grad"( S. 66) hat sehr viel erbracht, auch an Liedgut. Eine persönliche Zeugindes mennonitischen Kulturlebens ist Lennart Nyman, von welcher der Auf-satz ,, Eine Mennonitin von der Wolga erzählt". Aus dem Baltikum dagegenstammen die Mitteilungen der„, Hirschenhöferin", welche Alfred Cammannaufgenommen hat. Es handelt sich um Frau Valide Schechheimer aus Hirschen-hof, einer deutschen Siedlung in Lettland. Das ganze Schicksal des Streu-deutschtums in Osteuropa kommt in diesen Aufzeichnungen zur Geltung; bemer-kenswert auch die Bemühungen der Siedler mit den lettischen Bauern, in jener,, Kontaktlandschaft", die man zumindest in friedlichen Zeiten dort wohl er-leben konnte.
Dann einige Beiträge aus den Sudetenländern. Bruno Schier beschäf-tigt sich in einer sprachwissenschaftlich genauen Arbeit mit„ Ortsnamen alsQuellen der historischen Volkskunde in der deutsch- slawischen Kontaktzone".Dann folgt die sehr eingehende Studie von Gottfried Habenicht über denEgerländer Dudelsack, mit Bildern und Maßzeichnungen sowie Spielweisen. Ingewissem Sinn gehört auch die Arbeit von Wolfgang Suppan über den„ An-teil ostdeutscher Musiker am Neuaufbau des Blasmusikwesens in der Bundes-republik Deutschland" hierher. Von der zu früh verstorbenen Hertha Wolf-Beranek sind drei kleinere Arbeiten aufgenommen. Zunächst eine über dieStroh- und Bastflechterei sowie Bastweberei, als besonderen Hausindustriezweigin den Sudetenländern; dann über das„ Tappenfangen im Sudetenland”, alsojenem Jägerscherz, der in Bayern„ Greißenfangen" heißt, und mit den„ Wol-pertingern" kürzlich wieder„ folkloristisch" bekannt geworden ist; und schlieẞ-lich berichtet Frau Wolf- Beranek wieder über ein Kapitel ihrer Atlas- Arbeit,nämlich über„ Gabenbringer in der Weihnachtszeit in den Sudetenländern",wobei sich besonders viele Parallelerscheinungen zu österreichischen Landschaf-ten ergeben.
Das Deutschtum im Südosten kommt mit dem Beitrag von Rudolf Hart-mann über„ Die donauschwäbische Siedlung Badarski Geran in Bulgarien undihr Christkindlspiel" zur Geltung. Das Christkindlspiel stammte aus dem Banat,und wurde von Hartmann einmal 1934 und dann wieder 1976/77 aufgezeichnet.Und zu den Arbeiten aus dem Südosten paẞt schließlich auch das Geburtstags-gedenken ,, Johannes Künzig zum 80. Geburtstag" von Waltraud Werner-Künzig. Denn Künzig hat ja die Sprachinselforschung wie später die Heimatver-triebenenforschung maßgebend mitgestaltet, und mit Waltraud Werner zusam-men das„ Volkskunde- Tonarchiv Freiburg" aufgebaut, das eine hervorragendeDokumentationsstelle darstellt.Leopold Schmidt
Karl Haiding, Alpenländischer Sagenschatz. Mit 97 Illustrationenvon Hedwig Zum Tobel, und wissenschaftlichen Erläuterungen imAnhang. 432 Seiten. Wien 1977, Molden- Taschenbuch- Verlag. S 63,—.
Es ist immer erfreulich, wenn eine gute Arbeit einer größeren Öffentlich-keit auch als Taschenbuch dargeboten wird. In diesem Fall handelt es sich umHaidings 1965 zuerst erschienenen„ Österreichs Sagenschatz", der nur jetzt,offenbar aus verlegerischen Gründen, eben zum„ Alpenländischen Sagenschatz"werden mußte, was er der Planung nach nicht war noch ist. Aber ansonst han-delt es sich um das gleiche brauchbare Buch, über das hier( ÖZV XX/ 69, 1966,S. 44 ff.) ja ausführlich kritisch zu berichten war. Auf einige der kritischen Hin-weise ist Haiding in seinen etwas erweiterten Anmerkungen eingegangen, ohneaber etwa Sagen etwa auszulassen oder auszuwechseln, die hier wenig am Platzerscheinen. Der Verlag hat es für notwendig gehalten, Nr. 1( Der gescheite
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