Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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In den letzten Jahrzehnten haben sich die ukrainischen Dörfer von Grundauf verändert. In ihrem Aussehen sowie in der Lebensweise kommen sie denIndustriesiedlungen immer näher.

Daher kam die Suche, die von Wissenschaftlern des neugegründetenMuseums vor mehr als 5 Jahren eingeleitet wurde, gerade rechtzeitig. ZahlreicheExpeditionen fuhren jeden Sommer in die entfernten Gegenden der Republikhinaus, ermittelten und registrierten alte Bauten und sammelten Gegenständeder Bauernwirtschaft. Die auseinandergenommenen Häuser, deren jeder Balkeneinzeln markiert war, wanderten an ihren neuen Ort, dem Stadtrand von Kiew,wo sie von erfahrenen Meistern in ihrer ursprünglichen Art wiederhergestelltwurden.

Die Haushaltsgegenstände sowie Kollektionen von Volksmusikinstrumentenund Ikonen, die vom Museum zusammengetragen wurden, sind von hohemkünstlerischem Wert.

Dieser ganze Reichtum wurde angesammelt, erforscht und in den Labora-torien und Werkstätten restauriert, damit die Museumsbesucher heute in dieVergangenheit des ukrainischen Volkes Einblick nehmen können.

Verschiedene historisch- ethnographische Gebiete der Ukraine weisen Unter-schiede in den Typen von Bauten, den Mustern und Farben der Ornamente undim Schnitt der Kleidung auf. Das Museum setzt sich aus sechs einzelnen Abtei-lungen zusammen, die ein Bild von diesen wichtigsten Gebieten vermitteln mitihren charakteristischen Typen von Bauernhäusern und Wirtschaftsbauten, Wind-mühlen, mit ihren Gebrauchsgegenständen und ihrer Kleidung.

Das älteste Bauexponat ist heute ein Bauernhaus aus dem XVI. Jahrhundert,das aus Polessje, dem nördlichen Teil der Ukraine, stammt. Es ist aber vor-gesehen, daß hier auch eine Ansiedlung aus uralten Zeiten nachgestaltet wirdim Museum ist die Abteilung ,, Altrussische Baukunst" geplant.

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Kiew wird die Mutter der russischen Städte genannt. Gerade hier, auf demTerritorium der alten Kiewer Rus, hat die Kultur der drei slawischen Völker-des russischen, ukrainischen und belorussischen Volkes ihren Ursprung genom-

men.

Das neue Museum ermöglicht, sich mit den uralten Quellen dieser Kulturbekanntzumachen.Wladimir Kolinko

Kiew

Josef Tomschik+

Im hohen Alter ist am 30. Jänner 1978 Regierungsrat Dr. Josef Tomschikgestorben. Tomschik war Pädagoge, beruflich lange Zeit Bezirksschulinspektor.Er war heimatkundlich interessiert, in dem Sinn, wie dies in den zwanziger Jahrenauch vom Wiener Stadtschulrat gern gesehen und gefördert wurde. Damals hater auch, was vielleicht als die bedeutendste außerschulische Leistung seinesLebens zu bezeichnen ist, das Floridsdorfer Bezirksmuseum gegründet, das sichseinen Ruf als besonders engagiertes Bezirksheimatmuseum stets bewahrt hat.Tomschik interessierte sich vor allem für Ur- und Frühgeschichte und hat aufdiesem Gebiet auch ein spätes akademisches Studium durchgeführt. Volkskund-lich war er vor allem für Wien und Niederösterreich ein guter Beobachter. Dasihm ausgezeichnet bekannte Wechselgebiet hatte in ihm einen wichtigen Sammlerund Beobachter, der mitunter auch kleinere Widmungen, Objekte wie Photos,dem Museum für Volkskunde brachte. Aus diesem Gebiet hat er gelegentlichauch in unserer Zeitschrift veröffentlicht. Dem kenntnisreichen Förderer einerheimatkundlich eingestellten Volkskunde gebührt unser ehrenvolles Gedenken.Leopold Schmidt

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