Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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Tauschfamilien längerdauernde Beziehungen mit Brauchcharakter ent-falten( ,, Heimsuchen" an Sonntagen, Kirchweihbesuche mit festlicherBewirtung). Ob die tschechoslowakischen Familien allerdings auchzur ,, Freundschaft"( also in weiterem Sinne zur Sippe") gezählt wur-den, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls blieben einzelne herz-liche Beziehungen bis in die Gegenwart über die Grenzen hinweg auf-recht.

Im Zusammenhang mit dem Kinderaustausch wird man also zwei-fellos auch von horizontaler Mobilität bzw. Migration( Wanderung 4)kleiner und mittlerer Reichweite mit einem Lernziel im anderssprachi-gen Gebiet sprechen können.

Das Alter der Austauschkinder lag zwischen Vorschul- und( gleichfalls eher ausnahmsweise) Rekrutierungsalter. Bevorzugt wurdedie Oberstufe der achtklassigen Volksschule, also das Alter zwischenzehn und vierzehn Jahren, mehrfach auch die Zeit unmittelbar nachder Schulentlassung.

Die Dauer des Aufenthaltes der Wechselkinder im fremdenSprachgebiet dauerte zwischen einem Monat und zwei Jahren. BeiSchulkindern wurden oft die Sommerferien genützt, ebenso oft ver-brachten sie aber auch ein Schuljahr( gewöhnlich von Allerheiligenbis Ostern) im Nachbargebiet, wenn ein regelrechter Schulbetrieb vor-gesehen war. Seitens der Lehrer scheint es in diesen Fällen gewöhnlicheher keine Schwierigkeiten gegeben zu haben, da die dortige Intelligenz-schichte meist beide Sprachen beherrscht haben dürfte; aber auch vieleältere Lehrer im österreichischen Grenzbereich beherrschen bis heutenoch mehr oder minder ganz gut die Sprache der Nachbarn. KurzeWechsel- Aufenthalte wurden manchmal wiederholt 4).

Was die Datierung des Kinderaustausches betrifft, scheint meinältester Beleg für die fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts zu gelten,da das betreffende Tauschkind die Großmutter des Gewährsmannes

1846 geboren wurde%). Eine Nachricht 47) spricht davon, daß derKinderaustausch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts üblichgewesen sei. Übereinstimmend teilen jedenfalls die Beantworter meiner

44) Hiezu etwa Kurt Horstmann: Zur Soziologie der Wanderungen.In: Handbuch der empirischen Sozialforschung, hg. v. René König. Bd. 5,Soziale Schichtung und Mobilität. Stuttgart 1976, 2. Aufl., S. 104 ff.

45) Es wurde mehrfach auf ein relativ niedriges Niveau der( ober) ungari-schen Pflichtschulen im Verhältnis zu den österreichischen verwiesen. Tatsäch-lich scheint dieses mit den sozioökonomischen Interessen des herrschenden ungari-schen Feudaladels korreliert zu haben.

46) Frdl. Mitt. Dr. Richard Schultes aus Bernhardsthal. Der zweitältesteBeleg 1867 bzw. 69 stammt aus Speisendorf bei Karlstein a. d. Thaya.( Frdl.Mitt. Hans Heinz Dum.)

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47) Mitt. Fr. Margot Zeithammer aus Herrnbaumgarten.

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