Musik, Klang und Lärm
Zur Ausstellung im Bezirksheimatmuseum
Spittal an der Drau
Wer hören kann, dem klingt der Ton, die Melodie, der Zusammenklangwohltuend im Ohr als Musik und schmerzhaft wirken Miẞton und der Lärm.Der Forschungsbereich darüber ist groß. Auch geschrieben wurde schon vieldazu. Von Zeit zu Zeit wird es jedoch notwendig sein, die Instrumente der Musiknicht nur zu erfassen, sondern vor allem wieder dem Volke zu zeigen, bevorsie durch die Musikmaschinen in die Vergessenheit gedrängt werden. Geradein der gegenwärtigen Situation der Volksmusik könnte es angebracht sein, Lärmund Klang nebeneinander zu stellen. Die Präsentation antiker und neuer Instru-mente in Form und Klang ohne Unterschied der volklichen Zugehörigkeit dürftenoch mehr das Schöne, Wohlklingende vom Rhythmisch- Lauten abheben lassen.
Nicht musikwissenschaftlich und auch nicht musikethnologisch gesondertsollen die Instrumente gezeigt werden, auch nicht, ob damit komponierte oderauswendig( eigentlich inwendig) gespielte Musik hervorgebracht werden kann,allein, zu Dritt, im Quartett oder als Kapelle, sondern das Musikinstrument als,, Werkzeug der Töne" durch die Kunst der Fertigkeit und des Gehörs zum Unter-schied von Lärm und mechanischen Musikwiedergaben.
Ideal zeigt sich dazu das Ensemble Musica Cludiforensis aus Klagenfurt,wie auch Gruppen der Musica antiqua, die alte Sätze in verschiedenen Besetzun-gen darbieten und im Konzert die Instrumente im wahrsten Sinne des Wortesdem Publikum vorstellen. Die Leihgaben der Privatsammler W. u. O. Fichtinger,Dr. G. Leute, Dr. M. Kundegraber, Dir. H. Schölm, Dir. O. Dorner, M. Hopf-gartner werden ergänzt aus Museumsbeständen.
Die Klangformen zu Bräuchen im Alltag, soweit sie nicht Signale, Rufe,Erkennungszeichen, Zeitdeutungen, Warnungen sind, sollen wohl vom Lärmund Miẞton unterscheiden, obwohl auch das Donnerrollen, Bachmurmeln, Mee-resrauschen und Brodeln von Menschenmassen wohl furchterregend, aber nicht,, ohrenbetäubend" sein braucht.
Daß manche Musikgeräte ganz verschwanden, wie das Alphorn im Gail-und Lesachtal durch das Aufhören der Käserei mit Schweizern ist ebenso be-greiflich, wie das Ausbleiben der Erzeugnisse sudetendeutscher Instrumenten-bauer aus Graslitz und Klingental.
Der„ Fotzhobel"( Mundharmonika), die„ Maultrommel"( Mundorgel) unddie„ Maunkn"( diatonische Knopfharmonika) sind nur mehr in Rückzugsgebie-ten zu finden, wie Okarina-, Hackbrett- und Zitherspieler. Die Laute wich derJazz- Gitarre, und die Schwegelflöte dem Saxophon. Nur die Blockflöte ist einVolksinstrument unserer Zeit. Sie gehört bei Feiern zur selbstverständlichen Re-präsentation. Das produzierende ist gegenüber dem konsumierenden Musizierenganz aus dem Gleichgewicht geraten. Selbst die Klanggeräte der Kleinkinder,die Schellen, Gefäßpfeiferln, Klappern und„ Tschalperlen", sind aus Plastik, da-her stumpf, während Hackbrett und Harfe ein optischer Aufputz für sogenannteHausmusikgruppen bei Heimatabenden sind.
Bilddokumente, Fotos und Handarbeiten, Wachs- und Porzellangebilde,Schnitzereien und Kleinkunstgegenstände mit Musikwerken( Spieluhren) ergän-zen die Anschaulichkeit der Exponate nach ihrer Herkunft, Verwendung undTradition.
Auch die ,, Musikkonserven" von der Schallplatte bis zum Tonband habenihre sehr interessante Geschichte im Zusammenhang mit Graphophonen, Poly-phonen, Grammophonen, Orchestronen, Drehorgeln und Spieldosen bis zu Radio,Magnetophon, Wullitzer- und Hammond- Orgeln.
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