Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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gegenüber, das doch wohl erst mit den am Niederrhein herrschenden Wittels-bachern von den Niederlanden nach Bayern gekommen sein dürfte.

Viele der im Bild gezeigten Erscheinungen werden in einem flüssig ge-schriebenen kenntnisreichen Text erläutert, nicht zuletzt aus zeitgenössischenReisebeschreibungen und sonstigen Barockquellen. Da die Bildausschnitte selbstweder numeriert, noch betitelt sind, muß man in den Text schauen, der aberseinerseits auch wieder keine Quellenangaben gibt. Bedauerlicherweise ist auchdie offenbar umfangreiche Literatur, aus der die Autorin geschöpft hat, in kei-nem Literaturverzeichnis namhaft gemacht, geschweige denn in Anmerkungenim einzelnen aufgeführt. Das ist ausgesprochen schade. Irgendeine Form derHerkunftsangabe der jeweiligen Kenntnis hätte sich doch finden lassen sollen.Ein schön gemachtes und gut geschriebenes Buch also, das nur den Fachmann,der die Dinge eben belegt haben will, nicht recht befriedigen kann.

Leopold Schmidt

Wingolf Lehnemann, Irdentöpferei in Westfalen. 17. bis 20.Jahrhundert.(= Schriften der Volkskundlichen Kommission fürWestfalen, Bd. 24) 256 Seiten, 10 Karten und 41 Zeichnungen im Text,115 Abb. auf Tafeln. 1 Karte als Beilage. Münster 1978, Verlag Aschen-dorff. DM 39,-.

Eine Untersuchung des alten Gebrauchsgeschirrs in Westfalen war längstausständig. Die bemerkenswerten Schmuckschüsseln aus Ochtrup und aus Stadt-lohn waren wohl bekannt, aber die Geschichte der Töpfer, die sie in der Neuzeithergestellt hatten, lag doch im Dunkeln. Diese überaus sorgfältig gearbeiteteDissertation, bei Günter Wiegelmann in Münster geschrieben, stützt sich auf dasviele Material, das die so intensiv tätige westfälische Volkskunde seit langem inihrem Archiv gespeichert hat, wie auf alle weiteren zugänglichen Quellen ein-schließlich der Museumsbestände. Das Gebiet ist einigermaßen überschaubar,weil verhältnismäßig arm an Töpfern: Während man in Bayern in alter Zeiteinen Töpfer für 2000 Einwohner rechnete, so in Westfalen und auch sonst inNordwestdeutschland einen Töpfer erst auf 6000 Einwohner. Dennoch müssendiese Töpfer in vier Jahrhunderten hunderttausende von Tellern, Krügen,Schüsseln, Tabakstöpfen usw. gemacht haben, von denen sich nur ein winzigerTausendsatz erhalten hat. Das alles wird von Lehnemann genau, methodisch klugaufgegliedert dargestellt, von der Entwicklung des Töpferhandwerks über dieVerbreitung der Töpferorte in Westfalen zu den Voraussetzungen der Töpfereimaterieller und sozialer Art, bis zum Vertrieb durch die Topfhändler( Wander-händler) und zur Produktion und den Namen, der Form und den Funktionender Töpfererzeugnisse. Jede Einzelheit wird durch eine frische Strichzeichnungerläutert, und der wesentliche Bestand mit den guten Photos im Anhang vor-geführt. Ein ausführliches Verzeichnis der Töpferorte in Westfalen wie eingutes Register schlüsseln die Gesamtarbeit in erfreulichster Weise auf.

Leopold Schmidt

Niedersächsische Sagen IV a. Nach der Textauswahl von Will- Erich Peuk-kert herausgegeben von Günther Petschel(= Denkmäler deutscherVolksdichtung, Bd. 6/ IV a). Göttingen, 1977, Verlag Otto Schwarz& Co.,408 Seiten. DM 37,80.

Von den vielen Unternehmungen, die Peuckert nach dem Zweiten Welt-krieg begonnen hat, ist so manche steckengeblieben. Dazu gehört bedauerlicher-weise das Handwörterbuch der Sage", dazu aber auch diese Denkmäler deut-scher Volksdichtung", die offenbar eine große Neudruckserie alter Sagenver-öffentlichungen werden sollten. Für Niedersachsen, in dessen geistiger HauptstadtGöttingen Peuckert ja Professor war, hat er immerhin vier Bände herausbringen

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