Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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schaften, mit textlicher und bildlicher Vorführung der Bestände der einzelnenOrtschaften, von denen das Museum Trachten besitzt. Vorangestellt ist eine fünf-teilige Einleitung, welche den Weg der Tracht vom Hauswerk bis zur Industriali-sierung beschreibt, auf die funktionelle Bedeutung der Trachten in der agrari-schen Gesellschaft hinweist, die Einflüsse von Staat und Kirche dartut, schließlichauch den gewissen Anteil der Aristokratie am Trachtentragen aufweist, und end-lich das zweite Dasein" der Trachten in der Gegenwart schildert, einschließlichdes Anteiles der Maler( Anders Zorn, Ankarcrona) daran. Die landschaftlicheDarstellung geht vom Süden( Schonen) nach dem Norden vor, bringt neben denan lebenden Menschen aufgenommenen Trachten auch historische Darstellungen.Ein Schlußabschnitt behandelt das Tragen der Trachten, die Trachtenschneidereiund die Fürsorge für die Trachten in bäuerlichen Haushalten. Das NordischeMuseum hat für alle diese Fragen in langen Jahrzehnten Material, nicht zuletztBildmaterial gespeichert, und seine Bibliothek enthält auch die viele Trachten-literatur, von der eine ausführliche Bibliographie Zeugnis ablegt.

Das Buch von Heide Nixdorff geht von etwas anderen Voraus-setzungen aus. Vor allem handelt es sich nicht um die Trachten ihrer Heimat,sondern eben um die im Berliner Völkerkundemuseum verwahrten Trachten ausBöhmen, Mähren und der Slowakei. Es ist erstaunlich und erfreulich, daß inBerlin soviele Stücke aus den verschiedensten Orten der heutigen Tschechoslo-wakei vorhanden sind: ,, Nunmehr stellt unsere Sammlung zu diesem Thema wohldie umfangreichste nach der des Wiener Volkskundemuseums außerhalb derTschechoslowakei dar"( S. 7). Leider ist die Sammlung unseres Museums nichtso gründlich aufgearbeitet, und auch nur in Teilen veröffentlicht, so daß es nichtleicht ist, richtig zu vergleichen. Aber dieses Buch, ein großer, wohl durchdachterKatalog, könnte jedenfalls ein Anreiz dafür sein, das in Wien vorhandene Mate-rial gelegentlich auch einmal in ähnlicher Form zu präsentieren.

Das Buch bringt zunächst eine kurze Einführung über die, charakteristi-schen Merkmale der tschechoslowakischen Trachten", erarbeitet dann die Grund-lagen für Trachtenstoffe, Trachtenverarbeitung, Trachtenpflege", mit beson-derer Berücksichtigung der Stoffbildungstechniken" und Stoffverzierungstech-niken", und bringt schließlich den eigentlichen Katalogteil. Dieser gliedert sichwieder in die umfangreichen Farbtafeln, in die Beschreibung der Trachtennach Regionen, welche eigentlich den Begleittext zu den Schwarz- Weiß- Abbildun-gen darstellt. Für Böhmen" werden fünf Sammelgebiete namhaft gemacht, fürMähren acht, für die Slowakei ebenfalls acht. Das alles ist so praktisch wie nurmöglich angelegt, man kann sich bei jedem Stück sehr rasch und genau orientie-ren. Eine Spezialität stellen die sehr genauen textilkundlichen Angaben dar, dieoffenbar weitgehend auf die Vorarbeiten von Eva Küster( S. 8) zurück-gehen. Die Verfasserin hat sich übrigens nicht auf die alten Sammlungsbeständebeschränkt, sondern hat die tschechoslowakischen Trachtengebiete auch in derGegenwart besucht, was nicht zuletzt durch zahlreiche Photos von Veranstal-tungen in der Mährischen Slowakei usw. bezeugt erscheint.

Bei einer so gediegenen und reichen Dokumentation fällt es schwer, aufEinzelheiten einzugehen. Hier also nur einige knappe Hinweise und Anfragen.Frau Nixdorff betont das West- Ost- Gefälle, das Schwinden der, westlichen"Trachtenelemente je weiter man nach Osten kommt"( S. 10 f.). Aber das mußman doch etwas historisch deutlicher fassen: Böhmen und Mähren gehörteneben zum Westen" nämlich zu Österreich, und die Slowakei zum Osten", siewar doch das alte Oberungarn. Die Trachten stammen durchwegs aus Zeiten,in welchen diese historischen Zuordnungen Geltung hatten. Die Eigengesetz-lichkeiten mancher Grenzlandschaften wie etwa der, Mährischen Slowakei" müs-sen doch auch historisch gesehen, und in Verbindung mit den weitwanderndenHirtengruppen überdacht werden. Die alte Zeit hat die überscharfen Grenzen

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