Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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Volkskunde- Sammlung des Oberösterreichischen Landesmuseums einschließlichder dort gezeigten köstlichen Karikier- Bilder zum Reiterspiel der Feudalgesell-schaft paẞt!) eine Ringreiter- Vorrichtung auf Schloß Prandegg Stich- Nr. 138( zwei Ständer Querseil und Ring als Stechziel dran; dazu Nr. 205, Schloß Wein-berg, Reitbahn und zur Übung einzeln anreitender Lanzenstecher vor diesemaufgehängten Zielrittring). Wird einmal zu den bisher vier vorliegenden Bändenauch ein fünfter, angekündigter kommen, dürfte es sich lohnen, solchen Einzel-heiten in der Darstellung dieses Geographen insgesamt nachzugehen, die not-wendigen Fragen nach Dokumentationswert und Konfrontation mit allenfallserschließbaren Lokalquellen zu stellen. Leopold Kretzenbacher

Ernst Heinrich Rehermann, Das Predigtexempel bei protestanti-schen Theologen des 16. und 17. Jahrhunderts(= Schrif-ten zur niederdeutschen Volkskunde, Bd. 8, X und 584 Seiten. Göttingen1977, Verlag Otto Schwartz& Co. DM 84,-.

Das Gebiet der Predigt und der in ihr verwendeten Geschichten aller Artwird von der Erzählforschung seit langem gepflegt. Zunächst, schon seit denBrüdern Grimm, selbstverständlich nur in Hinsicht auf die etwa auftretendenSagen- und Schwankstoffe. Dann aber auch der Eigenart der Predigtliteraturnach, wobei also das Vererben von solchen Stoffen durch Exempelbücher usw.immer wieder quellenmäßig zu überprüfen bleibt. Seit 1964 Elfriede Moser-Rath ihre ,, Predigtmärlein der Barockzeit" herausbrachte, ist auf diesem Gebietund nach diesem vorzüglichen Beispiel immer wieder gearbeitet worden. Bearbei-tete Moser- Rath vor allem süddeutsche katholische Prediger, so versuchte sichLeonhard Intorp an den Westfälischen Barockpredigten in volkskundlicherSicht", Münster 1964. Dann kamen die vielfältigen Studien der FrankfurterHain- und Brückner- Schule, die schließlich in dem von Wolfgang Brücknerherausgegebenem Band Volkserzählung und Reformation", Berlin 1974, ihrenAbschluß fanden.

Die norddeutschen protestantischen Prediger hat in jenen Jahren( 1964 bis1968) Ernst Heinrich Rehermann bearbeitet. Die bei Kurt Ranke gearbeiteteDissertation ist nunmehr als umfangreicher Band, mit vollem Belegmaterial,endlich erschienen, und man wird dafür sehr dankbar sein. Rehermann hat seinMaterial, die protestantischen Exempelsammlungen des 16. und 17. Jahrhundertssowie die Predigtsammlungen einiger protestantischer Prediger des gleichen Zeit-raumes sehr genau bearbeitet. Die bibliographischen Nachweise dieser Samm-lungen, ihrer Quellen und ihres Aufbaues sowie die biographischen Daten derbehandelten Exempelsammler und Prediger bilden den ersten Hauptteil derArbeit. Der ebenso umfangreiche zweite Hauptteil bildet den Materialteil", dernun das Exempelgut selbst darbietet. Die Anordnung erfolgt nach der Wichtig-keit, der Ergiebigkeit dieser Sammlungen von Caspar Titius bis zu HermannSamsonius und Paul Walther, der beispielsweise Neun Außerlesen und Wolge-gründete Hexen- Predigt" zu Riga 1626 hat erscheinen lassen. Dieser gewaltigeMaterialteil ist erfreulicherweise durch ein dreiteiliges Register aufgeschlüsselt,so daß man nun vor allem die Motive, welche in diesen Predigten und Exempel-sammlungen enthalten sind, leicht wird nachweisen können. Wer sich künftigetwa mit der Hand aus dem Grabe" beschäftigen will, wird nun eben in diesemRegister die Nummern 30 und 66 finden, und im Textteil( S. 312) auch die bis-herige Sekundärliteratur dazu nachgewiesen bekommen.

Eine ebenso fleißige wie nützliche Arbeit also, welche wie ihre Parallel- Ver-öffentlichungen bisher schon der weiteren Volkserzählforschung viel an Arbeits-aufwand ersparen wird.Leopold Schmidt

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