Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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Beiträge zur Erforschung des Odenwaldes und seiner Randlandschaften. II. Fest-schrift für Hans H. Weber. Herausgegeben im Auftrag des Breuberg- Bun-des von Winfried Wackerfuß. 498 Seiten, mit zahlreichen Farbtafelnund Abb. Breuberg- Neustadt( D 6127). Im Selbstverlag des Breuberg-Bundes.

Vor kurzem war auf die gehaltvolle Festschrift für Gotthilde Güterbockhinzuweisen( ÖZV XXXI/ 80, S. 327 f.), die auch vom Breuberg- Bund als dermaßgeblichen Kulturvereinigung der Landschaft Bauland- Odenwald herausge-geben war. Hier liegt nun die Festschrift für Hans H. Weber, den Ersten Vor-sitzenden des Breuberg- Bundes vor, ein stattlicher Band. Er ist selbstverständlichden verschiedenen Einzeldisziplinen heimatkundlicher Art gewidmet, aber zuunserer Freude hat auch die Volkskunde einen gewissen Anteil daran. PeterAssion, der hier besonders in Betracht kommt, hat sich in diesem Fall mitder Geschichte der beiden Begriffsbildungen" nämlich der Landschaftsbezeich-nungen Odenwald" und Bauland" beschäftigt. Der Herausgeber der Fest-schrift, Winfried Wackerfuß, legt Ansichten und Skizzen Valentin Wag-ners aus der Zeit des 30- jährigen Krieges" für Rodenstein, Lichtenberg undDarmstadt vor, wobei die Fragen um die Rodensteiner Sage auch aufgenommenerscheinen. Ein spezielles Kapitel wird von Heinz Schmitt behandelt, näm-lich ,, Die Lebkuchenbäckerei ein Odenwälder Hausgewerbe". Und hier wiein manchen ähnlichen Fällen ergibt es sich, daß in so manchen Zeitungs- undRundfunkberichten immer wieder von einem letzten Lebzelter berichtet wird,und es sich dann bei genauerem Zusehen ergibt, daß doch immer wieder Nach-wuchs da ist und Lebzelter mit ihren nach alter Art gebackenen Lebkuchen aufMärkten, bei Volksfesten usw. durchaus guten Absatz erzielen. Ein bescheidenes,sachkundliches Thema, nämlich die Keller- und Beschwersteine" behandeltWerner Haas als Beitrag zur, bäuerlichen Vorratshaltung in früherer Zeit".Die Steinkreuzforscher, in dieser Gegend stets von Wichtigkeit, haben sich auchmit einem interessanten Beitrag eingestellt. Friedrich Karl Azzola und HeinzBormuth berichten über den Pflug als Zeichen bäuerlichen Standes aufSteinkreuzen und anderen Kleindenkmälern". Es sind verschiedene Formen, diesich in Gruppen gliedern lassen: Geräte ohne Sech, Geräte mit Sech, Gerätemit einem Radvorgestell( Pflugwagen) und Pflüge mit Gespann. Alle kurzbesprochenen Darstellungen sind auch in Bildern festgehalten.

Gotthilde Güterbock aber behandelt in einem ausführlichen, reichillustrierten Beitrag Die Odenwälder Schreiner- Maler- Sippe Baier und ihreWerke". Die tischlerisch sehr schlichten, in der Bemalung dagegen sehr auffäl-ligen Truhen und Kasten von den verschiedenen Mitgliedern der Tischler- Maler-Familie, die von der Verfasserin sogar stammbaumgemäß, also familiengeschicht-lich, verfolgt wurde, verdienen eine solche Bearbeitung durchaus. Sicherlich sinddie mit sehr schlicht gezeichneten, öfter noch verzeichneten Figürchen bemaltenMöbel ein landschaftlicher Sonderfall. Man muß sie sich aber doch zu den jewei-ligen Hochzeiten gewünscht haben, mit ihren Bäumchen und schnäbelnden Vö-geln, ihren gespenstisch anmutenden Eulen und ihren Paaren, Hochzeitsgesell-schaften und Musikanten. Die gerade in dieser Landschaft sehr städteferneBauernschaft hat in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts offenbar auf dieseMöbel Wert gelegt, sonst hätte man sie nicht in solcher Zahl hergestellt, und dieKäufer hätten sonst doch nicht sogar noch die offenbar in einer Periode geisti-ger Umnachtung von Franz Baier, dem Vöchelesmaler" verzierten Möbel er-worben. Einige Stücke weisen ja durchaus Merkmale der einst von Hans Prinz-horn entdeckten ,, Kunst der Geisteskranken" auf. Frau Güterbock hat dieseUmstände( S. 224 f.) durchaus nicht verschwiegen.

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