Sehr wichtig ist der Hinweis auf allfällige Einordnung von Giebelkreuzen in denKreis der Flurdenkmäler, die durch sekundäre Verwendung ohne weiteres denk-bar ist, jedoch auch jener auf Standortveränderungen sowie die Beziehungen zualten Straßen und Wegen.
Im Bildteil sind leider nur„ die interessantesten jener Flurdenkmäler auf-geführt, die sich in Art, Form und Bearbeitungsmerkmalen von den schlichten,inschriftlosen abheben"; dieses ,, Manko" ist angesichts des großen Reichtums anderartigen Monumenten weder dem Autor noch dem Verlag anzulasten, erscheintaber dennoch gerade jenem Interessenten, der nicht in Hessen zuhause ist, be-dauerlich. Bedauerlich( um auf die Sprache zu kommen) ist auch die Anwendungdes um eine Nummer zu großen Ausdruckes"( Hans Weigel)„ Thematik",wo„ Thema" völlig genügend wäre, sowie der adversative Mißbrauch von,, während"aber ,, usus tyrannus" dieser Abusus ist heute gang undgäbe wir kennen es ja auch. Mit dieser kleinen Beckmesserei soll aber demGesamteindruck kein Abbruch getan werden: nehmt Alles nur in Allem- derVerfasser hat uns einen schätzbaren Beitrag zur Flurdenkmalforschung geliefert,der jedem Interessenten nur wärmsten empfohlen werden kann.
Emil Schneeweis
Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde. Herausgegeben von H. L. Cox. 22. Jahr-gang. 1. Halbband. Wohnen. Zusammengestellt und redigiert von MaxMatter. 152 Seiten, mit mehreren Abb. im Text und auf Tafeln. Bonn1977, Ferd. Dümmlers Verlag. DM 16,-.
Nach einer Pause von vier Jahren liegt nunmehr wieder ein Band, wennauch nur ein Halbband, des„ Rheinischen Jahrbuches für Volkskunde" vor, daseinst von Karl Meisen gegründet, später von Matthias Zender fortgeführt wurde.Damals war das„ Rheinische" daran immer vorhanden, und auch die„ Volks-kunde". Heute wird man das landschaftliche Element erst suchen müssen, undvon Volkskunde im geläufigen Sinn ist nicht viel zu merken. Der Großteil derArtikel gehört nämlich jenem Zwischenbereich zwischen Soziologie und De-moskopie an, das als bundesdeutsche Mode eine zeitlang offenbar großen Ein-druck auf die Studenten, und nicht nur diese, gemacht haben muß. Daraus erge-ben sich Artikel wie„ Wohnung und Wohnen" von Margret Tränkle als ein,, Abriß über wohnsoziologische Fragestellungen". Daraus auch„ Das Haus alsMittel zur Repräsentation" von Walfried Pohl. Ein Versuch, diese Dinge inder Wirklichkeit des Lebens auf dem Lande zu erfassen, stellt die Studenten-gemeinschaftsarbeit„ Bauen und Wohnen" in einer Bauarbeitergemeinde"( näm-lich Langenfeld) von Jürgen Herrguth, Max Matter, FriedrichMünch, Walfried Pohl, Edeltraud Schomisch und Peter Thieldar. Einem zeitgebundenen Phänomen ist der Artikel„ Zur Wohnsituation aufeinem Dauercampingplatz" von Michael Faber gewidmet. Ausführliche„ Be-merkungen zur musealen Dokumentation bäuerlicher Wohnformen vor derIndustrialisierung" hat Gottfried Korff in einem Beitrag„ Wohnalltag in derEifel" geboten. Von dieser„ musealen Dokumentation" ist allerdings sehr wenigdie Rede, sehr viel dagegen von den älteren und jüngeren Reisenden- Beobach-tungen über die Eifel, aus den verschiedensten Quellen( Gesundheitsberichtenusw.) ergänzt und daher sehr inhaltsreich. Berichte von Soldaten, die im letztenWeltkrieg die Eifel sehr intensiv kennenlernen mußten, sind übrigens nicht dabei.Sie hätten sich vermutlich meist an das alte Schema der Eifel- Beschimpfungenangegliedert. Was das Museum( hier: Kommern) betrifft, so verlaufen die Hin-weise ungefähr im Sinn der sehr menschlichen Überlegungen des Dänen PeterMichelsen über„ Die Darstellung des Wohnens in einem Freilichtmuseum"( Vortrag Hannover 1971). Ein Gegenstück dazu bietet der vorzügliche, exakt ge-arbeitete Beitrag des Göttinger Museumsdirektors Hans- Georg Schmeling
75