können. Mit seinem Tod 1969 schien das Unternehmen beendet, jedoch frei-lich nicht abgeschlossen. Peuckerts Nachfolger Kurt Ranke hat sich bemüht, dieSerie fortsetzen zu lassen, seine Schüler Petschel und Rehermann haben sichdarum angenommen, und nun liegt der Bd. IV a tatsächlich vor, den also GünterPetsche betreut hat. Es handelt sich um die Kapitel XXXV bis XLII des Ge-samtwerkes und befaßt die verschiedensten mythischen Wesen, von den Drachenüber die Kobolde zu den Bergwerksgeistern, den Walen und Venedigern bis zuden Wald- und Wasserwesen und dem Teufel, der schließlich noch im beson-deren als betrogener und dummer Teufel vorgestellt wird. Die alten Sammlun-gen enthalten sehr viel Material dazu, das hier gewissenhaft aufgearbeitet undangeordnet ist. Petschel hat die umfangreiche Sammlung( es sind des Gesamt-werkes Nummern 2971 bis 3350) genau mit Herkunftsnachweisen und Vergleichs-stellen kommentiert, übrigens, was in einigen Fällen sehr notwendig war, auchWorterklärungen und kurze Übersetzungen beigegeben.
Damit ist das wichtige Sammelwerk also nach so vielen Jahren doch wie-der einen Schritt weiter gediehen, und man kann Teil V erwarten, der vonRehermann herausgegeben wird, und schließlich die Teile VI und VI a, die auchden so notwendigen Registerband bringen werden. Leopold Schmidt
Heinrich Riebeling, Steinkreuze und Kreuzsteine in Hessen.Ein topographisches Handbuch zur rechtlichen Volkskunde. Dossenheim/Heidelberg 1977, Werner Noltemeyer Verlag. 255 S., zahlr. Abb., Facsi-milia, Skizzen und Tabellen.
Der vielen österreichischen Bildstockfreunden auch persönlich wohlbekannteVerfasser hat mit dem zu besprechenden Opus eine jener regionalen Monogra-phien geliefert, die man in der einschlägigen Literatur nicht mehr missen möchte.Vor uns liegt ein fürwahr mit der sprichwörtlichen„, deutschen Gründlichkeit"gearbeitetes Werk, das wir nicht anstehen als beispielhaft für ähnliche Forschun-gen zu bezeichnen. Vermißt der( in der Einführung unter den erhofften Benüt-zern zwar nicht genannte) Volkskundler anderweitig oftmals die Berücksichtigungseiner speziellen, ergänzenden und damit gerade in der Flurdenkmalforschungentscheidenden Kriterien, so bleibt hier diesbezüglich eigentlich kein Wunschoffen; es erscheint vielmehr alles erfaßt zu sein, was sich eben noch erfassenließ: die mit einer originellen Montage belegten Flurnamen ebenso wie die füruns so wertvollen Sagen und Überlieferungen mit ihren Varianten. So ist dennauch das Motiv der Feindlichen Brüder mit einer Menge neuen Materials ver-treten, um wenigstens eines zu nennen; von sonstigen volkskundlich relevantenNotizen sei das Tragen von Steinkreuzfragmenten als Amulett erwähnt. ZumProblem der„ Roten Kreuze" kann vielleicht die Bemerkung über die roteBemalung von Steinkreuzen weiterhelfen. Daß die Rechtsvolkskunde voll zumZuge kommt, sagt ja schon der Untertitel. Und ganz im Sinne der Gegenwarts-volkskunde sowie meiner Forderungen im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft fürBildstock und Flurdenkmalforschung sind neuere und neueste Stücke ebenfallsin die Bearbeitung einbezogen. Sogar die sattsam bekannte Anglo- beziehungs-weise Amerikanomanie der Jetztzeit hat ihren Niederschlag in der Steinkreuz-forschung gefunden: ein mit dem Motiv der Leichenrast des hl. Bonifatius ver-knüpftes Stück steht in der Nähe eines 1964 erbauten Aussiedlerhofes mit dem,, schiach- schönen" Namen„ Bonifatius Ranch".
Der Freund urkundlicher Quellen kommt ebenso auf seine Rechnung wiejener von tabellarisch- statistischen Aufstellungen. Die Übersicht über Entwicklungund Organisation der deutschen Steinkreuzforschung rundet die Arbeit eben-sowohl ab wie die vorbildlichen Literaturangaben und die nach mehreren Ge-sichtspunkten gegliederten Stichwortverzeichnisse. Daß Anregungen für Nomen-klatur und Inventarisation eingearbeitet sind, braucht kaum erwähnt zu werden.
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