ein entsprechender slowakischer Bub, dessen Eltern bei Palffy angestellt waren.Der zweite, sieben Jahre ältere Bruder, kam in eine zwielichtige Familie. Der,, Pflegevater" nahm ihn immer zum Wildern und Fischen mit, so daß der Vaterseinen Sohn bald zurückholte. Mädchen kamen keine auf Tausch.
Die slowakischen Kinder kamen trotz ihres Alters von etwa 12 Jahren inder österreichischen Schule in die Unterstufe.
Die Kinder blieben im Winterhalbjahr, etwa nach der Weinlese im Novem-ber bis Ostern. Das slowakische„ Suničku"(„ Söhnchen”) mußte mit zwölf Jah-ren( in Ungarn endete nämlich die Schulpflicht schon mit 12 Jahren) nämlichdann schon auf dem Feld arbeiten.
Der Gewährsmann kam- wie Karl Renner- nicht mehr zum ,, Böhmisch-Lernen", weil er nach St. Pölten ins Lehrerseminar geschickt wurde. Aber imNachbarhaus in Jedenspeigen lebten sogenannte„ Herrschaftsknechte" des Gutesder Erzdiözese Wien. Da diese alle Slowaken waren, hatte auch er slowakischeSpielkameraden und lernte so slowakisch.
Slowakische Familien, zu denen man deutsche Kinder schicken konnte,lernte man dadurch etwa kennen, daß Jedenspeigner Bauern im Winter in denKleinen Karpaten( Slowakei) ihr Holz kauften. Auch kamen slowakische Heu-bauern bis in die dreißiger Jahre nach Niederösterreich, um ihr Heu zu ver-kaufen. Wer die Sprache der anderen nicht kannte, war beim Handel im Nachteil.Zum Teil waren slowakische und niederösterreichische Familien auch miteinanderverwandt. Der Hauptunterschied, der den österreichischen Tauschkindern in derSlowakei auffiel, waren die vielen Mehl- und Kartoffelspeisen besonders die, Ölnockerl' waren unbeliebt, während es in Österreich mehr Fleisch gab. Dieslowakischen Dienstboten galten als sehr brav. Die Slowaken waren gewöhn-lich ärmer, weil sie stärker unter den Herrschaften standen. Es kamen auchviele Saisonarbeiter aus der Slowakei, sowie aus Schlesien( Schlesinger').
Laa an der Thaya und Poysdorf( polit. Bezirk Mistelbach) 23):
,, Im Grenzgebiet zwischen Mähren und Niederösterreich, Poysdorf Laaan der Thaya, war es von lange her Brauch, daß Kinder im Austausch ins, Böhmische' gingen, man nannte das auf, Wechsel'. Das südliche Mähren war zudieser Zeit deutsch, erst nördlich von Brünn kam man ins, Böhmische'.
So waren auch meine Eltern im Kindesalter auf Wechsel', weil man Wertdarauf legte, Böhmisch zu können, was bei einem Geschäft sehr gut war, denn inden Sommermonaten gab es hier hunderte Slowaken als Saisonarbeiter auf denumliegenden Gutshöfen. Am Sonntag kamen sie in ihren schönen, bunten Trach-ten herein in die Stadt, um ihre Einkäufe zu tätigen. Damals gab es noch keineSonntagssperre für die Kaufleute das beste Geschäft.
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Also waren auch wir Kinder angeeifert, diese Sprache zu erlernen, undmein Bruder machte den Anfang. Statt ihm kam ein Bub, der hier in Laa dieBürgerschule besuchte. Meinem Bruder gefiel es sehr gut; er war bei Bauern mitgroßer Familie... Nun war auch ich darauf aus,, auf Wechsel' zu gehen, wovonmeine Eltern nichts wissen wollten, weil ich ein ganz mageres, schlecht aus-sehendes Mädchen war. Ich setzte mich aber doch durch und bei einem sehrgroßen Bauern wurde noch durch meinen Bruder ein Platz ermittelt, an meiner-statt kam ein Bub. Es waren noch drei Töchter da, 16-, 18- und 20jährig, so warich also das Nesthäkchen und hatte es wirklich sehr gut. Die Lebensweise warnatürlich wesentlich anders als gewohnt. Es wurde nur von dem gelebt, was derBauernhof abwarf. Nur sonntags gab es hin und wieder Rindfleisch, ansonstennur portionsweise geselchtes Schweinefleisch. Brot wurde im eigenen Backofengebacken, anschließend kamen gleich mit Kraut gefüllte, vom schwarzen Mehl
23) Mitt. Johanna Mattner.
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