Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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seltener Töchter- meist aus den Orten Malacka( Malacky), Kiripolz( Kiripolec),Groß und Klein Schützen( Vel. a. M. Levare), Hochstädten( Vysoka priMorava), Jakobsdorf( Jakubov) nach Mannersdorf, um den Austausch ihrerKinder zu besprechen( Alter 11-14 Jahre) und die Verteilung der Plätze( Höchstzahl 6-8) festzulegen. Dauer: Allerheiligen bis Ostern, manchmal auchin den Ferien. Milieu: Kein Unterschied zwischen Groß- oder Kleinbauern. DasVerhältnis zu den Pflegeeltern" wurde als gut bezeichnet, die Austauschkinderwurden wie eigene Kinder gehalten. Es wurde neben dem obligaten Schul-besuch auch leichtere Hofarbeit geleistet. Die Beziehungen blieben im allgemei-nen, besonders da slowakische Bauern in Mannersdorf Grundbesitz hatten,aufrecht. Die hiesigen Kinder blieben mit seltenen Ausnahmen dem Bauernstanderhalten. Ebenso wurden Bauernsöhne aus Ollersdorf und Ebenthal ausge-tauscht.

Marchegg( polit. Bezirk Gänserndorf) 25):

Soweit mir bekannt ist, wurden ausschließlich Buben in die benachbarteSlowakei und auch nach Ungarn zur Erlernung der Sprachen geschickt. Es han-delte sich in erster Linie um Söhne wohlhabender Bauern und Geschäftsleute,damit diese meist 12-14jährigen Buben die Grundlagen für die Verständigungmit ihren späteren Dienstleuten( Knechte und Mägde kamen überwiegend aus derSlowakei) erlernten. Aus meiner eigenen Familie sind mir zwei Fälle bekannt...welche beide in Hochstädten( Vysoka) ein Jahr lang die slowakische Schulebesuchten. Ferner ist mir bekannt, daß die drei Söhne eines Fleischhauer-meisters etwa 1870-1880 ebenfalls in Hochstädten zur Erlernung der Spracheweilten. Diese drei Brüder verbrachten zusätzlich noch ein Jahr in Ungarn, umauch diese Sprache zu lernen. Ein gewisser F. G., geboren 1881, Sohn einesBäckermeisters, verbrachte sein Lernjahr im Försterhaus von Malacka( Malacky)bei seinem Onkel.

Mein Onkel erzählte mir oft von dieser Zeit, u. a., daß die Schulbuben dortim Winter das Holz zum Heizen des Schulzimmers selbst mitbringen mußten...Als Schulfrühstück bekamen sie von ihren Pflegeeltern meist nur ein StückWeißkraut mit, während die slowakischen Buben, welche in Marchegg bei Pflege-eltern waren, wenigstens ein Schmalzbrot mitbekamen.

Die Austauschkinder aus der Marchegger Gegend kamen besonders in dieam jenseitigen Marchufer gelegenen Orte Hochstädten( Vysoka), Stampfen( Stupava), Sohorn( Zohor) und Neudorf( Devinska Nova Ves).

Bemerkenswert wäre noch, daß im Nachbarort Baumgarten a. d. March vondieser Gepflogenheit kein Gebrauch gemacht wurde, weil gerade in diesem Dorfeine besonders große Zahl slowakischer Dienstboten beschäftigt war und sichdadurch die Kenntnis der fremden Sprache von selbst ergab. Es herrschte dortder schöne Brauch, daß die Dienstboten ihre slowakischen Verwandten undFreunde zum Kirtag( Kirchweihfest) einladen durften, wo sie von ihren Arbeits-gebern reichlich bewirtet wurden. Die Dienstboten durften ihren eigenen Kirtagabhalten.

Die Kenntnis der Sprache war seitens der Arbeitgeber nicht nur wegen derVerständigung mit den ständig beschäftigten Dienstboten notwendig, sondernauch wegen der vielen Saisonarbeiter, welche während der Hauptarbeitszeit inunser Gebiet kamen. Sie kamen auch noch in der Zwischenkriegszeit.

Es dürfte sie interessieren, daß die Rübenarbeiter( Vereinzeln, Jäten undErnten der Zuckerrüben) fast ausschließlich Hannakinnen( Anm. d. Verf.: Zentral-mährische Landschaft zwischen Brünn/ Brno und Olmütz/ Olomouc) waren, die ihrenGacda( Vorarbeiter) mitbrachten. Diese Frauen und Mädchen erfreuten sich auf

25) Mitt. Wilhelm Fasslabend.

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