Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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dient dieser Aspekt unseres Themas Kinderaustausch" als Teil-erscheinung kultureller Sozialisation noch dazu im ,, interethni-schen" Bereich besondere fachliche Beachtung. Freilich muß indiesem Zusammenhang besonders festgestellt werden, daß der Begriffder ,, Interethnik" natürlich die ideologische Unschärfe des Grund-begriffes ,, Volk" teilt. Ingeborg Weber- Kellermann stellt fest, daß dieGrundeigenschaft ethnischer Gruppen darin liege, daß sie offeneSysteme kultureller Überlieferungen und sozialer Handlungen seien,bei deren Lebenserscheinungen es sich demzufolge stets um dynamischeProzesse, um Wachstum oder Verfall, immer aber um Wandel handle,und sie so theoretisch durch keine allgemeingültigen Merkmalskombi-nationen bestimmbar seien 15). Dieser Bestimmungsversuch, der zwei-fellos einen Fortschritt gegenüber älteren Ethnos- Definitionen dar-stellt, ändert nichts an der Problematik von Volk", auch wenn mansich des Griechischen bedient. Ich selbst habe jüngst in Anlehnung anneuere ,, Gastarbeiter"-Literatur versucht, von Minderheiten ausgehend,konkrete gesellschaftliche Formationen, die in Berührung geraten,durch Sprache, Kultur und Status voreinander abzusetzen, wobeigerade, wie schon Weber- Kellermann angedeutet hat 16), den eine Kul-turlandschaft bestimmenden, jeweiligen wirtschaftlichen Verhältnisseneine entscheidende Rolle zukommt 17). Dies gilt auch für unsere Unter-suchung: Kinder- ,, Wechsel" und Böhmisch- Lernen", Aneignen undVermitteln von Kultur im Grenzbereich zweier Gesellschaften wirdohne Einbeziehung des gewissermaßen kulturökonomischen Unter-grundes letztlich unverständlich bleiben; insofern will sich diese Arbeitam Basis- Überbau- Modell 18) orientieren eine bestimmte, Sitte", ein Brauch", also eine gesellschaftliche Norm, soll aus ihrer Abhängigkeitvon den entsprechenden Produktionsverhältnissen verständlich ge-macht werden.

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15) Ingeborg Weber- Kellermann: Probleme interethnischer For-schungen in Südosteuropa. Eine methodische Betrachtung.( Ethnologia Europaea.Vol. 1, 1967, S. 219.) Ahnl. dies. u. Annemarie Schenk: Interethnik undsozialer Wandel in einem mehrsprachigen Dorf des rumänischen Banats. Mar-burg a. d. Lahn 1973, S. 191( Marburger Studien zur vergleich. EthnosoziologieBd. 3).

16) Dies. Interethnik, S. 191.

17) Vgl. diesbezügl. auch meine demnächst im Rhein. Jahrbuch f. Volks-kunde erscheinende Arbeit über Das Ende einer Minderheit. Zuwanderung undEingliederung slowakischer Landarbeiter in einer ostniederösterreichischen Grenz-gemeinde".

18) Hiezu z. B. Friedrich Tomberg: Basis und Überbau. Sozialphilo-sophische Studien. Darmstadt 1974, 2. Aufl.(= Sammlg. Luchterhand 140).

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