern das läßt sich vor alleman den bedeutenden und langjährigen Bemühungen englischer Archäologen undHausforscher nachdrücklich erhärten. Im übrigen seien in G. Binding's Buchnicht zuletzt auch noch die( vielfach von Ute Mechmann umgezeichneten) Auf-risse und Isometrien sowie die vortreffliche Ausstattung des Ganzen dankbarvermerkt.Oskar Moser, Graz
1) Hierzu sei noch besonders verwiesen auf den zusammenfassenden Be-richt von Barbara Scholkmann, Die obere Vorstadt in Sindelfingen, KreisBöblingen: Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen in einem mittel-alterlichen Stadtviertel.( Archäolog. Korrespondenzblatt des Römisch- Germani-schen Zentralmuseums Mainz 1973, Heft 1, S. 115-121[ Abb.].)
2) Erich Wieser- Bernd Becker, Die Entwicklung des spätmittel-alterlichen Säulenbaues in Bad Windsheim und Uffenheim.( Jb. d. Bayer. Denk-malpflege 29, München 1975, S. 35-78[ Abb.].)
3) In diesem Zusammenhang wäre zugleich auf das eben erschienene BuchJames Stevens Curl, English Architecture- An Illustrated Glossary, Davidand Charles London: North Pomfret( Vt) 1977, 191 pp., zu verweisen.
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